36. Drew

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Ich runzle die Stirn. Eigentlich erwarte ich keinen Besuch, aber nach ihrer Aussage und unserem Gespräch vor ein paar Wochen, bin ich mir sicher, dass auf jeden Fall einer der beiden Josh sein muss. Anscheinend hat sie immer noch einen kleinen Crush auf ihn. Ich höre die Treppe knarzen und keine Minute später, erscheint Josh mit Oli im Schlepptau in meiner Zimmertür.

Die beiden lassen einen ausgiebigen Blick durch mein Zimmer wandern und ich spüre das Unbehagen in mir aufsteigen. Gleichzeitig fühle ich, wie meine Wangen heiß werden.

Alles in meinem Zimmer schreit geradezu das Wort Fantasynerd. Neben meinem Bett stehen zwei riesige Bücherregale, die von oben bis unten mit Büchern vollgestopft sind. Während ich in dem einen hauptsächlich klassische Literatur, ein paar Schreibguids und meine Bücher für die Uni aufbewahre, ist das andere vollgestellt mit Fantasy Büchern und auch dem entsprechend thematisch dekoriert. Hinzu kommt das riesige Poster an meiner Wand, welches eine Karte von Mittelerde zeigt, während an der gegenüberliegenden Westeros abgebildet ist.

Lilly hat mir geholfen kleine unauffällige Lichterketten drum herumzubasteln, damit sie besser beleuchtet werden und eine kleine Efeuranke um meine Bücherregale befestigt. Außerdem hat sie mich so lange genervt, bis ich mir einen gemütlichen Sessel gekauft habe, der mittlerweile tatsächlich zu meinem Lieblingsleseplatz geworden ist. Und auch wenn es mir im ersten Moment peinlich ist, dass ich mein Zimmer so eingerichtet habe, bin ich insgeheim stolz drauf.

Mein altes Zimmer in Chicago war nichts im Vergleich hierzu und trotzdem haben Jamie und James keine Gelegenheit ausgelassen mich für meine Leidenschaft zu Fantasy Büchern aufzuziehen. Als wir hierhergezogen sind, wollte ich nicht einmal meine Bücher auspacken, um ja keine Angriffsfläche zu bilden, weil mir insgeheim ihre Worte immer mächtig weh getan haben, bis Lilly gemeint hat, dass die beiden mich mal am Arsch lecken können und ich mir gefälligst von anderen nichts einreden lassen soll. Dann ist sie aufgesprungen hat mich in den nächsten Dekoladen gezerrt und alles eingepackt, was man ihrer Meinung nach braucht, um mein Zimmer zu dekorieren.

Und eins muss man ihr lassen: es ist wirklich gut geworden. Mein Bücherherz hat ein wenig höhergeschlagen, als sie mir das fertige Ergebnis präsentiert hat und ich habe mich direkt wohl gefühlt, denn sie hat recht: Es muss mir gefallen und es sollte mir egal sein, ob ich deswegen für nicht männlich genug gehalten werde, was übrigens totaler Schwachsinn ist. Hobbys sagen nichts darüber aus und ich sollte endlich aufhören, mich von anderen Leuten deswegen fertig machen zu lassen. Dann lese ich eben viel. Na und? Das ist doch kein Verbrechen. Das rede ich mir jedenfalls fast jeden Tag ein, in der Hoffnung es irgendwann selbst zu glauben,

„Hi, was macht ihr denn hier?", durchbreche ich schließlich die Stille und deute den beiden mit einem kurzen Nicken, dass sie reinkommen sollen. Josh lächelt leicht und setzt sich auf meinen Schreibtischstuhl, während sich Oli auf den Sessel fallen lässt, bevor er noch einmal meine Wände ausgiebig betrachtet. In mir steigt der Wunsch auf mich für meine Inneneinrichtung zu erklären, doch ich drücke das Bedürfnis zu Boden. Das habe ich viel zu oft gemacht und damit fange ich hier gar nicht erst an.

„Wir wollten nur mal schauen, wie es dir so geht. Ich habe dich die letzten Tage gar nicht in der Uni gesehen.", meint Josh vorsichtig. Ja damit hat er definitiv nicht ganz Unrecht, denn ich habe versucht jedem außer Everly aus dem Weg zu gehen. Blöd nur, dass sie mit aller Macht offenbar versucht hat mir aus dem Weg zu gehen.

Und schon wieder sind meine Gedanken bei ihr.

Du kannst sie einfach nicht vergessen, trällert mir meine innere Stimme ins Ohr und ich kann mir gerade noch ein genervtes Augenverdrehen verkneifen. Nicht dass Josh und Oli noch denken, dass ich mit mir selbst rede.

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt