60. Kapitel

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Es sind Tage vergangen und weder Darwin noch Raphael hatten einen Plan meinen Vater zu befreien. Ich war mir nicht einmal sicher, ob dies ihre erste Priorität war oder sie nur so taten, damit ich nicht auf falsche Gedanken kam.

Jax und Ed waren immer noch im Schloss und werden wahrscheinlich auch vorerst hier bleiben, was meine Laune wenigstens etwas besserte. Obwohl es Raphael ganz und gar nicht gefiel, verbrachte ich viel Zeit mit ihnen, was mich von der ganzen Sache mit Raphael ablenkte. Raphael hat unsere Liebelei nicht mehr angesprochen, worüber ich mehr als dankbar war. Seitdem war er allerdings bester Laune. Ich selbst verdonnerte mich einerseits, dass ich mich hinreisen hab lassen und andererseits wusste ich, dass die Bindung, die Raphael und ich zueinander haben stark ist. Die einzige Möglichkeit Raphael zu widerstehen wäre es, wenn es einen Weg gäbe diese Bindung zu vernichten. 

Plötzlich schoss ein Bild in meinen Kopf. Ein Bild von einem blutüberströmten Mann, der schrie. Dann war da noch eine Stimme "Silvester" flüsterte diese "Silvester, dein Vater leidet und wenn du nicht bald einen Weg findest dich uns auszuliefern, dann wird er sterben." drohte sie mir. Die Stechende Kopfschmerzen ließen mich auf den Boden sinken. Mit beiden Händen hielt ich mir meinen Kopf bis der Schmerz langsam abebbte.

Das war eine Drohung von den Hexen! schoss es mir durch den Kopf. Das war mein Vater. Er war blutüberströmt. Ich musste ihm helfen. Ich konnte meinen Vater nicht einfach dem Tod überlassen. 

Die Tür zu Raphaels Zimmer wurde geöffnet und er trat ein. Als er mich auf dem Boden sah eilte er zu mir. "Was ist passiert?" fragte er mich sofort alarmiert und half mir vom Boden aufzustehen. "Ich hatte nur plötzlich feste Kopfschmerzen aber es geht schon wieder." meinte ich erschöpft und noch vollkommen aufgewühlt. "Bist du dir sicher?" hakte Raphael nach. Ich nickte und meinte, dass ich mich einfach etwas hinlegen musste.

Raphael wollte unbedingt, dass mich eine Ärztin durchcheckte. Diese konnte aber nichts feststellen. Raphael blieb daraufhin bei mir. Er wollte mich nicht alleine lassen und musterte jede meiner Bewegungen. "Mir geht es gut, Raphael" sagte ich etwas genervt zu ihm. „Das sah vorhin aber ganz anders aus." entgegnete er. Ich wollte ihn los werden, wenn ich meinen Vater retten möchte musste ich einen Weg finden, Raphael abzulenken. Aber wie?
Raphael klebte an mir und er ließ sich auch nicht mehr abschütteln. Er lag neben mir im Bett und streichelte mich. „Raphael?" machte ich seufzend aufmerksam. „Hm?" entgegnete er und schaute mir tief in die Augen. 

„Kannst du mich etwas alleine lassen? Ich brauche Zeit für mich." meinte ich. Doch Raphael schüttelte gleich den Kopf. „Dir geht es nicht gut. Ich lasse dich nicht alleine. Auf keinen Fall!" beharrte Raphael. "Bitte Raphael." flehte ich ihn an. 

Raphael schien kurz zu überlegen. "Wieso lässt du mich nicht bei dir sein, Silvester? Dir geht es besser in meiner Nähe. Mates heilen schneller, wenn ihr Mate bei ihnen ist." meinte er dann. 

"Aber es geht mir doch gut. Mir fehlt nichts." widersprach ich ihm. Ich musste meinem Vater helfen, das war alles was im Moment wichtig war. Ich brauchte einen Plan. Ich musste aus diesem Schloss. Irgendeine Möglichkeit musste es geben. 

"Das sah vorhin aber ganz anders aus." sagte Raphael. 

Ich seufzte und setzte mich auf. Ich konnte nicht mehr einfach nur rumliegen, ich musste etwas tun. "Wo willst du hin?" fragte mich mein Aufpasser gleich. 

