41. Everly

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„Und was machen wir heute?", fragt Drew, als er zehn Minuten später die Treppe hinunterkommt und interessiert beobachtet, wie ich versuche Gustav in dem kleinen, mit Wasser gefüllten Wischeimer zu befestigen, ohne, dass er umfällt und direkt ertränkt wird.

Überrascht hebe ich den Kopf und verliere prompt die Kontrolle über meinen kleinen Rettungsversuch. Mit einem leisen Gluck taucht Gustav unter, bevor der Topf wieder an die Oberfläche dümpelt, zur Seite kippt und die Erde sich im Wasser verteilt.

„Que mierda!", fluche ich und greife nach der Pflanze.

„Kann man dir helfen?" Drew versucht wirklich sein Grinsen zurückzuhalten, doch leider funktioniert das nur mittelmäßig. Keine Minute später bricht er in schallendes Gelächter aus, wofür er sich einen wütenden Blick von mir einfängt.

„Hör einfach auf schlaue Kommentare abzugeben.", fauche ich ihn an, während ich Gustav verzweifelt aus dem Wasser hole. Langsam habe ich das Gefühl diese Pflanze will gar nicht mehr leben.

„Ich wusste nicht, dass ich das mache, aber dir zuliebe werde ich damit aufhören." Er schnappt sich ein Tuch und fängt grinsend an die Tropfen auf dem Boden aufzuwischen, bevor er mir Gustav aus der Hand nimmt, einen Stein in den Eimer legt und Gustav so darauf platziert, dass der Boden zwar unter Wasser ist, der Topf aber nicht mehr umkippt.

„Warum liegt bei dir ein Stein in der Küche rum?", frage ich irritiert und trockne meine Hände an dem Handtuch ab, was er mir entgegenstreckt.

„Keine Ahnung. Den hat Lilly für irgendein Bastelprojekt angeschleppt, aber ich denke es schadet nicht, wenn er davor nochmal gereinigt wird.", meint er schulterzuckend, während er zur Kaffeemaschine herüber schlendert und zwei Tassen aus dem Regal holt.

„Magst du auch einen?"

„Gott nein.", stoße ich aus, woraufhin Drew überrascht eine Augenbraue nach oben zieht.

„Sag bloß, du magst keinen Kaffee?"

„Ich mag ihn nicht nur nicht, ich hasse Kaffee."

„Wie kann man keinen Kaffee mögen?", Drew sieht mich an, als hätte ich sie nicht mehr alle. „Ich meine, selbst wenn du ihn nicht mögen würdest, du bist Studentin. Kaffee ist doch ein Grundnahrungsmittel. Wie wirst du denn sonst morgens wach?"

„Ich trinke Matcha Latte. Mit Karamellsirup." Drew verzieht angewidert das Gesicht, während er seine Tasse unter den Vollautomaten stellt und schon kurze Zeit später verbreitet sich das angenehme Kaffeearoma in der Luft. Genießerisch atme ich den herben Geruch ein und muss automatisch lächeln. Ich trinke Kaffee vielleicht nicht, doch an seinen Duft kommt absolut nichts ran.

„Ist da nicht dieses grüne supereklige Zeug, was mittlerweile gefühlt jeder Influencer trinkt? Hat das überhaupt Koffein?" Ich verdrehe die Augen, denn diese Diskussion habe ich schon an die hundertmal mit meinen Freunden geführt, die meine Vorliebe für das japanische Heißgetränk leider auch nicht teilen, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Es gibt keinen besseren Start in den Tag als eine große, heiße Tasse mit Matcha Latte und da wird mich auch niemand vom Gegenteil überzeugen.

„Grün ja. Eklig nein. Es gibt nichts besseres als Matcha Latte zum Frühstück.", antworte ich überzeugt. „Und zum zweiten Teil deiner Frage: Matcha hat viel mehr Koffein als Kaffee. Es wirkt zwar nicht so schnell im Körper, aber dafür viel länger was bedeutet, dass ich nachher fit sein werde, während dein Kreislauf in ca. drei Stunden wieder zusammenklappt und du die nächste Dosis Koffein brauchen wirst." Drew sieht mich unbeeindruckt an, bevor er kopfschüttelnd den Kühlschrank öffnet und eine Flasche Orangensaft herausholt.

„Also mit Matcha kann ich nicht dienen, aber ich hätte noch O-Saft im Angebot, wenn du möchtest."

„Das ist auch gut, danke.", lächelnd nehme ich ihm die Flasche ab und lehne mich neben ihn an die Küchenfront. Dann lasse ich meinen Blick durch die Küche und den offenen Essbereich schweifen. Das letzte Mal, als ich hier war und mir das Ganze genau angesehen habe, waren die Morgans noch beim Einrichten. Seitdem hat sich viel getan. Der Essbereich wirkt offen und freundlich und die Küche ist ein war gewordener Traum eines jeden Kochs. Nicht ganz so gut wie unsere versteht sich, aber mein Vater hat sich bei der Einrichtung auch besonders viel Mühe gegeben, schließlich ist kochen sein Leben. Ich koche zwar auch gerne, backe aber noch viel lieber.

