Aufstöhnend lege ich meinen Kopf auf dem Schreibtisch ab und frage mich wiederholt, warum ich mir dieses Studium eigentlich antue. Während mir die meisten meiner Kurse wirklich Spaß machen und mich auf meinen späteren Job als Physiotherapeutin tatsächlich vorbereiten, fühlt sich Biomedizin mit Schwerpunkt Chemie an, als würde ich versuchen sämtliche Probleme der NASA selbstständig lösen zu wollen.
Ich verstehe nicht einmal die Hälfte meiner Notizen, geschweige denn, dass ich sie auswendig kann und ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich all das noch bis zu unserer Zwischenprüfung in drei Wochen schaffen soll. Mit Biologie und dem medizinischen Teil meines Studiums, sowie den Psychologischen Aspekten habe ich kaum Probleme, und bin wahnsinnig froh, dass ich mittlerweile alles so weit nachgearbeitet habe, dass ich den Vorlesungen wieder folgen kann. Doch bei Chemie hänge ich einfach nur hinterher. Nicht einmal Liv schafft es mir die chemischen Strukturformeln so einzutrichtern, dass ich nicht alles direkt am nächsten Tag wieder vergessen habe, auch wenn sie sich wirklich bemüht.
Im Grunde wundert es mich, dass sie mir nach unseren letzten Lernsessions noch nicht die Freundschaft gekündigt hat, so blöd wie ich mich angestellt habe. Manchmal beneide ich sie um ihre Ruhe und ihr Durchhaltevermögen, denn wäre die Situation umgekehrt und sie so begriffsstutzig, wäre ich schon längst an die Decke gegangen.
Das Klopfen an meiner Zimmertür hält mich davon ab, mich weiterhin selbst zu bemitleiden, schafft es aber nicht, dass ich meinen Kopf hebe. Dafür ist meine Energie nach vier Stunden lernen einfach zu aufgebraucht.
„Schatz, du hast Besuch.", meint meine Mutter und mustert mich amüsiert, wie ich demotiviert halb auf meinem Schreibtisch rumliege.
„Wen denn?", frage ich und bete, dass es nicht Liv ist, eil ich mir sicher bin, dass ich so eine Monster Lernsession wie gestern heute nicht nochmal überlebe.
„Drew ist unten.", meint sie, während ihre Worte dafür sorgen, dass ich mich augenblicklich aufsetzte. Soweit ich weiß, war bis vor einer halben Stunde noch Football Training und ich habe ehrlich gesagt nicht erwartet, ihn heute zu sehen, denn obwohl wir beide einverstanden waren, dass Freundschaftsding zwischen uns durchzuziehen, haben wir seitdem Toiletten Vorfall nichts mehr zusammen unternommen. Was vermutlich meine Schuld ist, weil ich mich das ganze Wochenende abwechselnd mit Liv oder Phillip getroffen habe, um den verpassten Stoff nachzuarbeiten.
„Kannst du ihm bitte sagen, dass ich gleich runterkomme?", frage ich meine Mutter, während ich aufspringe und mich einmal planlos im Kreis drehe, bevor ich zu meinem Spiegel haste. Nicht dass es mir wichtig wäre, wie ich aussehe, aber ich neige dazu mich in Lernphasen in einen Zombie zu verwandeln und mich überhaupt nicht mehr, um mein äußeres zu sorgen, und das muss nun wirklich nicht sein, dass mich so jemand sieht. Meine Mutter wirft mir noch einen verschwörerischen Blick zu, bevor sie sich lächelnd auf den Weg nach unten macht.
Ich verdrehe die Augen. Was auch immer sie gerade denkt, es stimmt nicht. Ich bin froh darüber, wie es gerade zwischen uns läuft. Es tut gut jemandem zum Reden zu haben und der zuhört und Drew kann beides hervorragend. Hinzukommt, dass ich mich in seiner Gegenwart so wohl fühle, wie schon lange nicht mehr und dass Gefühl habe ihn schon viel länger zu kenne als nur die zwei Monate, die die Morgans nun schon neben uns wohnen.
Ein Blick in meinen Spiegel verrät mir, dass mein ausgeleiertes T-Shirt tatsächlich ein Loch und Flecken hat, weshalb ich es schnell gegen ein schwarzes Top tausche und meine Haare noch einmal durchkämme, bevor ich sie mir zu einem messy bun zusammenbinde. Kurz denke ich darüber nach, ob ich mein Makeup noch einmal auffrischen sollte, entscheide mich jedoch dagegen. Das wäre zu viel des Guten.
