Nach dem ich fertig gegessen hatte, sah Raphael zu mir. „Du hast Recht." meinte er plötzlich. „Du bekommst dein eigenes Gemach. Ich höre dir zu. Was willst du noch." Nach diesen Worten schlich sich ein Grinsen auf mein Gesicht. Ich konnte es nicht fassen, war das Raphael, der da sprach? „Ich will von einer Hexe unterrichtet werden." lautete meine nächste Forderung. Er hatte sicher eine Hexe, die mich unterrichten konnte. Alleine wusste ich einfach nicht wie und wo ich anfangen sollte. Und wenn ich schon die Fähigkeit hatte, wollte ich sie auch nutzen. Denn nützlich war es auf jeden Fall. „Du bist also eine Hexe?" vergewisserte er sich, woraufhin ich ihm zustimmte. Ja, ich bin eine Hexe. So ganz konnte ich das auch nicht glauben. „Anastasia wird dich unterrichten. Sie ist die beste Hexe." meinte er daraufhin und sah dann wieder aus dem Fenster. Den hab ich wohl wirklich mit meinen Worten getroffen. Aber das war gut so.
„Ich will mich frei bewegen können." verlangte ich. Immer nur in einem Zimmer zu sein war mir zu langweilig.
„Das geht nicht Silvester. Ich kann dir nicht vertrauen. Wer weiß, ob du wieder abhaust?" sagte Raphael. Immer noch war sein Blick aus dem Fenster gewandt.
„Du willst mich also wieder einsperren?" hakte ich entrüstet nach.
„Nein, du kannst nachts über von mir aus woanders sein. Aber tagsüber bist du dann bei mir. Du wirst dich hier einleben und unsere Sitten lernen. Dafür lehrt dich Anastasia das Hexen und du hast dein eigenes Zimmer. Und da wär noch etwas, ich muss dich noch einmal markieren." mit diesen Worten wandte er sich mir zu und blickte mich herausfordernd mit seinen grünen Augen an. Er wusste, dass ich seinen Forderungen nicht nachgeben würde. Aber warum ließ er mich dann meine stellen? Was hatte es für einen Sinn, wenn er sie doch nicht umsetzen wird?
„Ich werde von mir aus eure Sitten lernen, aber den Rest kannst du vergessen. Wenn du es auch nur wagst mich gegen meinen Willen zu beißen, dann sind wir ein für alle mal fertig miteinander." drohte ich ihm. Ich würde mich nicht noch einmal von ihm beißen lassen. Es war schmerzhaft. Und ich wollte mich in keinster Weise an ihn binden.
„Ich glaub du verstehst es immer noch nicht Silvester. Wenn ich dich erst richtig markiert habe wirst du meine Anwesenheit suchen. Also ist es egal, ob du es willst oder nicht. Ich lasse dir die Wahl. Entweder wir schließen den Deal mit meinen Bedingungen ab, oder es läuft alles nach mir." meinte Raphael „Ich lass dir Zeit zum überlegen."
Somit stand Raphael vom Sofa auf und lief zur Türe. „Und noch etwas Silvester solltest du noch einmal fliehen, werde ich nicht mehr so gutherzig mit dir sein. Überlege dir also gut, was du tust. Ich weiß auch, dass Claude dir geholfen hat. Sie hat ihre gerechte Strafe erhalten. Ich denke das solltest du noch wissen." ergänzte er seine Worte und ließ mich zurück.
Wie konnte er erst so verständnisvoll sein und dann plötzlich alles zu Nichte machen?
Ich hoffe nur, dass es Claude gut geht. Sie sollte nicht meinetwegen leiden. Auch wenn sie nicht immer nett zu mir war, hatte sie keine Strafe verdient. Aber sie war ja eine von Raphaels Frauen, da war er doch sicher nachsichtig mit ihr, oder?
Das hoffe ich zumindest. Er würde sie nicht hinrichten, wie die zwei Männer. Nein so etwas würde selbst er nicht machen. Vielleicht war es doch ein Fehler abzuhauen. Niemand sollte für meine Vergehen gerade stehen müssen. Das war unfair. Claude hat mir nur geholfen. Ich war es die abgehauen ist, nicht Claude. Aber im Moment konnte ich nur abwarten. Abwarten bis Raphael kommt und ihn dann zur Rede stellen.
