Während Drew völlig versunken und glücklich in der Fantasy Abteilung zu sein scheint, schlendere ich durch den restlichen Laden. So sehr ich es auch versuche, ich kann dem Fantasy Zeug in Bücherform nicht wirklich etwas abgewinnen, auch wenn ich ihm versprochen habe, mich zumindest an einem Buch, seiner Wahl zu versuchen. Ich bin gespannt, welches er mir raussuchen wird und auch ein wenig aufgeregt, auch wenn ich nicht ganz genau weiß, wieso.
Mein Blick bleibt an einem Regal mit Liebesromanen hängen, aus dem ich gedankenverloren eins herausziehe, dessen Cover wirklich toll gestaltet ist. In der letzten Zeit habe ich kaum gelesen und eine Schnulze, bei der ich nicht sonderlich viel denken muss, wäre jetzt genau das Richtige. Das Buch hört sich wirklich gut an. Es geht um Fake Dating am Set einer Netflix Serie und auch die ersten Seiten klingen toll, beim Überfliegen. Ich hatte es zwar eigentlich nicht geplant, aber so wie es aussieht, wird dieses Buch wohl oder übel mit zu mir kommen müssen.
Während ich mir mein künftiges Abendprogramm unter den Armklemme und gedankenverloren einige andere Bücher herausnehme, um den Klappentext zu lesen und sie wieder zurückzustellen, driften meine Gedanken in die Zeit zurück, in der ich mit Tyler häufig hier war.
Wir sind beide zwar nicht so bücherfanatisch wie Drew, aber Tyler hat ziemlich gerne und auch viel gelesen, meistens als Erholung abends nach dem Training. Er hat diesen Laden geliebt, weil er so klein und gemütlich ist, und ich erinnere mich noch gut daran, wie wir uns häufiger kurz vor Ladenschluss beide ein Buch ausgesucht haben, um uns danach an den Strand zusetzten und so lange zu lesen, bis es zu dunkel war, um die Buchstaben auf den Seiten zu erkennen. Das waren mit meine Lieblingsdates, die wir hatten, weil sie so simpel waren und es sich trotzdem so gut angefühlt hat, einfach nur in seiner Nähe zu sein.
Ich spüre den Kloß in meinem Hals und die Tränen, die langsam in meine Augen steigen und die ich erfolglos versuche wegzublinzeln.
Es ist scheiße, dass mich alles an ihn erinnert. Egal wohin ich gehe oder was ich tute in dieser Stadt ist alles voller Erinnerungen, die leider immer noch viel zu weh tun. Ich weiß, dass alle immer sagen, dass Zeit den Schmerz heilt und vermutlich ist einfach noch nicht genügend Zeit vergangen, doch im Moment habe ich nicht wirklich die Hoffnung, dass es jemals besser sein wird. Auch wenn ich es mittlerweile schaffe, nicht jede freie Minute an Tyler zu denken, tut es immer noch weh. Zusammen mit, denn Schuldgefühlen, die ich habe, weil da diese fiese kleine Stimme in mir ist, die mir zuflüstert, dass ich nicht genügend traure, dafür dass der Tod der Liebe meines Lebens erst sechs Monate her ist.
Mein Blick bleibt an dem Pappaufsteller vor der Kasse hängen, der den neuen Band einer Krimireihe promotet.
Tylers Lieblingskrimireihe.
Seit gut sieben Jahren erscheint jedes Jahr ein weiteres Buch, immer kurz vor seinem Geburtstag, weshlab es mittlerweile schon zum Running Gag geworden ist, dass ich es ihm jedes Jahr zu seinem eigentlichen Geburtstagsgeschenk schenke. Mit zitternden Fingern nehme ich es heraus und streiche über das Cover. Die Buchstaben fühlen sich rau unter meinen Fingern an und, als ich es umdrehe, um den Inhalt zu erfassen, kann ich nicht verhindern, dass eine Träne meine Wange hinter kullert.
Es geht um einen Mordfall in einer Surfschule unten am Strand und ich weiß, dass Tyler es geliebt hätte. Nicht nur weil es ein weiterer Band aus dieser Reihe ist, sondern auch weil er das Surfen wirklich gemocht hat. Die Kombination in einem Buch vereint wäre perfekt für ihn und ich bin nicht darauf vorbereitet, wie weh es tut zu realisieren, dass er dieses Buch nicht lesen wird.
