32. Everly

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Hi🙈, ich melde mich auch endlich mal wieder. Ich habe dieses Kapitel ja schon einmal hochgeladen und dabei schon angemerkt, dass ich überhaupt nicht zufrieden damit bin. Ich fand es hat weder zu den Charakteren noch zu der Geschichte gepasst und aus diesem Grund habe ich es runtergenommen und mich neu dran gesetzt. Der kurze Abstand zu meiner Geschichte hat mir wirklich geholfen und hoffentlich die Schreibblockade jetzt etwas gelöst. Ich möchte mich außerdem bei euch für eure Geduld bedanken, dass ihr immer noch dabei seid, auch wenn es hier gerade nur schleppend voran geht und hoffe, dass ihr jetzt ganz viel Spaß beim Lesen haben werdet.❤️🥰

Auf dem Spielfeld herrscht totales Chaos. Ich erkenne Josh, der versucht Stefan festzuhalten, während Oli Drew davon abhält, der Nummer 29 des Gegnerischen Teams eine reinzuhauen. Ich kann es nicht genau erkennen, doch ich gehe stark davon aus, dass James unter dem Helm steckt. Die Schiedsrichter versuchen verzweifelt das Chaos unter Kontrolle zu kriegen, was jedoch gar nicht so einfach ist, wenn eine Mannschaft sich untereinander zu schlagen anfängt. Auch die Zuschauer sind schockiert, denn so etwas gab es hier noch nie. Das Team der UCLA ist in der gesamten Liga für seinen starken Zusammenhalt und faire Spielweise bekannt. Noch nie wurde hier eine Schlägerei angefangen und schon gar nicht untereinander. Die Jungs sind wie eine Familie und würden sich niemals gegenseitig angreifen. Was hier gerade passiert, ist einfach unvorstellbar.

Ich schaue geschockt auf das Durcheinander, während mir immer noch die Tränen über die Wange laufen. Jamies Worte geistern durch meinen Kopf, hinzu kommt das Geschrei der Zuschauer und das der Spieler vom Feld. All die Stimmen verschwimmen zu einem einzigen lauten Geräusch, welches in meinen Ohren brennt und dafür sorgt, dass mir schwindlig wird. Hektisch versuche ich ein und auszuatmen, habe aber das Gefühl trotzdem keine Luft zubekommen. Tief in meinem inneren weiß ich dass ich mich geradewegs in eine Panikattacke hineinsteigere, doch ich kann nicht damit aufhören. Und ich weiß auch, dass ich ohne Hilfe da nicht rauskomme. Augenblicklich wünsche ich mir, dass Josh jetzt an meiner Seite wäre. Seit Tylers Tod hat er mich durch so viele Panikattacken und Anfälle begleitet und wüsste deswegen direkt, was zu tun wäre.

Während alles um mich herum verschwimmt, spüre ich auf einmal eine Hand, die sich sanft um meinen Oberarm schließt und mich vorsichtig, wenn auch bestimmenden Richtung Boden dirigiert, bis ich schließlich auf die kalten Steine unter mir spüre. Eine weitere Hand legt sich auf meinen Rücken und fährt beruhigend auf und ab und irgendjemand redet auf mich ein. Es dauert eine Weile, bis mein Kopf wieder so klar ist, dass ich die Stimme verstehen kann und alles um mich herum wieder Gestalt annimmt.

„Schhhhhhh. Ganz ruhig. Tief ein und ausatmen." Ich drehe meinen Kopf zur Seite und schaue direkt in Carols Gesicht, die mich besorgt ansieht, gleichzeitig aber versucht mich zu beruhigen. Nach weiteren fünf Minuten fühle ich mich so weit wieder ruhig, dass ich selbstständig tief ein und ausatmen kann, ohne dass mir Joshs Mum anweist es zu tun.

„Geht es wieder? Oder soll ich deine Eltern anrufen?" Schnell schüttle ich meinen Kopf, was leider den Nebeneffekt hat, dass jetzt dunkle Punkte vor meinen Augen auf und ab hüpfen. Doch ich will nicht, dass sie meine Eltern anruft. Sie sind gerade bei Tylers Eltern, die sie dringender brauchen als ich gerade.

„Nein, es geht schon. Aber danke."

„Natürlich Süße. Kann ich irgendetwas tun? Etwas zutrinken vielleicht oder willst du eventuell mit mir reden, was gerade passiert ist?" Sie sieht mich völlig entspannt an und ich weiß, dass selbst wenn ich ihr jetzt sagen würde, dass ich nicht darüber reden möchte sie das einfach akzeptieren würde. Carol würde mich nicht drängen. Stattdessen würde sie mich einfach nur festhalten und mir so versichern, dass alles wieder gut wird. Und genau das ist es auch, was sie die nächsten Minuten tut, während ich auf dem Boden der Stadiontribüne sitze, mich an ihren Arm klammere und meinen Tränen freien Lauf lasse.

„Ich habe Tyler betrogen.", flüstere ich in ihre Armbeuge, während sich bei dem Satz in mir alles zusammen zieht und mein Herz so verdammt weh tut, dass ich am liebsten Schreien würde.

„Ich...ich habe gestern jemand anderen geküsst." Meine Stimme ist nicht mehr als ein leises Hauchen, während ich mich immer wieder selbst durch mein eigenes Schluchzen unterbreche.

Carol sagt nichts. Sie unterbricht mich kein einziges Mal, während ich ihr unter Tränen erzähle, was die letzten Wochen alles passiert ist. Angefangen von Drews Einzug, unseres Streits, der Spannung, die sich die letzten Wochen aufgebaut hat, die aber nicht nur von der Anziehungskraft zwischen uns geprägt ist, sowie dem Auftauchen seiner Ex- Freundin und wie ich keinen anderen Ausweg gesehen habe, ihm aus dieser Situation zu helfen, als ihn zu küssen. Ich erzähle ihr von den Schuldgefühlen, die mich seitdem jede freie Minute quälen und wie verdammt weh es gerade getan hat, dass Jamie mir dies alles noch einmal vor Augen geführt hat. Als ich ende ist ihr Pulli ganz nass von meinen Tränen und sie sieht mich mit einem so mitfühlenden Blick an, dass ich am liebsten direkt wieder weinen möchte.

„Kann ich dir etwas dazu sagen?", fragt sie mich vorsichtig. Ich nicke.

„Also wenn ich dich richtig verstanden habe, dann hast du einem Jungen, den du magst, aus einer für ihn unangenehmen Situation herausgeholfen. Das heißt noch lange nicht, dass du Tyler betrogen hast." Ihre Stimme bricht und ich hebe meinen Kopf rechtzeitig, um zu sehen, wie sie sich eine Träne aus dem Gesicht wischt.

„Tyler war für mich wie ein Sohn. Und du bist wie eine Tochter für mich. Ich kenne euch beide seit ihr zwei Jahre alt seid und ich kann absolut nachvollziehen, was dir gerade durch den Kopf geht, aber trotzdem bricht es mir das Herz dich so zu sehen. Tyler und du ihr wart etwas ganz Besonderes. Die erste Liebe hält meistens nicht für immer, aber ihr habt es geschafft. Ihr habt es entgegen allen Erwartungen geschafft, denn das, was euch beide verbunden hat ist etwas so Wunderschönes und Kostbares gewesen, wie man es nur ganz selten findet. Ich habe noch nie zwei Menschen gesehen, die eine so starke Verbindung miteinander geteilt haben und ich weiß, dass es Tyler ebenfalls das Herz brechen würde, könnte er dich jetzt sehen. Alles, was er wollen würde ist, dass du glücklich bist. Egal was oder wer dafür verantwortlich ist. Und dass was du getan hast, ist in keiner Weise falsch gewesen. Du hast ihn geküsst, um ihm zu helfen. Und selbst, wenn du es getan hättest, weil du es selbst mit jeder Faser deines Körpers gewollt hättest, wäre es in Ordnung gewesen."

Ihre Worte tun gut und gleichzeitig so schrecklich weh, dass ich für einen kurzen Moment erneut keine Luft bekomme. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viele verschiedene Emotionen auf einmal fühlen könnte und in diesem Moment wird mir etwas bewusst. Das eigentliche, was mich die letzten Tage gequält hat, ist nicht die Tatsache, dass ich Drew geküsst habe. Es ist der Fakt, dass es mich so sehr fertig macht, ihn geküsst zu haben. Ich weiß, dass ich ihm in diesem Moment wirklich nur helfen wollte, doch ein Teil von mir hat sich so sehr gewünscht, dass ich mich durch diesen Kuss nicht mehr so verdammt leer und tot innendrin fühlen würde. Ich wollte mein Versprechen gegenüber Tyler halten. Ich wollte stark sein und weiter machen, doch ich bin es nicht und kann es auch nicht. Auch wenn ich es mir so sehr wünsche, bin ich noch nicht bereit mich auf jemanden anderes einzulassen, auch wenn es nur für ein Kuss ist. Ich kann ihm diesen Wunsch nicht erfüllen, so sehr ich es auch möchte. Vier Monate sind eine zu kurze Zeit, um mit etwas abzuschließen, dass mein gesamtes Leben lang existiert hat und der Grund dafür war, warum ich jeden einzelne Morgen mit einem Lächeln auf den Lippen aufgestanden bin. Und ich weiß tief in mir drin, dass Tyler es verstehen würde. Denn genau wie Carol es gerade gesagt hat, würde er nur wollen, dass ich letztendlich glücklich bin. Ganz egal wie lange es dauert. Und aus diesem Grund, muss ich jetzt dringend mit Drew reden, denn alles andere wäre auch ihm gegenüber nicht fair. Wenn ich ehrlich gegenüber mir selbst bin, muss ich auch ehrlich ihm gegenüber sein.

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt