Mein Arm schießt automatisch nach vorne, umklammert Livs Handgelenk und zieht sie mit mir zusammen runter, sodass wir jetzt beide auf dem Boden hocken.
„Okay", flüstert sie „Ich kann verstehen, dass du nicht drüber reden willst, aber sich zu zweit hinter einem Mülleimer zu verstecken ist ein ziemlich bescheuerter Plan, mal abgesehen davon, dass man uns vermutlich trotzdem sehen kann.", meint sie und schafft es leider nicht ganz ihr Grinsen zu unterdrücken.
„Shhht.", zische ich, woraufhin sie nur noch mehr kichern muss. „Halt die Klappe, ich bin überfordert. Wenn die uns jetzt sehen, kommen sie rüber und dann muss ich mit ihm reden und das will ich nicht.", meine ich hektisch und mache mich noch kleiner, auch wenn ich weiß, dass das absolut lächerlich ist.
„Was habt ihr zwei denn gemacht, dass da auf einmal so totale Funkstille zwischen euch herrscht?"
„Das erklär ich dir später. Jetzt hilf mir lieber hier weg zu kommen, ohne, dass wir bemerkt werden.", zische ich und merke, wie ein Schatten auf uns fällt.
„Zu spät.", meint sie grinsend und ich würde ihr am liebsten gegen den Oberarm boxen.
„Ich frage jetzt mal nicht, was ihr zwei da unten macht.", meint Josh, der sich über uns beugt und uns belustigt ansieht. Ich schließe meine Augen, zähle langsam bis zehn und versuche mir ein genervtes Aufstöhnen zu verkneifen. Heute ist wohl nicht mein Tag.
„Ich...äh... habe meinen Ohrring verloren und wir haben ihn gesucht.", stammle ich und richte mich zusammen mit Liv auf. Drew und Oli, die ein Stück weiter hinten stehen, sehen uns irritiert an. Kein Wunder. Ich muss völlig geistesgestört wirken.
Josh grinst mich an, bevor er sich zu mir vorbeugt und mir ins Ohr flüstert: „Das können wir Drew ja gerne so erzählen, aber dir ist schon klar, dass ich dich seit zwanzig Jahren kenne und weiß, dass du nicht mal Ohrlöcher hast."
Scheiße.
Habe ich schon erwähnt, dass ich in Situationen, die mich überfordern absolut nicht mehr in der Lage bin klar zu denken?
„Vielleicht redet ihr zwei einfach nochmal kurz und danach können wir ja gemeinsam nach dem imaginären Ohrring suchen.", meint er grinsend und gibt mir einen sanften Schubs in Drews Richtung. Am liebsten würde ich ihn dafür treten, doch er macht sich genauso schnell aus dem Staub, wie er auch aufgetaucht ist und merkwürdigerweise sind Liv und Oli jetzt auch verschwunden. Na super. Ich bin alleine mit der Person, vor der ich die letzten sechs Tage geflüchtet bin.
„Hi.", meint Drew und sieht mich etwas verlegen an. An der Art und Weise, wie er nervös von einem Bein auf das andere wechselt merke ich, dass ihm das hier genauso unangenehm ist wie mir, auch wenn wir wirklich reden müssen.
„Hi." Sehr kreativ Everly, gut gemacht. Ach Mist, was soll ich denn auch sagen. Ich habe ihn total fertig gemacht in der Umkleide und ich weiß, dass ihn das ziemlich mitgenommen haben muss. Aber aus genau diesem Grund weiß ich jetzt auch nicht, was ich ihm sagen soll. Vielleicht warte ich einfach. Wenn ich Glück habe, fängt er ja an als erstes zu sprechen.
Und ich habe Glück.
„Du bist mir aus dem Weg gegangen." Seine Stimme ist frei von jeglichem Vorwurf und ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren soll. Wäre er vorwurfsvoll gewesen hätte ich mich wenigstens rechtfertige können, doch so starre ich ihn einfach nur weiter an.
„Ich will nicht, dass du mir aus dem Weg gehst. Und ich will auch nicht, dass es so krampfig zwischen uns ist.", fügt er leise hinzu und ich sehe ihn überrascht an. Es muss ihn einiges an Überwindung kosten, das zu sagen, doch ich stimme ihm zu. Ich will auch nicht, dass es so verkrampft zwischen uns ist.
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Romance„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
