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Als ich auf wachte sagte mir meine innere, btw kaputte Uhr, ich hätte ungefähr zwei stunden geschlafen. Der kann ich aber nicht vertrauen, aber das ist egal. Wenn sie recht hat, dann sollte Fjedor schon da sein, aber ich bin zu müde um nachzudenken. Sofort legte ich mich auf die Seite um eine gemütliche Position zu erhalten, bis dann, wer hätte es gedacht, meine Blase unangenehm drückte. Genervt stand ich also auf und lief ins Klo.

Erleichtert seufzte ich und betätigte die Spülung. Gerade wollte ich meine Hände waschen, als ich eine Tür hörte.
,,Das muss Fjedor sein'' flüsterte ich zu mir selber. Vielleicht kann ich mit ihm kuscheln, das wäre toll. Breit grinsend wusch ich meine Hände und ging zur Tür. Meine Hand legte sich auf den Griff, jedoch unterbrach mich ein lautes Stöhnen. Verwundert ließ ich den Griff los.
,,Ahh.. Ja da..'' stöhnte eine weibliche Stimme. Mir wurde es plötzlich verdammt unangenehm.
,,Härter'' keuchte sie bittend.
,,Natürlich. Alles was du möchtest..'' darauf hörte ich wieder Gestöhne und das von beiden.

Die ersten Tränen bannten sich meinen Wangen hinunter, aber ich war einfach zu neugierig. Ich bückte mich mit einem verdammt großen Klos im Hals und sah durch das Schlüsselloch. Das einzige was ich erkannte war Fjedors Rücken. Immer mehr Tränen kamen hoch. Ich drehte mich um und drückte mich gegen die Tür. Ich hatte doch gerade erst verstanden was ich fühle und es akzeptiert.

Fest drückte ich meine Hände auf meinem Mund und versuchte diese ekelhaften Geräuche zu verdrängen. Meine Beine zog ich an und versteckte mein Gesicht hinter diesen.

Die Liebe ist so kompliziert.. sie tut so sehr weh und das wusste ich, aber wie jeder sagt, die Liebe kann man nicht steuern. Ich hätte niemals gedacht ich könnte mich in einen Jungen verlieben.

Ich versank tief in meine Gedanken und merkte auch nicht das ich irgendwann eingeschlafen war.

Irgendwann wachte ich wieder auf. Mein Gesicht war natürlich verheult und als ich in den Spiegel sah waren meine Augen leicht angeschwollen. Mein kompletter Körper schmerzte und vor allem mein Herz, aber das ignorierte ich und lief wieder zur Tür. Sanft legte ich mein Ohr an die Tür und lauschte, aber hörte nichts, also öffnete ich langsam die Badezimmertür. Kurz spickte ich durch. Fjedor lag mit einer Blondine in den Armen im Bett. Ich konnte ihr Gesicht nicht erkennen, sie hatte es nämlich an Fjedors Brust gedrückt. Beide waren natürlich nackt, aber ich verstehe warum er mit ihr geschlafen hat. Wenn man sich ihren Körper anguckt, dann weiß man einfach schon warum.

Mein schmerzerfüllter Blick ging zur Tür. Leise schlich ich mich also zu ihr und verließ den Raum. Ich hätte doch auf Daniel hörn sollen und abhauen. Sind sie weg? Ich weiß es nicht. Ich glaube Historia und Mika würden nicht abhauen. Sie wissen selber was beim letzten mal passiert ist.

So lief ich die Treppen hinunter und wusste nicht wohin. Ich setzte mich einfach auf die Couch. Ob ich darf oder nicht, ignorierte ich.

,,Du hast wohl auch gefühle für ihn'' erschrocken zuckte ich zusammen und schaute überrascht zu ihm.
,,Mike?'' fragte ich überfordert. Er lächelte nur wie immer sanft und mit voller liebe. Er setzte sich neben mich und sah nach vorn zum ausgeschalteten Fernseher. Seufzend sah ich ebenfalls nach vorne.
,,Ja schon irgendwie..'' bestätigte ich seine Vermutung.
,,Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Sklave in seinen Meister verliebt hat und das auch anders rum''
,,Ich weiß nicht was ich sagen soll... aber ich glaube nicht das er sich in mich verliebt hat. Das wäre unmöglich..''
,,Nein, das solltest du nicht glauben. Ich kenne meinen Herren sehr gut. Er ist verliebt in dich und das sehen wir die ihn gut kennen am besondersten. Er hat dir bestimmt schon mal gesagt das er etwas an dir mag oder du für ihn besonders bist. Am Abend als er kam roch es verdammt stark nach Alkohol und ein blondes wunderschönes Mädchen schmückte seine Seite. Ich hatte es versucht ihn auszureden, jedoch hatte der Alkohol ihn komplett ein genommen. Du solltest es nicht ernst nehmen. Wenn er nicht weiter weiß, trinkt er zu viel'' versuchte er mir zu erklären was mit Fjedor los ist.
,,Aber was hat ihn dazu gebracht nicht mehr weiter zu wissen?'' fragte ich verwirrt. War ich es? Nein, so wichtig bin ich nicht.
,,Seine Arbeit, Familie und das mit seinem Bruder. Es gibt viele Sachen die ihn überfordern. Vor allem wenn er sich plötzlich an die beiden erinnert'' antwortete er mir. Seine Augen sahen plötzlich so traurig aus. Überfordert sah ich ihn an und wollte eigentlich fragen was los sei und wen er meinte, aber er kam mir zuvor.
,,Ich weiß das du nicht verstehst, das brauchst du auch nicht, aber was ich sagen kann ist, dass Fjedor zwei ihm sehr wichtige Menschen verloren hat und das ihn sehr geprägt hat'' ich nickte nur. Ich weiß wieder nicht was ich sagen soll. Plötzlich fiel mir das Gespräch mit Hanni ein. Sie hatte doch mal davon erzählt, also von Fjedors Vergangenheit.