Früher haben wir überlegt, ob wir das Restaurant ein wenig ausbauen und auch Kaffee und Kuchen anbieten sollen, weil ich in der High-School so viel in meiner Freizeit gebacken habe, dass weder Tylers Familie noch unsere mit dem Essen hinterhergekommen ist und es bestimmt einen guten Umsatz gemacht hätte. Aber seitdem ich mit dem Studium begonnen habe, habe ich kaum noch Zeit dafür gehabt. Und seit Tylers Tod habe ich überhaupt nicht mehr gebacken.

„Du hast meine Frage vorhin nicht beantwortet.", reißt mich Drew aus meinen Gedanken.

„Was machen wir heute?" Ich sehe ihn überrascht an.

„Wieso fragst du mich das? Ich dachte du hast dir was überlegt."

„Ich? Diese ganze Kennenlernsache war doch dein Vorschlag.", rechtfertig er sich.

„Aber du hast mich doch hier her zitiert. Deshalb dachte ich auch, dass du dir etwas überlegt hast." Wir sehen uns einen Moment schweigend an. Dann brechen wir in Gelächter aus.

„Die Kommunikation zwischen uns läuft auf jeden Fall schon mal super.", bringt Drew zwischen zwei Lachanfällen heraus.

„Ja, das funktioniert eins A.", pflichte ich ihm lachend bei. Als wir uns wieder ein wenig beruhigt haben, sehen wir uns beide ratlos an.

„Irgendwelche Vorschläge für heute?"

„Nicht wirklich.", gebe ich zu. „Und du?"

„Nein, ich auch nicht. Falls du es vergessen haben solltest: Ich kenne hier noch so gut wie gar nichts. Mal abgesehen von der Universität und ich weiß nicht, wie es da bei dir aussieht, aber ich lege jetzt nicht den gesteigerten Wert darauf, dort an einem Samstag aufzutauchen." Da muss ich ihm ausnahmsweise mal recht geben, denn ich habe genauso wenig Lust wie er heute auch nur in die Nähe des Uni Gebäudes zu gehen.

„Wir könnten hoch in mein Zimmer gehen und uns besser kennenlernen.", schlägt Drew locker vor und runzelt die Stirn, als ich ihn skeptisch und mit hochgezogenen Augenbrauen ansehe.

„So war das jetzt nicht gemeint.", er habet abwehrend die Hände, als ihm aufzufallen scheint, wie zweideutig sein Satz gerade geklungen hat, während er zartrosa anläuft.

„Mhh, ist klar.", meine ich grinsend und kann es nicht lassen, ihn ein wenig damit aufzuziehen. Ich genieße es endlich mal in dieser Position zu sein. Denn als Drew und ich uns kennen gelernt haben war er der schlagfertige, während mich seine unfassbare Arroganz erst völlig aus dem Konzept gebracht und anschließend extrem wütend gemacht hat.

„So habe ich das aber wirklich nicht gemeint.", grummelt er vor sich hin, während er mit rotem Kopf Richtung Treppe geht und mich fragend ansieht. Immer noch grinsend folge ich ihm hinauf und bleibe staunend in seiner Zimmertür stehen. Auch hier hat sich einiges getan, seit ich das letzte Mal hier war. Drews Zimmer sieht aus, wie eine Minibibliothek und so gemütlich, dass ich kurz mit dem Gedanken spiele, ihn zu fragen, ob ich hier einziehen darf. Nach Tylers Tod habe ich mein gesamtes Zimmer generalüberholt, weil ich es nicht mehr ertragen habe, dass es noch so aussah wie früher, während sich alles andere verändert hat. Und jetzt fehlt irgendwie der Gemütlichkeitsfaktor drin.

„Wow.", entfährt es mir, während ich eintrete und direkt auf das erste Bücherregal zusteuere. Ich wusste zwar, dass er Creative writing studiert, hätte aber nicht gedacht, dass er selbst auch so viel liest.

„Ein bisschen kitschig, ich weiß.", meint er und reibt sich verlegen den Nacken, während er mich ansieht, als würde er ein Urteil von mir zu seinem Zimmer erwarten, noch dazu eins, das nicht gerade positiv ausfällt. Da mir das aber erstens überhaupt nicht zustehen würde und ich zweitens völlig hin und weg von diesem Zimmer bin, fahre ich noch einmal sanft, über einen der Buchrücken, bevor ich mich zu ihm umdrehe und ihn ansehe.

„Ich finde es absolut fantastisch."


Hey ihr Lieben,
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen❤️ ich wollte mal ein kurzes Update geben, wie es hier jetzt weiter geht.
Aktuell habe ich Praktikum und nächste Woche auch eine praktische Prüfung dazu und bin mit der Uni ziemlich eingespannt :) da ich nur noch das Kapitel vorgeschrieben habe, wird es eine kurze Update Pause von ein oder zwei Wochen geben, ABER ...😂
...dann geht es mit einer Lesenacht weiter. Wann die sein wird, werde ich euch noch sagen❤️

Ein schönes Wochenende und wir lesen uns bald🙈💕

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt