70. Drew

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„Ich bin jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass ich nur noch einen Band dieser wundervollen Reihe zu lesen habe.", antworte ich und lasse den zweiten Band der Edelsteintrilogie auf meine Brust sinken, während ich meinen Kopf drehe und schmunzelnd Chloe beobachte, die sich auf meinem Bett zusammengerollt hat und so vertieft in ihr Buch ist, dass sie überhaupt nicht wahrnimmt, was ich gerade gesagt habe. Erst als ich sie leicht mit meinem Fuß anstupse hebt sie den Kopf und sieht mich an, als hätte ich sie gerade aus einer ganz anderen Welt herausgerissen.

„Hast du mit mir geredet?"

„Ist hier sonst noch jemand im Raum.", erkundige ich mich lachend, wofür ich einen Schlag mit meinem Kissen ins Gesicht ernte. Bevor ich grinsend meinen Satz für sie wiederhole.

„Was soll ich denn sagen? Ich bin absolut süchtig nach diesem Buch."

„Du hast noch fünf Bücher vor dir, also darfst du gar nichts dazu sagen. Ich werde nächste Woche definitiv in ein Leseflaute kommen, wenn ich mir nicht Gedanken über eine neue Reihe mache."

„Du hast noch fünf ungelesene Bücher in deinem Regal unteranderem das, was wir gestern Abend gekauft haben. Wie wäre es denn mit denen?", meint sie schmunzelnd und streckt sich ein Stück, um an die Chips Tüte zukommen, die wir uns als Lesesnack mit in mein Zimmer genommen haben.

Als Chloe heute Abend bei mir zuhause aufgetaucht ist, weil ihr Zitat zuhause die Decke auf den Kopf fällt, haben nicht nur meine Eltern große Augen gemacht, sondern auch meine Schwester, die Chloe angeschaut hat, als wäre sie das achte Weltwunder persönlich. Gut vielleicht hätte ich sie vorwarnen sollen, dass ich weiblichen Besuch bekomme, aber mit einundzwanzig Jahren kann ich ja wohl mit nach Hause nehmen, wen ich möchte, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen.

Mein Blick schweift durch den Raum und bleibt an Chloe hängen, die völlig entspannt und mit einem Lächeln auf den Lippen in meinem Bett liegt und ich muss ebenfalls Lächeln als ich an die letzten zwei Wochen denke, die hinter uns liegen, seit ich Everly in unserer Einfahrt getroffen habe. Chloe und ich haben uns beinah jeden Tag gesehen und ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich lang nicht mehr so viel Spaß gehabt habe, wie in den vergangene vierzehn Tagen.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich der Typ für unverbindlichen Sex bin, doch mit Chloe ist es so unkompliziert und einfach, dass ich mich frage, warum ich bisher krampfhaft auf eine Beziehung aus war. Wir sehen uns beinahe täglich nach der Uni und unternehmen etwas, während die Abende meistens in Sex und gemeinsame Lesesessions danach enden und ich kann mir nichts Besseres vorstellen. Chloe ist unheimlich witzig und nett, wir haben die gleichen Interessen, ergänzen uns gut, sind uns aber auch absolut nicht böse, wenn mal einer keine Zeit oder keine Lust hat. Und der Sex mit ihr ist fantastisch.

Nicht, dass ich sonderlich viele Vergleichsmöglichkeiten hätte, weil ich seit meinem sechzehnten Lebensjahr mit derselben Person zusammen war, doch die brauche ich auch nicht. Mit Chloe passt einfach alles und ich fühle mich verdammt wohl in ihrer Nähe nur...mein Blickt streift das Fenster, bei dem ich heute Morgen vergessen habe, die Vorhänge zuschließen und ich mache den Fehler, mich ein wenig zu strecken, um einen Blick auf Everlys Zimmer erhaschen zu können.

Denn das große Problem, dass mich seit zwei Wochen fortlaufend quält ist, dass ich zwar mit Chloe eine unheimliche gute Zeit habe, in ihrer Nähe aber nicht das gleiche, aufregende, Flattern in meiner Brust spüre, wie wenn ich nur an Everly denke. Wobei sich bei dem Anblick, der sich mir gerade bietet, eher alles in mir zusammenzieht, als ich erkenne, dass sie nicht allein ist. Everly sitz an ihrem Schreibtisch, während es sich irgendein Typ auf ihrem Bett bequem gemacht hat, und ich frage mich, warum zur Hölle er mir so bekannt vorkommt. Nach kurzem hin und her überlegen fällt es mir wieder ein. Es ist der Typ, der mir schon im McDonalds so unglaublich auf die Nerven gegangen ist. Phillip hieß er oder irgendetwas in die Richtung.

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt