Das Abendessen verlief theoretisch ganz gut, für mich allerdings in einem Desaster. Der Vollidiot ohne Namen, der sich hinterher als Drew herausstellte, konnte es nicht lassen mich bei jeder kleinen Gelegenheit zu provozieren, sodass ich am Ende des Essens kurz vor einer Explosion stand.
Im Großen und Ganzen ist die Familie allerdings sehr nett. Drew hat noch eine siebzehnjährige Schwester, mit welcher ich mich sofort verstanden habe und auch seine Eltern haben eigentlich einen ganz netten Eindruck gemacht. Der Einzige der mir wirklich auf den Keks geht ist Drew, mit seiner arroganten und extrem eingebildeten Art.
Kopfschüttelnd lege ich mein Buch zur Seite, da ich mich sowieso nicht mehr auf die Buchstaben vor mir konzentrieren kann und stehe auf, um meine Vorhänge zu zuziehen. Es ist zwar erst 23 Uhr, aber ich bin trotzdem unheimlich müde und wünsche mir gerade nichts sehnlicher als einfach nur zu schlafen. Obwohl heute nicht wirklich viel passiert ist, hat es ausgereicht um meinen ohnehin schon schwachen Körper, völlig zu erschöpfe. Wie sehr ich mich in den letzten Wochen zurückgezogen habe, wird mir erst jetzt klar.
Ich habe meine Freunde ziemlich im Stich gelassen, die mit dem Verlust vermutlich genauso stark zu kämpfen hatten wie ich, was mir unheimlich leidtut und ich weiß, dass es so nicht weiter gehen kann.
Schnell stehe ich auf, um mein Handy von meinem Schreibtisch zu holen, damit ich meinem besten Freund endlich auf eine seiner gefühlten 200 Nachrichten antworten kann, als ich einen kurzen Blick aus dem Fenster werfe und vor Schreck mein Handy erst einmal fallen lassen.
Gegenüber im Zimmer unseres Nachbarhauses steht der Vollidiot und sieht offenbar genauso überrascht aus wie ich. Er scheint sich allerdings deutlich schneller von seinem Schock erholt zu haben als ich, da sich seine Mundwinkel zu einem herausfordernden Grinsen verziehen, nachdem wir uns eine geschlagene Minute einfach nur angestarrt haben.
Na toll. Von allen möglichen Zimmern in diesem Haus, bekommt er auch noch ausgerechnet das, welches gegenüber von meinem liegt. Da ich die Sonne und viel Tageslicht liebe und meine Vorhänge deswegen so gut wie nie zu ziehe, heißt das wohl, dass ich ihn jetzt den Großteil meines Tages sehen muss, da ich die letzten Wochen fast ausschließlich in meinem Zimmer verbracht habe. Allein das wäre es wert mal wieder öfter nach draußen zu gehen.
Das darf doch echt nicht wahr sein.
Da ich mir sein blödes Grinsen nicht noch länger anschauen möchte, ziehe ich die Vorhänge energisch zu, schnappe mir mein Handy und lasse mich geräuschvoll auf mein Bett fallen. Dann atme ich ein paar Mal tief durch, bevor ich mein Handy entsperre und mich meiner eigentlichen Mission widme.
65 Nachrichten und 25 Anrufe in Abwesenheit
Das schlechte Gewissen breitet sich wie ein stechender Schmerz in meinem gesamten Körper aus und sorgt dafür, dass mir schon wieder die Tränen in die Augen schießen und ich weiß, dass es nicht reicht ihm einfach nur eine Nachricht zu schicken. Ich muss Josh anrufen und endlich mit ihm reden. Das bin ich meinem besten Freund, der für mich da ist, seit wir zwei Jahre alt sind, schuldig.
Mit zittrigen Fingern rufe ich seine Nummer auf, zögere dann aber doch. Was wenn ich durch mein abweisendes Verhalten unsere Freundschaft kaputt gemacht habe?
Natürlich wird er Verständnis haben, aber gerade er hätte in so einer schwierigen Zeit den Beistand seiner besten Freundin gebraucht. Etwas was ich ihm nicht geben konnte. Ich schließe meine Augen und atme noch einmal tief durch, dann klicke ich auf Anrufen. Josh geht nach dem zweiten Klingeln dran, fast so als habe er die gesamte Zeit neben seinem Telefon gesessen und gewartet, dass sich jemand meldet.
„Hey", ist alles was er sagt und trotzdem reicht der vertraute Klang seiner Stimme aus, dass ich die Tränen nun endgültig nicht mehr zurückhalten kann. Sie fließen einfach so meine Wange hinunter und wollten nicht aufhören. Josh sagt nichts, sondern lässt mich einfach weinen und wartet bis ich mich beruhigt habe, was fast fünf Minuten dauert.
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Romansa„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