Nun sitze ich wieder in Raphaels Zimmer und langweile mich zu Tode. Nicht einmal ein Fernseher hatten sie hier, um sich wenigstens etwas abzulenken. Langeweile ist schrecklich. Die Zeit vergeht nicht und man wartet nur darauf bis was spannendes passiert. Aber was sollte schon passieren? Ich war ja hier eingesperrt. Zum Lesen hatte ich einfach keine Lust. Ich wollte nicht mehr, mehr über diese Welt erfahren.
Ich wollte einfach raus hier. Und da kam es mir in den Sinn. Ich bin ja eine Hexe! Ich kann ganz einfach die Türe öffnen. So oder so müsste ich üben. Dann konnte ich ja gleich anfangen. Am wichtigsten war es herauszufinden, was mit Claude geschehen war. Ich machte mir einfach Sorgen und Vorwürfe darüber. Schließlich war es meine Schuld, dass sie bestraft wurde. Ich hatte sie gebeten mir zu helfen.
Wenig später brannte die Tür vor mir. Das Feuer breitete sich immer weiter aus und auf meine Schreie reagierte niemand. Die Tür war vollständig am brennen und es gab somit keinen Weg für mich hinaus aus dem Zimmer. Das Feuer breitete sich übernatürlich schnell aus und bald war schon das ganze Zimmer in Brand. Ich hab mich in die letzte feuerlose Ecke gedrängt und suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Aber ich konnte nirgends hin. Überall war Feuer. So schrie ich nochmals lauthals aus Verzweiflung. Es war zu spät das Feuer war bei mir angekommen. Ich würde sterben. Doch passierte dies nicht. Es war sogar eine angenehme Hitze. Ich verbrannte mich nicht. Das Feuer schlängelte sich um meinen ganzen Körper und ich genoss es in allen Zügen. Wieder kam das Gefühl der Macht in mir hoch. Ich wollte mich dem allen hingeben. Es fühlte sich so gut an.
Aber plötzlich waren die ganzen Flammen weg. Das Feuer war weg. Während überall verkohlte Stücke und Asche rumlagen, stand ich unversehrt in einer Ecke. Der Boden hatte dem Feuer zum Glück standgehalten. Ganz überrascht sah ich zu Türe. Dort stand Raphael mit einer Frau. Die Frau war wohl eine Hexe und hatte das Feuer, mein Feuer zerstört. Verübeln konnte ich es ihr nicht. Denn das Feuer hat alle Sachen von Raphael zerstört. Trotzdem vermisste ich das Feuer die Hitze, die sich in meinem Körper ausbreitete und das Gefühl, dass mir nichts und niemand etwas anhaben kann, war einfach unbeschreiblich.
Raphael sah ziemlich wütend aus. Er blickte sich in seinem Zimmer um. Er suchte nach noch irgendwas brauchbarem. Doch war da nicht mehr viel zu finden. Er war zu spät gekommen. Das einzig ganz unversehrte war ich.
„Jetzt bist du zu weit gegangen Silvester! Unseren Deal kannst du vergessen." fuhr mich Raphael wütend an. Irgendwie verstand ich ihn ja. Ich mein ich hab sein ganzes Zimmer zerstört, da wär ich auch nicht wirklich begeistert. Also nickte ich einfach niedergeschlagen. Raphael lief in seinem Zimmer umher und suchte nach noch halbwegs brauchbaren Sachen. Die Frau die Raphael bei sich hatte kam auf mich zu gelaufen und blieb dicht vor mir stehen. Sie sah mich mit einem provokanten Grinsen an. „Du musst noch viel lernen. Der Hexenrat hat dir wohl nichts beigebracht." meinte sie dann. Und sah zu Raphael, der hin und wieder irgendwo, was rauszog und auf die Seite legte.
„Wer bist du?" fragte ich sie dann.
„Ich bin Anastasia, Raphaels Verlobte."
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In a different World
Fantasy„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