Als ich die Treppe hinunterkomme, sehe ich Drew, wie er an unseren Esstisch gelehnt sich mit meinen Eltern unterhält. Die drei scheinen sich gut zu verstehen, obwohl es mir nicht so ganz gefällt, wie glücklich meine Eltern zu sein scheinen, dass Drew mich besucht. Ich möchte nicht, dass sie sich Hoffnungen machen, dass aus Drew und mir mehr werden könnte als unser Freundschafts-Projekt.
„Worüber quatscht ihr denn?", erkundige ich mich neugierig, während ich mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank schnappe.
„Drew hat erzählt, dass Team gerade wieder richtig gut in Form ist.", meint mein Vater lächelnd.
„Oh ja, das stimmt. Josh hat mir eure Trainingsaufnahmen gezeigt und ihr seid wirklich spitze.", stimme ich zu und lehne mich mit dem Rücken gegen unsere Anrichte.
„Salimos al jardín. Diviértete a los dos y ponte en contacto si necesitas algo querido." Mein Vater nickt Drew nocheinmal zu, bevor er mit meiner Mutter den Raum verlässt. Ich muss kichern, als ich sein Gesicht sehe, dass ein einziges Fragezeichen zu sein scheint. Kein Wunder, er hat kein Wort verstanden und auch wenn es wirklich fies ist, kann ich mir den kleinen Spaß nicht verkneifen.
„Er hat nur gemeint, dass ich bescheid sagen soll, falls du mir weh tust, damit er unsere Kontakte bei der mexikanischen Maffia kontaktieren kann, weil er denkt, dass wir ein Date haben."
Ich schaffe es genau zehn Sekunden, mein Lachen zu unterdrücken, bevor ich auf dem Boden beinahe zusammenbreche. Drews Gesicht ist von fragend über schockiert zu ängstlich gewechselt und die Kombination ist mehr, als ich ertragen kann.
„Haha, sehr lustig.", meint er etwas beleidigt, als er mitbekommt, dass ich ihn verarscht habe, kann jedoch sein eigenes Grinsen nicht wirklich unterdrücken.
„Tut mir leid, aber das musste sein.", presse ich zwischen einem weiteren Lachanfall hervor, während ich mir die Tränen aus den Augen wische und versuche genügend Luft zu bekommen, da ich langsam Bauchschmerzen habe.
„Er meinte, dass er mit meiner Mutter in den Garten geht und ich mich melden soll, falls ich etwas brauche."
„Also keine Maffia?"
„Denkst du wirklich, dass wir Kontakte zur Maffia haben?", erkundige ich mich amüsiert.
„Du hast versucht mich umzubringen, schon vergessen. Ganz so unbegründet ist meine Angst nun auch wieder nicht.", meint er grinsend.
„Was machst du eigentlich hier?"
„Ich dachte wir könnten einen weiteren Punkt unserer Liste abarbeiten. Also natürlich nur wenn du Lust hast. Deine Mum meinte, dass du gerade am Lernen bist, also kann ich auch verstehen, wenn du keine Lust hast, oder keine Zeit, oder..."
„Ich hätte große Lust, einen weiteren Punkt abzuarbeiten.", unterbreche ich ihn sanft und kann nicht verhindern, dass mir ein wenig wärmer wird. Es ist süß, wie nervös er wegen meiner Reaktion ist, auch wenn das unbegründet ist, weil wir ja nur befreundet sind.
Genau Everly. Rede dir das nur immer wieder ein.
„Was würdest du denn gerne machen wollen?", ich werfe einen schnellen Blick auf mein Handy. 17.30 Uhr. Für vieles ist es schon zu spät, aber ich habe so eine Vorahnung, welchen Punkt er gerne abarbeiten würde.
„Wie wäre es mit dem Buchladen?", Drews Augen leuchten und ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich ihm das abschlagen sollte, weshalb ich einfach nur lächelnd nicke.
„Gerne. Es gibt einen Barnes & Nobels eine viertel Stunde von uns entfernt. Aber ich würde Diesel empfehlen."
„Dann gehen wir doch dort hin."
Hi,
Meine Klausurenphase ist theoretisch vorbei, doch leider habe ich meine Klausur verhauen und darf im September nochmal hin. Deshalb wird es vermutlich weiterhin etwas ruhig bleiben, was mir wirklich sehr leid tut. Ich hoffe trotzdem, dass euch das Kapitel gefallen hat und ganz viel Spaß beim Lesen. ❤️
Was denkt ihr wie sich das Buchladen-nicht-date von Drew und Everly entwickelt?🙈❤️
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Romansa„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
