Silvesters Sicht:
Meine unruhige und schlaflose Nacht wurde von der Krankenschwester beendet, als diese mir Frühstück brachte. Nich immer war der Schmerz nicht weniger geworden, aber ich hatte mich etwas an ihn gewöhnt. Als ich einen Blick auf die Uhr warf seufzte ich. Ich hatte wirklich so gut wie gar nicht geschlafen. Erst gegen früh morgens müsste ich etwas eingedöst sein.
Die Ziffern leuchten mir die frühe Zeit entgegen. Es war noch vor sieben. Hoffentlich konnte ich später noch etwas schlafen. Je wacher ich wurde, desto stärker wurde das Stechen in meinem Nacken und der Druck in meiner Brust. Ich hatte ein riesiges Verlangen. Irgendwie musste ich dieses Verlangen stillen. Doch wie? War es Verlangen nach Raphael? Nach seinen strahlend grünen Augen und seinem markanten Gesichtszügen, die wenn er lächelte so freundlich und einladend wirkten und wenn er ernst oder nachdenklich war, wirkten seine Züge so attraktiv. Und erst seine gelockten braunen Haare.
Stopp- so durfte ich nicht denken. Nicht nach allem was ich dort durchgemacht hatte. Raphael hatte Leute vor meinen Augen umgebracht, er hatte mich eingesperrt, mich gebissen und gegen meinen Willen geküsst. Nach all diesen Dingen konnte ich doch keine Gefühle für ihn hegen. Warum waren sie hier und noch so schmerzhaft? Ob ich nicht doch den Ärzten bescheid geben sollte? Vielleicht half ein Schmerzmittel. Dann konnte ich endlich wieder vernünftig denken.
Ich brauchte Ablenkung. Im Krankenhaus werde ich die wohl nicht bekommen, aber mit meinem Hausarrest wohl auch nicht. Ich denke nicht, dass sich meine Mutter umstimmen lässt, was den Hausarrest angeht und auch nicht was meine Freunde angeht. Aber wie konnte ich ganz allein mit alle dem fertig werde? Ich brauchte Antworten, obwohl ich wusste, dass ich die nicht bekommen würde.
Nach dem Frühstuck kam der Arzt in mein Zimmer, um mich nochmals durchzuchecken. "Wie geht es dir, Silvester?" fragte er mich zur Begrüßung. Kurz überlegte ich, ob ich ihm nun von meinen Beschwerden erzählen sollte, aber ich entschied mich dagegen. Als mich der Arzt abcheckte und auch einen Blick in meinen Nacken warf, zuckte ich zusammen. Was wird er wohl dazu sagen? Er sagte allerdings gar nichts dazu, was mich wunderte. Er musste es doch gesehen haben. Doch es kam kein Wort von ihm. Er meinte nur, dass ich nach Hause konnte.
Etwas später kam auch schon meine Mutter, um mich abzuholen. Und so kam es das ich wieder nach Hause konnte. Trotzdem verspürte ich nicht den leichtesten Hauch von Freude. Alles was ich spürte war Trauer, Schmerz und Verlangen nach etwas, was nicht da war.
Zu Hause angekommen lief ich gleich in mein Zimmer und suchte nach meinem Handy, welches auf meinem Nachtisch lag. Sofort rief ich Lilien an. Zum Glück nahm sie auch gleich ihr Handy ab. "Silvester! Wie geht es dir? Bist du schon wieder zu Hause?" bombardierte sie mich gleich mit einer Frage nach der anderen.
"Hi Lil, was ist an meinem Geburtstag passiert?" fragte ich sie ohne auf ihre vorherigen Fragen zu antworten. Ich musste es einfach wissen.
"Was weißt du denn alles nicht mehr?" wollte sie von mir wissen.
"Ich weiß noch, dass du früher gekommen bist und wir noch etwas miteinander gesprochen haben. Dann kamen die anderen. Wir haben Trinkspiele gespielt und getanzt. James klebte die ganze Zeit an mir, wie immer wenn er was trank. Irgendwann war es dann soweit, es war nur wenige Minuten vor zwölf. Wir haben einen Sekt geöffnet und jedem ein Glas in die Hand gedrückt. Bis mich etwas in die Küche zog. Es war der Kompass den mir meine Oma geschenkt hatte. Ich kam mit ihm in der Hand zurück. Und dann war es soweit, wir zählten die Sekunden zu meinem Geburtstag und dann war fertig." erzählte ich ihr meine Version. Gespannt darauf, was ihre Version der Geschichte war, wartete ich auf ihre Antwort.
"Das war alles so wie du sagtest Silvester um Punkt zwölf Uhr bist du dann zusammengebrochen. Wir haben gleich deine Mutter und einen Krankenwagen angerufen. Keine Ahnung wieso du eine Alkoholvergiftung hattest, soviel hast du gar nicht getrunken. Du weißt gar nicht was für einen Schock ich hatte, als du einfach umgeflogen bist." meinte sie zu mir.
"Lilien, es ist etwas komisches passiert. Ich weiß nicht wie ich dir das am besten erzählen sollte ohne, dass du mich für verrückt haltest." flüsterte ich. Jemandem musste ich es erzählen und mit Lilien konnte ich über alles reden.
"Schieß los, Silvester." sagte sie daraufhin.
"Als es Punkt zwölf war wachte ich in einem Wald auf. Zwei Männer haben mich gefunden und zu ihrem König gebracht." Dass ich nackt war musste Lilien nicht wissen. Das musste niemand wissen. Es war mir schon genug peinlich. "Der König war ein Werwolf und bezeichnete mich als Mate. Ich sei seine Gefährtin. Du musst dir mal vorstellen der König hatte schon vier Frauen und wollte, dass ich seine fünfte werde." fing ich an zu erzählen.
"Silvester was redest du denn da? Du warst ohnmächtig. Das war bestimmt nur ein Traum. Du erzählst das so, als ob das wirklich geschehen ist." unterbrach Lilien mich.
"Lilien, es fühlte sich so echt an. Und ich habe eine Wunde in meinem Nacken, die ich zuvor nicht hatte. Sie schmerzt unaufhörlich. Der König hat mich an dieser Stelle gebissen. Jetzt habe ich ständig Schmerzen und vermisse ihn auf eine komische Weise, obwohl ich ihn verabscheue. Lilien du musst mir glauben. Ich drehe durch. Ich kann nicht mit jemand anderem darüber reden. Meine Mutter würde es nicht verstehen."
"Silvester so etwas ist einfach unmöglich. Du hast einfach zu viel getrunken und bildest dir den Rest ein. Tut mir leid aber ich muss jetzt los. Wir hören uns später nochmal. Ruh dich erstmals aus." mit diesen Worten beendete sie unser Telefonat und ließ mich grübelnd zurück.
Wenn nicht mal Lilien mir glaubte, wie konnte ich dies dann jemand anderem anvertrauen? ich nahm es Lilien nicht mal böse, würde sie mir so etwas erzählen, könnte ich ihr wahrscheinlich auch nicht glauben.
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In a different World
Fantasía„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