,,Tut mir leid, das ich dich so voll gequatscht habe. Es ist sehr früh morgens. Möchtest du was essen?'' ich nickte nur zu seiner Frage.
,,Gut, die anderen haben auch etwas getrunken. Die werden alle spät wach werden, also komm'' Mike stand auf und lief in die Küche. Ich folgte ihm. Sofort fragte ich ob ich helfen könnte, doch er schüttelte nur den Kopf. Also setzte ich mich auf einen Platz. Nachdenklich starrte ich alles an was mir in den Blick kam.

,,Hier'' er legte mir einen Teller mit Brot auf den Tisch. Ein Spiegelei und ein paar Fischstäbchen lagen im Teller. Der Geruch vernebelte meine Sinne. Also griff ich sofort zu. Mike währenddessen ließ mich in ruhe und verschwand aus dem Raum. Jetzt fühlte ich mich irgendwie verdammt alleine.

In ruhe aß ich, dabei starrte ich die ganze zeit nachdenklich auf die weiße Wand. Ich wusste nicht worüber ich nachdenken sollte. Wenn ich über Fjedor denke, dann kommen mir die Tränen und diese ekligen Geräusche schallten dabei in meinem Kopf, aber wenn ich über meine Freunde denke, dann kommt das Gespräch von Gestern wieder hoch.

Ich zischte genervt. Das Glas aus welchem ich gerade getrunken hatte schlug ich auf den Tisch. Wütend sah ich zu dem Platz an dem Daniel gestern gesessen hat.
„Ich würde niemals wollen das sie so leiden" knurrte ich wütend. Wie konnte er mir das unterstellen?!

Ich sah mir das Essen von Mike an. Der Teller war halb leer, jedoch hatte ich keinen Hunger mehr. Wenn ich nur daran denke, wie Fjedor mit dieser Frau geschlafen hat und sogar mit meiner Schwester. Die ganze Zeit dachte ich daran was passiert wenn ich irgendwann nach Hause komme. Vermisst er mich überhaupt? Was soll ich überhaupt da! Ach verdammt! Ich bin einfach so verwirrt.

Verzweifelt fuhr ich mir durch mein Haar. Ich verstehe einfach nicht was ich möchte. Ich will hier bleiben, aber seit eben nicht mehr. lch möchte nach Hause, aber mein Brutaler Vater macht das unmöglich. Mein Ziel war es meine Freunde zu beschützen und irgendwann hier wegzukommen.. aber jetzt? Jetzt möchte ich es immer noch, doch Fjedor... Ich hab doch akzeptiert, dass ich ihn liebe. Warum ist das so hart? Was soll ich jetzt tun??

Plötzlich hörte ich einen hohen schrei. Erschrocken sah ich auf, bevor ein knall folgte. Neugierig sprang ich vom Stuhl. Ich rannte zur Tür und spickte hinaus. Die Frau von eben rannte zitternd die Treppen runter. Mike lächelte wie immer breit und freundlich. Auf seinem Arm lag ein Weinroter Mantel. Freundlich gab er es der Dame.
,,Мадам, вот ее куртка'' (Madam, hier ihre Jacke) sagte er, dabei verbeugte er sich leicht. Der Blick der Frau war wütend, doch gleichzeitig zitterte sie und sah ängstlich aus. Wie eine Furie schnappte sie sich die Jacke und verschwand.

Vorsichtig kam ich also aus meinem Versteck und ging zu Mike.
,,Mike?'' fragte ich ihn, dabei sah ich verwirrt zur Tür.
,,Ja?''
,,Was ist mit ihr? Ich verstehe nicht warum sie so wütend ist'' fragend sah ich zu ihm auf. Mike war viel größer als ich und das nervte mich gerade mega.
,,Der Herr ist wohl jetzt schon wach geworden. Erst jetzt hat er sie wahrgenommen und sie sofort aus dem Zimmer geworfen. Wahrscheinlich war er sehr grob zu ihr'' verstehend nickte ich.
,,Ich glaube du solltest jetzt zu ihm gehen''
,,WAS!'' überfordert wedelte ich mit meinen Händen.
,,Er ist doch jetzt wahrscheinlich mega schlecht drauf" versuchte ich ihn davon zu überzeugen, dass es keine gute Idee ist das ich jetzt hoch gehe. Er lachte wie immer und drehte sich zu mir. Seine Hände legten sich sanft auf meine Schultern, sodass ich mit dem wedeln aufhörte und ihn neugierig ansah.
,,Am besten du gehst jetzt hoch'' sagte er leise. Oke, jetzt habe ich wirklich Angst. Ich nickte langsam.
,,Gut, das freut mich. Du solltest aber aufpassen was du sagst, oke?'' wieder nickte ich zu seiner Warnung.

Also ging ich schwitzend die Treppen hoch. Was wenn er noch irgendwie angetrunken oder so ist? Was wen er schlecht gelaunt ist? Ach keine Ahnung, finden wir das mal raus.

Oben angekommen atmete ich noch einmal tief ein und aus, bevor ich den Raum leise betrat.

Einmal Gefangen, Immer Gefangen Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt