„Siehst du das große Haus da drüben? Da wohnt sozusagen der Herr von Larenders. Er ist ein guter Freund von mir, du wirst ihn heute kennenlernen. Er heißt Amadeus. Amadeus achtet auf Larenders, da Darwin und ich die Zeit nicht hätten, um uns um alles zu kümmern." Wir fuhren gerade in die Stadt hinein und Raphael erklärte mir die verschiedensten Gebäude. Die Pferde liefen langsam, so konnte ich alles ansehen.
„Da vorne der Turm habe ich bauen lassen. Er ist für die Mondgöttin gedacht. Dort wird auch unsere Trauung und deine Zeremonie zur Königin stattfinden. Die Mondgöttin hat jedem Werwolf eine Soulmate geschenkt. Im Schloss sind Bücher mit allmöglichen Legenden die kannst du gerne lesen, wenn es dich interessiert. Auf jeden Fall ist der Turm der Ort an dem alle Werwolfmates heiraten.
Siehst du da vorne die Kirche? Da gehen Menschen hin zum beten. Ich hab mich nie damit beschäftigt, was sie für einen Glauben haben. Wir Werwölfe ehren die Mondgöttin. Unsere Entstehung haben wir den Hexen zu verdanken.
Da vorne ist das Stadion, da müssen wir hin." erklärte Raphael während wir durch die Stadt fuhren. Das Stadium von dem Raphael als letztes gesprochen hat, wurde immer größer. Und schon bald blieb die Kutsche davor stehen und ein Diener öffnete uns die Türe. Raphael stieg aus und half mir dieses mal schnell beim Aussteigen bevor ich mich wieder drücken konnte. Staunend sah ich mich um. Viele Menschen warteten vor dem Eingang um eingelassen zu werden. Nun sahen alle Leute zu uns und verbeugten sich. Raphael nahm mich an der Hand und führte mich durch die Menge. Keiner von ihnen blickte auf. Alle Augen waren auf den Boden gerichtet. Die Menge hatte einen Gang gebildet durch den Raphael und ich durchschreiten konnten. Am Eingang standen ein paar Leute und es sah so aus als ob sie auf Raphael warteten. Als wir näher kamen erkannte ich, dass es Raphaels Frauen und Darwin waren. Neben Darwin befand sich auch eine Frau, die ich noch nie gesehen hatte. Darwin hatte eine Hand an ihrer Hüfte und behielt sie nah an sich, so als ob er fürchtete, dass ihm jemand die Frau weg nahm.
„Raphael, Silvester gut, dass ihr jetzt da seit." begrüßte uns Darwin mit einem strahlenden Lächeln. „Das ist Sarah, Silvester meine Mate. Sarah das ist Silvester Raphaels Mate." stellte mir Darwin die Frau neben ihm vor. Ich hielt ihr meine Hand hin und stellte mich nochmals selbst vor. Sarah schenkte mir ein Lächeln und neigte den Kopf etwas zu Boden, so dass es wie eine kleine Verneigung wirkte, die ich einfach ignorierte. Vor mir muss sich niemand verbeugen. Raphael ließ von mir ab und begrüßte seine vier Frauen jeweils mit einem Kuss. Angeekelt sah ich weg. Als er danach wieder zu mir kam und mich halten wollte wich ich weg. Das ließ ich mir doch nicht gefallen, soll er doch bei seinen Frauen bleiben. „Was ist los Silvester?" fragte er mich und zog seine Augenbrauen hoch. Er verstand es wohl nicht, dass mir die Anwesenheit seiner Frauen mehr als nur unangenehm ist. „Nichts" meinte ich nur und warf einen kurzen Blick zu seinen Frauen. Valeria sah mich mit einem wütenden Blick an. Auch Claude und Olda waren wohl nicht erfreut mich zu sehen. Nur Erika sah mich verständnisvoll an. Auch Sarah und Darwin warfen mir einen mitfühlenden Blick zu. „Sag schon, du hast doch was? Hat dich jemand blöd angeschaut?" bohrte Raphael nach. Erst jetzt bemerkte ich, dass sich die Leute, die sich jetzt hinter uns befanden, erhoben hatten. „Alles gut. Ich kann alleine stehen und laufen. Du musst nicht wie eine Klette an mir hängen." sagte ich. Auf Darwins Gesicht bildete sich ein amüsiertes Lächeln. „Silvester erstens hänge ich gerne wie eine Klette an dir, also gewöhne dich daran und zweitens lasse ich dich hier nicht eine Sekunde aus den Augen." rechtfertigte er sich und zog mich zu sich. So schnell, dass ich gar nichts machen konnte. Er konnte aber jeder Frau einen Kuss geben ohne mich im Auge zu haben. Allerdings sagte ich das nicht. „Gehen wir rein." sagte Raphael. Die Eingangstüre zum Stadion wurde daraufhin geöffnet. Raphael lief mit mir als erstes rein. Hinter uns Darwin mit Sarah und Raphaels Frauen. Raphael führte mich gleich geradeaus auf eine Treppe zu, die wir alle empor stiegen. Ich weiß nicht wie viele Treppen wir hinauf gestiegen sind, aber ich war komplett außer Atem als die Stufen endlich aufhörten. Keiner der anderen schien das auch nur ein wenig angestrengt zu haben, nur mich. Ich fühlte mich als ob ich auf einen Berggipfel geklettert bin. Raphael lief die Stufen aber auch ziemlich schnell empor, ohne Rücksicht auf meine Kondition zu nehmen. Erst als wir am Ende der Treppen stehen blieben blickte er zu mir und schien ziemlich amüsiert darüber zu sein, wie fertig ich war. Wahrscheinlich hörte er wie mein Herz heftig gegen meine Brust pochte und das schneller als sonst. „Das Menschenmädchen hält ja auch gar nichts aus." murrte Valeria leise. Aber doch so laut, dass wir es alle hörten.