"In die Bibliothek." klärte ich ihn über mein Vorhaben auf. Von Raphael kam daraufhin ein Knurren. Er drückte mich zurück ins Bett. "Du wirst heute nicht mehr aus diesem Zimmer gehen, Silvester. Anastasia wird jetzt erst nach dir sehen. Es ist bestimmt nicht alles in Ordnung mit dir!" bestimmte Raphael mal wieder. 

Zornig schlug ich seine Hand weg. "Ich muss auf die Toilette, da werde ich doch wohl noch hin dürfen!" fuhr ich ihn an. Als Antwort knurrte er nur unzufrieden und murmelte etwas wie "Was mache ich bloß mit dir?" 

Ich ignorierte ihn und lief ins Bad. Die Türe machte ich hinter mir zu und ließ mich dann an ihr runter gleiten. Wie würde ich hier nur wegkommen? 

Wenig später hörte ich Raphael mit jemanden reden, das bedeutete wohl, dass Anastasia gekommen war. Kurz darauf klopfte es auch schon an der Badezimmertüre und Raphael fragte nach mir. Widerwillig öffnete ich die Türe und machte ein paar Schritte aus dem Badezimmer. 

"Hallo Silvester" begrüßte mich Anastasia, was ich erwiderte. "Setzt du dich einmal hin? Dann schauen wir, was dir fehlt." sprach Anastasia. 

"Mir fehlt nichts." murrte ich. Wieso glaubten sie mir nicht einfach? 

"Silvester! Mach es einfach." brummte Raphael.

"Es geht mir aber gut. Kein Grund zur Sorge." widersprach ich ihm.

"Das werde ich feststellen." mischte sich Anastasia ein und deutete mir mich auf die Couch zu setzen. Wütend ließ ich mich nieder. Anastassia kam auf mich zu und kniete sich vor mich. Sie nahm meine Hände in ihre und schloss ihre Augen. Ein warmes prickelndes Gefühl löste sie damit in meinem Körper aus. Nach wenigen Sekunden ließ sie aber von mir ab. Anastasia musterte mich kurz und wendete sich dann zur Raphael. "Ich denke Silvester sollte es dir selber erzählen." meinte sie. Anastasia wusste also, was passiert war. 

Raphael blickte mich auffordernd an. Doch ich öffnete meinen Mund nicht. 

"Sag es mir." befahl Raphael dann Anastasia. Er wusste wohl, dass ich nicht klein bei gab. Selber tat er das aber auch nicht. 

"Die Hexen haben Silvester eine Botschaft geschickt. Die Botschaft entziffern konnte ich aber nicht. Sie hatte einfach kurz heftige Kopfschmerzen. Das ist normal, wenn jemand anderer in den Kopf eindringt." klärte Anastasia Raphael auf. 

Raphael nickte verstehend. "Also fehlt ihr nichts?" hakte er zur Sicherheit nochmals nach. 

"Mir geht es gut." sagte ich. 

Raphael zog seine Augenbrauen hoch. "Dich habe ich nicht gefragt." stellte  er fest. 

"Ihr geht es gut, Raphael. Die Frage ist, was die Botschaft von den Hexen war." gab Anastasia von sich.

Beide sahen mich daraufhin erwartend an. "Das werde ich nicht sagen!" beharrte ich. Raphael war daraufhin wieder sehr wütend und kam auf mich zu. Schnell sprang ich auf und wich zurück. 

"Sag es einfach Silvester. Du machst alles nur schlimmer." forderte Anastasia. 

Mein Blick schoss kurz zu ihr und dann wieder zu Raphael, der sich zum Glück nicht mehr auf mich zu bewegte sondern, da stehen geblieben ist, wo ich vorher saß. 

Ich schloss kurz meine Augen und atmete tief ein. Als ich sie öffnete war Raphael zur Tür geeilt. An der Tür hielt er kurz inne. 

"Ich muss kurz weg, ein Notfall. Wenn ich wieder da bin, wirst du mir alles erklären Silvester." teilte er mit und verschwand daraufhin. 

In a different WorldWo Geschichten leben. Entdecke jetzt