Raphael und ich haben gemeinsam gefrühstückt, nachdem er mir gesagt hatte, dass er mir hilft nach Hause zu kommen. Er hat mir auch erzählt, dass es wahrscheinlich noch etwas dauern würde. Aber das war okay für mich. Solange es Hoffnung gab, war ich positiv. Die Frage war eher, ob ich Raphael vertrauen konnte. So sicher war ich mir dabei nämlich nicht. Mir blieb allerdings nichts anderes übrig als an das Gute in ihm zu denken und ihn mir helfen zu lassen. Wieso er mir plötzlich half, wollte er mir nicht verraten. Egal wie oft ich ihn danach fragte. Er hat immer abgeblockt. Also beließ ich es vorerst. Bevor ich aber von hier weg bin, hoffe ich noch meine Antwort zu erhalten. Irgendeinen Haken musste das Ganze ja haben.
Als wir fertig gegessen haben, kam Anastasia in das Esszimmer. „Ist sie bereit?" fragte sie Raphael. Verwirrt wendete ich meinen Blick zu Raphael wofür soll ich bereit sein? Auch er wendete sich mir zu. „Anastasia wird dich trainieren. Sie wird dich zu einer fantastischen Hexe machen. So kannst du in deine Welt reisen. Aber erst muss sie dich darauf vorbereiten." erklärte mir Raphael. „Ich bin bereit" bestätigte ich Anastasia selbst. Sie musterte mich kurz und nickte dann. Schweigend folgte ich ihr. Auch Raphael kam mit. Er wollte wohl das Training weiterhin überwachen. In gewissermaßen beruhigte mich das. Denn Anastasias Trainingsmethode war schon etwas fragwürdig. Ich war gespannt, wie es dieses Mal ablaufen wird.
Anastasia und Raphael, welcher mittlerweile an Anastasias Seite lief, führten mich aus dem Schloss hinaus tief in den Wald. Die beiden redeten über unbedeutendes Zeug, während ich ihnen schweigend folgte. Als sie dann stehen blieben, sah ich mich um. Wir standen an einer kleinen Lichtung im Wald. Fünf riesige Felsen standen in einem Kreis um eine kleine Wiesenfläche. Ansonsten war da nichts zu sehen.
„Ich will das du dich in mitten der Steine stellst Silvester." befahl mir Anastasia. Somit lief ich an den besagten Platz und wartete auf die nächste Anweisung. Diese kam allerdings nicht. Denn schon flog ein Stein in meine Richtung. Hätte ich mich nicht rechtzeitig noch geduckt, hätte mich der Stein getroffen. Raphael knurrte Anastasia warnend an. „Du hättest sie darauf vorbereiten müssen! Du sollst sie trainieren und nicht verletzen, Anastasia." murrte Raphael und checkte mich ab, ob ja nichts passiert war. „Silvester muss endlich mal ihre Kräfte einsetzen. Am leichtesten fällt es uns allen, wenn wir in Gefahr sind." rechtfertigte sich Anastasia und wendete sich mir zu. „Aber ich kann meine Kräfte einsetzen." protestierte ich. Immerhin ist es mir gelungen Raphaels Zimmer in Brand zu stecken. Darauf war ich zwar nicht stolz, aber es zeigte, doch dass ich meine Kräfte einsetzen kann. „Achja?" fragte Anastasia spöttisch „Dann zeig es doch endlich." Mit diesen Worten folgte der nächste Stein. Wieder wich ich schnell aus. „Du sollst nicht ausweichen, Mädchen. Wehre dich! Du sagtest ja, dass du es kannst." schnauzte Anastasia. Ihre Trainingsmethode überzeugte mich rein gar nicht. Was, wenn es mir nicht gelang? Dann würde ich eine riesige Beule an meinem Kopf bekommen, wenn nicht sogar eine Gehirnerschütterung. Natürlich musste ich ausweichen. „Anastasia, lass gut sein, übe mit ihr etwas anderes." mischte sich Raphael wieder ein. Da war ich mal ganz seiner Meinung. Sie soll mir was Sinnvolles beibringen, etwas, das mir hilft nach Hause zu kommen. „Ihr zwei schnallt es einfach nicht oder? Silvester wird ihre Kräfte nie beherrschen können, wenn sie nicht darauf vertraut. Sie muss auf ihre Magie vertrauen, das ist der erste Schritt, den jede Hexe lernen muss. Vertrauen ist der Grundbaustein. Du musst eins werden mit der Magie. Dein Problem ist, dass du deinen Kräften nicht traust. Silvester du hast angst davor zu versagen. Lerne es zu akzeptieren wer du bist. Ich weiß du bist nicht von hier und verstehst das alles nicht. Trotzdem wird es erstmals darum gehen, dass du Vertrauen und Akzeptanz zu dir selbst und deinen Kräften aufbaust. Verstehst du es jetzt?" fragte Anastasia, nachdem sie Raphael und mich voll aufgeklärt hatte. Das hätte sie von Anfang an machen müssen. Ich habe nicht verstanden, was sie von mir wollte. Die hat ja eine Schraube locker. Ich glaube auch Raphael sah das so. Er sah Anastasia mit verengten Augen und einem Stirnrunzeln an.