„Es ist halt nicht jeder mit einer übernatürlichen Kraft gesegnet wie ihr." wehrte ich mich. Was kann ich dafür, dass keiner von ihnen ein Mensch war. „Ich verstehe nicht wie der mächtigste Mann so ein Schwächling als Mate haben kann." entfuhr es ihr. Alle sahen sie geschockt an und von Raphael erklang ein tiefes bedrohliches Knurren. Schnell senkte Valeria ihren Kopf und murmelte eine Entschuldigung. Raphael hat Valeria wütend fokussiert und schien sich bemühen nicht die Beherrschung zu verlieren. „Komm schon Raphael das war doch nur ein Scherz. Du kennst doch Valeria ab und zu kann sie einfach ihre Klappe nicht halten." mischte sich Claude ein und schaffte es somit sogar, dass sich Raphael beruhigte. Er wendete sich jedenfalls zu mir und checkte mich von oben bist unten ab. Mein Herz hat sich schon etwas beruhigt und ich atmete auch schon wieder etwas gleichmäßiger.
Darwin und Sarah starteten dieses Mal als erste los. Und liefen auf eine Türe zu. Ich folgte ihnen neugierig ich wollte endlich wissen was wir hier genau wollten. Wir standen in einer Art Fußballstadion. Das Stadion war allerdings nicht Oval sondern kreisförmig. Rundherum war eine Tribüne. Doch außer uns war noch keine Menschenseele hier. Staunend sah ich mich um. Das Stadion war einfach gewaltig. Ich spürte Raphaels Präsenz hinter mir. „Na gefällt es dir hier?" erkundigte er sich. Ich gab nur ein immer noch bewunderndes „Ja" von mir. „Komm da vorne sind unsere Plätze. Raphael führte mich zu einem Sitz. Erst jetzt bemerkte ich das wir in eine Art VIP Bereich waren. Unsere Stühle waren breit und gepolstert während die anderen abgeschottet von uns auf kleineren Plastiksitzen sitzen mussten. Nun kamen auch andere Leute herein. Alle ließen sich irgendwo nieder. Kleine Kinder, Babys, Teenager alle waren da. Es dauerte seine Zeit bis alle Sitze besetzt waren und auch dann strömten noch Leute hinein und standen in der letzten Reihe.
Ich schaute auf den Platz nach unten. Es war kein Wiesenplatz sondern einfach ein Kreis mit Dreck. Plötzlich vernahm ich ein Scheppern und daraufhin kamen zwei leicht bekleidete Männer in gebückter Haltung auf den Platz. Die Männer wirkten sehr geschwächt und angsterfüllt. Sie blickten sich nicht um sondern blieben einfach mittig stehen und hielten ihre Blicke auf den Boden gerichtet.
„So Silvester du wolltest ja einen Vertrauensbeweis. Den bekommst du jetzt." flüsterte Raphael mir ins Ohr. Doch die zwei Männer, die ich unten sah zeigten mir, dass ich diesen Vertrauensbeweis nicht haben will. „Raphael ich will nicht hier sein. Ich habe kein gutes Gefühl." sprach ich mit zitternder Stimme. Um uns herum entstanden Gespräche. Das Stadion wurde durch Stimmen erfüllt. „Es wird nicht lange dauern Silvester, dann fahren wir nach Hause. Aber lass uns jetzt starten." mit diesen Worten erhob sich Raphael und lief ein paar Schritte nach vorne an das Geländer.
„RUHE" schrie er und die Gespräche rund um uns wurden immer stiller bis man eine Nadel zu Boden fallen hören würde. „Wir haben uns heute hier versammelt, weil diese zwei Männer eure zukünftigen Königin unter ihrer Würde behandelt haben. Sie haben ihr Angst gemacht und sie zu dem noch angefasst. Deshalb verurteile ich sie hier mit zum Tode!"
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In a different World
Fantasy„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
