35. Kapitel

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Darwin und ich redeten noch lange miteinander. Er brachte mich danach noch zu Raphaels neuem Zimmer und meinte, dass er vor der Türe warten würde bis Raphael kam. So viel Freiraum gewährte er mir. Nach meiner Flucht unter seiner Aufsicht war Darwin ziemlich vorsichtig, das merkte ich ihm an. Erst wollte er mich nämlich keine Sekunde aus den Augen lassen. Aber ich konnte ihn davon überzeugen, dass der eifersüchtige Raphael es alles andere als gut finden würde, wenn Darwin mir beim Schlafen zu sah. So blieb Darwin, wenn auch etwas misstrauisch vor der Türe stehen, während ich mich im Bad bettfertig machte und danach schlafen legte.

Am nächsten Morgen war ich vor Raphael wach. Dieser lag neben mir und atmete noch gleichmäßig. Schlafend sah Raphael richtig friedlich aus. Lange musterte ich ihn, da er tief und fest zu schlafen schien und es nicht bemerkt, wenn ich ihn anstarrte. So genoß ich irgendwie denn Anblick von dem hübschen Mann, seufzte aber als mir wieder durch den Kopf geht was ich alles wegen ihm durchmachen musste oder noch durchmachen muss. Die Ruhe noch genießend lief ich ins Bad, um die Toilette zu benutzen und mein Gesicht zu waschen. Danach schlich ich wieder ins Zimmer und blickte vom schlafenden Raphael zur Türe. Ob ich es wagen sollte? Fragte ich mich. Und so kam es dazu, dass ich so leise wie möglich aus Raphaels neuem Zimmer schlich, der dieses Mal wirklich tief zu schlafen scheint und somit nichts davon mitkriegt.

Ich schlenderte die Flure des Schlosses entlang und blickte mich überall etwas um. Die ersten Leute waren auch schon wach und am Arbeiten. Das Küchenpersonal stürmte von der Küche zum Speisesaal und wieder zurück. Ich lief daran vorbei, ich wollte Gänge erkunden in denen ich noch nie war. Also bog ich anstatt nach links den nächsten Gang nach rechts ab. Der Gang war wie jeder andere. Einen steinernen Boden hohe weiße Decken und Fenster mit roten Vorhängen. Immer wieder waren auf der Seite Türen, doch ich wagte es nicht diese aufzumachen. Was wenn dies Zimmer von den Arbeitern oder so waren? Ich wollte nicht deren Privatsphäre vernichten. So schlenderte ich einfach weiter die Gänge entlang. Bis ich auf eine Treppe stoß. Die eine führte nach unten und die andere mit einem großen Bogen nach oben. Kurz überlegte ich welche Treppe ich nehmen sollte, entschied mich dann für die nach oben führenden Stufen.

Oben angekommen sah ich am anderen Ende des Ganges eine Türe offen stehen. Neugierig lief ich auf diese zu. Ich landete in einer Bibliothek. Überall waren Bücher. Ich schlenderte durch die Bibliothek und zog das ein oder andere Buch, das interessant aussah aus dem Regal, um es mir etwas genauer anzusehen. Als ich dann ein etwas älter aussehendes Buch übers Hexen lernen sah, ließ ich mich auf den Boden nieder und begann zu lesen. Vielleicht lerne ich das Hexen ja durch ein Buch oder es sind ein paar hilfreiche Tipps darin versteckt.

All zu lange konnte ich aber nicht in Ruhe lesen. Ja, Raphael kam hineingestürmt. Sein Gesicht war voller Sorge, die langsam verblasste als er mich sah. Hinter ihm kam Darwin zum Stehen, der mich etwas vorwurfsvoll ansah. Mein Blick schoss zwischen Raphael und Darwin hin und her. Ersterer schien sich versuchen zu beruhigen. Er war wohl über mein Verschwinden etwas aufgewühlt, was er mit seinen Worten verdeutlichte. „Ich dachte du wärst wieder abgehaut." Darwin wendete sich mit einem letzten Blick, den er mir zu warf, ab und verschwand. Nun war ich mit Raphael allein. „Ich hab mich nur in Ruhe umgesehen. Alles gut. Du musst dir keine Sorgen um mich machen." meinte ich zu Raphael. Immerhin wird Raphael nicht immer auf mich aufpassen können, wenn ich zu Hause bin, dann werden wir uns sowieso nicht mehr sehen. „Ich werde mich immer um dich sorgen, Silvester."

Raphael musste zu irgendeiner Besprechung. Sogar Darwin musste da mit. Mich ließ er von zwei Wachen beim Frühstücken bewachen. Es wunderte mich, dass er mich alleine ließ. Aber das hieß, dass es irgendetwas ganz dringendes zum Besprechen gab. Ich war gespannt darauf, ob ich erfahren würde worum die Besprechung ging.

Gelangweilt beobachtete ich wie die Angestellten mein Frühstück wegräumten. In ihrer braunen Arbeitskleidung stürmten die Angestellten in den Raum und trugen schnell alles weg. Es dauerte nicht lange bis der Tisch leer war und ich wieder mit den Wachen allein. Seufzend stand ich vom Stuhl auf und tapste etwas im Raum um. Doch es war einfach nichts interessantes zum machen. Als ich auf die Türe zu schreiten wollte schüttelten die Wachen lediglich ihre Köpfe. Ich warf den beiden einen wütenden Blick zu. Natürlich konnten sie nichts dafür und müssen auf Raphaels Befehle hören, aber trotzdem bin ich sauer. 

Plötzlich öffnete sich die Türe und niemand anderes als Anastasia spazierte rein. "Silvester komm mal mit." meinte sie und winkte mich zu sich. "Ich darf nicht raus." erklärte ich ihr. Ihr Blick huschte zu den beiden Wachen und dann wieder zu mir. "Ach das ist ist ein Grund aber kein Hindernis. Du bist eine Hexe. Vielleicht fällt dir ja was ein." sagte sie in einer Lautstärke, dass die Wachen sicherlich alles gehört hatten. Denn deren Blick schoss sofort zu mir. Ihr Gesichtsausdruck war einerseits ängstlich aber andererseits auch belustigt. Sie wussten wahrscheinlich auch nicht, was sie von der Situation halten sollen. Anastasia sah mich nur erwartungsvoll an. "Was soll ich denn machen?" fragte ich sie neugierig. "Das ist mir egal irgendwas, damit du hier rauskannst. Ist doch sicherlich langweilig den ganzen Tag nur hier drinnen sitzen während Raphael weg ist." Damit hatte sie nicht unrecht. Aber Raphael kam ja sicher bald zurück. Er war schon über eine Stunde weg. Dies sagte ich auch Anastasia, woraufhin sie lachte. "Ich glaub du verstehst nicht. Raphael wird nicht vor dem Abendmahl zurück sein. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß beim Warten. Anscheinend sitzt du ja lieber den ganzen Tag nur rum, als mal endlich was sinnvolles zu tun." mit diesen Worten rauschte Anastasia schon wieder zur Tür raus. Erst wollte ich ihr folgen, doch die Wachen versperrten mir sogleich den Weg. 

Raphael wird noch solange weg sein? Er sagte zu mir, dass es nicht lange dauern wird. Aber Raphaels Worte bedeuteten ja nicht wirklich viel oder? Er sagte auch, dass er mir hilft nach Hause zu kommen und noch bin ich hier. Vielleicht hat Anastasia ja Recht und es ist an der Zeit sich endlich mal selber zu helfen. 

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