Aus irgendeinem Grund kann ich das Buch nicht loslassen, weshalb ich es zur Kasse bringe und zusammen mit der Schnulze bezahle, auch wenn ich kein wirklicher Krimi Fan bin. Ty hat mich oft damit aufgezogen, dass er nicht versteht, wie ich kein Problem damit habe, wenn in Game of Thrones Menschen gehäutet werden, aber bei einem Krimi Angst bekomme. Da ich dafür selbst keine Erklärung habe, habe ich mich irgendwann darauf eingelassen die Bücher mit ihm zu lesen, indem er sie laut vorgelesen hat. In seinen Armen hatte ich nie Angst, doch sobald ich das Buch alleine gelesen habe, konnte ich nachts nicht schlafen.
Manchmal erschreckt es mich selbst, wie sehr ich ihn in jeder Situation meines Lebens gebraucht habe und ich ertappe mich häufiger dabei, wie ich mich frage, wie ich es seit seinem Tod schaffe weiter durchs Leben zu gehen. Ohne meine Freunde wäre ich vermutlich überhaupt nicht in der Lage dazu und ohne Drew, der mich in der letzten Zeit ziemlich von meinem Kummer abgelenkt hat.
Mein Blick wandert suchend durch den Raum und bleibt bei ihm hängen. Ich muss lächeln. Offenbar hat sich Drew keinen Millimeter von der Stelle bewegt. Das Einzige, was anders ist zu den fünfzehn Minuten, vor denen ich mich von ihm wegbewegt habe, ist der beachtliche Bücherstapel in seinen Armen... und das Mädchen, dass neben ihm steht und lacht, als hätte er den besten Witz des letzten Jahrhunderts erzählt.
Ich weiß, dass ich mich eigentlich umdrehen und mich um meinen eigenen Kram kümmern sollte. Aber irgendwie kann ich es nicht. Fasziniert starre ich die beiden an und kann nicht verhindern, dass mir eine Million fragen durch den Kopf schießen. Wer ist sie? Woher kennen sich die zwei? Warum verstehen sie sich offenbar so gut und warum, ist sie so verdammt hübsch?
Mein Blick wandert einmal an ihr herab und auch wenn ich es nicht möchte, muss ich zugeben, dass sie hübsch ist. Richtig hübsch. Ihr blondes Haar fällt in perfekten Wellen ihren Rücken hinab und ihr Styl ist wirklich cool. Sie trägt einen grauen oversized Hoodie zu einer schwarzen zerrissenen Jeans und ihr Outfit wird durch perfekt dazu passende, schwarze Boots abgerundet.
Auch wenn ich es nicht möchte, fällt mein Blick an mir hinab und ich knirsche genervt mit den Zähnen. Im Vergleich zu ihr sehe ich aus, als hätte mich jemand aus meinem Mittagsschlaf gerissen, um mich abzuholen und ich hätte nur fünf Minuten Zeit gehabt, um mich fertig zu machen.
Verdammt vielleicht hätte ich vorhin doch etwas Makeup drauf machen sollen.
Im nächsten Moment verspüre ich den großen Drang mir selbst mit der Hand gegen die Stirn zu schlagen. Ich habe kein Rech solche Gedanken zu haben. Ich habe Drew mehrfach klar gemacht, dass ich das zwischen uns nur freundschaftlich halten möchte, was auch definitiv die richtige Idee ist, denn ich habe das mit Tyler noch lange nicht so verarbeitet, dass ich mich schon auf jemand neues konzentrieren könnte.
Wieso passt es mir dann so überhaupt nicht, dass die beiden so nah beieinanderstehen und sich so gut miteinander amüsieren? Eigentlich sollte mir das völlig egal sein. Drew kann machen, was er möchte, schließlich ist er mit niemandem zusammen und das Mädchen scheint cool zu sein, sonst würde er sich nicht so lange mit ihr unterhalten. Trotzdem wird mir schlecht bei dem Gedanken, was die beiden sonst noch machen könnten.
Verdammt Everly reiß dich mal zusammen, weiße ich mich selbst zurecht, und fahre mir genervt durch meine Haare, die nicht halb so perfekt sind, wie die der blonden Schönheit vor mir.
Arg. Warum vergleiche ich mich überhaupt?
Das muss aufhören, und zwar sofort.
Da ich aber keine Lust habe Drew und die Fremde noch weiterhin zu beobachten und dadurch durch schlechte Laune bekomme, beschließe ich in die obere Etage zu gehen und mich bei den Kochbüchern aufzuhalten, bis die zwei ihre Unterhaltung beendet haben. Im Gehen schreibe ich Drew eine Nachricht, dass ich oben bin und weiß, wie affig ich mich verhalte, dass ich es ihm nicht einfach persönlich gesagt habe. Aber dazu bin ich gerade nicht in der Lage.
Ich hoffe es geht euch gut und ihr hattet Spaß beim lesen🥰
Denkt ihr Everlys Eifersucht ist gerechtfertigt?🙈
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Storie d'amore„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