Dem nächsten Stein der auf mich zu kam wich ich nicht aus. Ich konzentrierte mich auf ihn und suchte mein Kräfte, meine Energie in mir zu sammeln. Nur war ich zu langsam dafür. Der Stein streifte meinen Kopf und flog an mir vorbei. Da hatte ich wohl nochmals Glück gehabt. Mein Herz pochte. Meine Hände zitterten und ich schwitzte am ganzen Körper, als schon der nächste Stein auf mich zuraste. Dieses Mal raste er aber direkt auf mein Gesicht zu. Ich strengte mich an und suchte irgendeine Energiequelle in meinem Körper, um die Bekanntschaft mit diesem Stein zu verhindern. Es wollte mir aber einfach nicht gelingen. Panisch riss ich meine Augen auf als der Stein schon zu Nahe war, um mich irgendwie zu retten. Da lag ich aber falsch denn Raphael schubste mich gerade noch rechtzeitig auf die Seite. Wütend knurrte er Anastasia an. „Das reicht jetzt! Lass dir eine andere Trainingsart einfallen. Ich werde das nicht weiter billigen!"
Anastasia seufzte. „Wir müssen Silvester irgendwie aufwecken Raphael. Sieh sie dir doch nur an. Kennst du eine Hexe, die sich nicht wehren kann? Ich nämlich nicht. Auch Hexenkinder können sich schon selbst beschützen. Das ist, wie ein Instinkt für uns. Irgendetwas läuft da bei Silvester falsch."
„Es läuft rein gar nichts bei ihr falsch, Anastasia. Silvester bemüht sich. Ich habe das selbst gesehen. Aber du bringst sie ja fast um, wie soll sie sich da noch konzentrieren?" schimpfte er mit Anastasia. „Wie gesagt normalerweise verlässt man sich auf den Instinkt oder das Bauchgefühl." sagte Anastasia nur schulterzuckend.
Enttäuscht ließ ich den Kopf hängen. Hieß das ich würde es nicht nach Hause schaffen? War ich zu schwach dafür? Es musste doch einen Weg geben, wie ich hier wegkam. Eine Idee hätte ich zwar, die würde Raphael wahrscheinlich nicht zulassen, geschweige denn anhören. Der Hexenrat hatte eine andere Methode mir das Hexen beizubringen und ich würde auch sagen eine effektivere. Ich musste zurück zu ihnen.
„Komm Silvester. Das war erst dein zweites Training. Lass nicht gleich deinen Kopf hängen. Anastasia überlegt sich bis morgen etwas anderes. Also nimm es dir nicht gleich so zu Herzen." munterte mich Raphael auf und schickte Anastasia mit einem Nicken von uns weg. „Wenn aber schon Kinder besser mit Magie umgehen können, wie soll ich das jemals erlernen." gab ich entrüstet von mir. „Das wirst du Silvester. Glaub an dich. Mit einem hat Anastasia recht. Du musst dir selbst vertrauen."
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In a different World
Fantastik„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
