Hi,
Auch wenn es etwas verspätet ist, kommt hier das nächste Kapitel❤️ Viel spaß beim Lesen 🥰
Drew hält sein Wort, was seine Rache betrifft, denn als ich am nächsten Morgen zu meinem Auto möchte, fehlt überraschenderweise Luft im linken Vorderreifen, was nicht nur dafür sorgt, dass ich die Werkstatt anrufen muss, sondern auch, dass er mich mit zur Uni nimmt und ich jetzt laut ihm in seiner Schuld stehe. Sein unschuldiges Grinsen und die Aussage, er habe keine Ahnung, wieso Luft in meinem Reifen fehlt, nehme ich ihm nicht ab.
Ich revanchiere mich allerdings, indem ich seinen Campusplan verstecke, was seiner Meinung nach nicht witzig ist, weil er dadurch zu fast jedem Kurs zu spät gekommen ist. So geht es die gesamte Woche zwischen uns hin und her und irgendwie machen mir unsere kleinen Streiche sogar Spaß. Es hilft dabei, dass ich mir nicht so viele Gedanken über andere Dinge mache. Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass es jetzt fast noch schlimmer ist als an den Tagen, an denen ich mich einfach in mein Zimmer verkriechen konnte. Dort konnte ich der Realität entfliehen und mich in der Dunkelheit verlieren. Hier geht das Leben einfach weiter und ich kann nichts dagegen tun.
Nachdenklich schaue ich einem Pärchen hinterher, dass Händchen haltend über den Campus schlendert und unter einem großen Baum stehen bleibt. Der Junge dreht ihr Gesicht zu seinem und gibt ihr einen leichten Kuss auf die Lippen, woraufhin sie ihn anstrahlt, als wäre er ihr Märchenprinz. Die zwei scheinen etwas jünger zu sein als ich, vermutlich im ersten Semester und ich weiß genau, wie sie sich gerade fühlen muss. Einfach nur grenzenlos glücklich. Ich weiß es, weil ich mich damals genauso gefühlt habe. Und wäre alles normal und noch genauso wie früher, dann würde mich mein Märchenprinz in fünf Minuten abholen und wir würden genauso über den Campus laufen. Die Tatsache, dass das nie wieder passieren wird, schmerzt so sehr, dass ich den Blick abwenden muss und mich in Richtung des Parkplatzes bewege.
Mein Magen knurrt und ich mache mir eine gedankliche Notiz zu Hause endlich etwas zu essen. Die Einladung meiner Freunde mit ihnen Mittagessen zu gehen, habe ich abgelehnt, auch wenn sie mir tausend Vorschläge gemacht haben, die alle nicht das Restaurant meines Vaters beinhalten. Ich hoffe, dass sie trotzdem dort hingegangen sind, dann habe ich wenigstens nicht umsonst abgelehnt. Der mittägliche Zwischenstopp bei meinem Dad, bevor wir alle ins Wochenende starten, hat seit dem ersten Semester bei uns, und sogar schon seit der High-School bei Tyler und mir, Tradition und ich möchte nicht, dass sie diese Tradition aufgeben, nur weil ich damit immer noch nicht klarkomme. Nur weil ich mit der derzeitigen Situation nicht klar komme, müssen sie ja nicht darunter leiden und auf die Dinge verzichten, die sie lieben.
Gedankenverloren starte ich das Auto meiner Mom, da sich das meines Vaters dank Drew immer noch in der Werkstadt befindet, und fahre los. Ich habe keine Ahnung, wohin ich eigentlich fahre, aber keine zehn Minuten später finde ich mich vor Tylers Haustür wieder. Unserer Haustüre, denn seitdem wir beide achtzehn sind, haben wir abwechselnd immer eine Woche bei ihm und anschließend eine Woche bei mir gewohnt. Dieses Haus ist mein zweites zuhause, auch wenn ich es in den letzten Monaten auf Grund von zu vielen Erinnerungen gemieden habe. Tylers Zimmer habe ich seit seinem Tod gar nicht mehr betreten und ich weiß auch nicht, ob seine Eltern es leergeräumt haben, oder ob sich seine Sachen noch immer darin befinden.
Ich werde von einem zaghaften Klopfen an der Scheibe aus meinen Gedanken gerissen und als ich aufblicke lächelt mir Bethany, Tylers Mom entgegen. Schnell kurble ich das Fenster hinunter und drehe das Radio leiser, dann sehen wir uns einen Moment schweigend an.
„Alles in Ordnung Süße?", ihre Stimme ist sanft und auf ihrem Gesicht erscheint ein leichtes Lächeln, das allerdings nicht ihre Augen erreicht. Ich kenne es. Es ist dasselbe, dass ich tagtäglich im Spiegel sehe und für andere aufsetzte.
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Romance„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
