Bibbernd schlinge ich meine schwarze Lederjacke fester um meinen Körper, während ich mir einen Weg durch die Menschen auf die Tribüne bahne. Obwohl es nur ein Vorbereitungsspiel ist, ist es trotzdem ziemlich voll. Vermutlich, weil es seit über vier Monaten kein Footballspiel mehr gegeben hat, oder weil die Leute hoffen, so ein paar Informationen über Tyler herauszuquetschen, was aber hoffentlich nicht passieren wird.
Seufzend schlängele ich mich am Hotdog Stand vorbei und setzte mich wie gewohnt auf unsere üblichen Stammplätze. Nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass ich heute allein hier bin. Normalerweise ist dieses Fleckchen von Tylers Eltern, meiner Familie und Liv besetzt, aber heute bin ich allein da. Beth und Tobi wollen erst zu dem ersten offiziellen Spiel der Mannschaft gehen, bei dem auch eine Trauerfeier für Tyler abgehalten wird, weil es sich für sie noch zu früh anfühlt, Livie steht offenbar kurz vor einer Existenz Krise, obwohl ich noch nicht so genau, herausgefunden habe wieso und was auf dieser Party passiert ist, weil sie mir nichts verrät und meine Eltern sind bei den Watsons zuhause, um sie ein wenig abzulenken. Was so viel bedeutet wie: Ich bin allein.
In der Menschenmenge erkenne ich Joshs Eltern die mir freundlich zu winken und für einen kurzen Moment glaube ich auch die Morgans zu sehen, doch der Platz ist mittlerweile so überfüllt, dass es fast unmöglich ist, überhaupt jemanden zu entdecken, der nicht unmittelbar vor einem steht.
„Ist hier noch frei?" Vor mir steht ein Mädchen mit langen blonden Haaren, welches mich freundlich anlächelt. Sie kommt mir merkwürdig bekannt vor, bis mir wieder einfällt, dass sie Drews Begleitung auf der Party war.
„Ja klar, setzt dich.", antworte ich und rutsche ein Stück zur Seite. Als ich aufschaue bemerke ich erst, wie viele Leute mich anstarren und einmal mehr wünsche ich mir, dass Liv bei mir wäre. Sie würde denen gehörig die Meinung sagen und definitiv dafür sorgen, dass ich hier nicht mehr zum Zielobjekt gemacht werde.
„Denen wird bestimmt bald langweilig und dann hören sie auf.", meint Drews Begleitung, von der ich immer noch nicht weiß, wie sie heißt und in welcher Beziehung sie zu ihm steht und lächelt mich aufmunternd an.
„Hoffentlich."
„Ich bin Emily."
„Everly.", antworte ich und lächle ebenfalls. Irgendwie ist die Stimmung zwischen uns merkwürdig angespannt, auch wenn wir uns heute zum ersten Mal richtig unterhalten. Doch ich habe keine Gelegenheit mir weiter darüber Gedanken zu machen, da erstens die Spieler das Feld betrete und sich zweitens jemand anderes neben mich fallen lässt.
„Hi, es stört doch nicht, dass ich mich hier hinsetzte. Nein? Super." Auch diese Stimme kommt mir bekannt vor und als ich meinen Kopf drehe, treffen meine Augen auf braune, die mich spöttisch anfunkeln. Na super. Ich bin eingequetscht zwischen Drews Partybegleitung und seiner Ex Freundin, die immer noch denkt, dass ich mit Drew zusammen bin und aktuell so aussieht, als würde sie mir deswegen am liebsten Hals umdrehen.
„Nein überhaupt nicht. Fühl dich ganz wie zuhause.", meine Stimme klingt gekünstelt, überspitzt und t nicht nach mir, während ich sie ebenso falsch anlächele, wie sie mich noch vor einer Minute.
„Aufregend oder. Unsere zwei Teams spielen gleich gegeneinander. Wer da wohl gewinnen wird." Was wird das, wenn es fertig ist? Versucht sie mich hier zu provozieren oder warum will sie auf Krampf ein Gespräch mit mir anfangen? Da ich ihr aber bestimmt nicht die Reaktion geben werde, die sie sich von mir erhofft, setze ich einen gelangweilten Blick auf, bevor ich mir die Mühe mache zu antworten.
„Ein Team, das in der Midwest conference spielt, bekommt gleich einen Arschtritt von einem aus der Pac-12 conference in einem Vorbereitungsspiel. Wenn das deine Definition von spannend ist, hast du noch nie bei einem richtigen Footballspiel zugesehen." Für einen kurzen Moment herrscht tatsächlich Ruhe neben mir, währen dich meine Aufmerksamkeit wieder auf das Spiel lenke, dass mittlerweile schon begonnen hat. Erfreut stelle ich fest, dass die Jungs relativ gut miteinander harmonieren und deutlich besser spielen als gedacht.
„Na du musst dich ja auskennen."
„Was soll das schon wieder heißen?" So langsam geht mir Jamie gehörig auf die Nerven.
„Oh ich dachte, weil du doch anscheinend nur mit Footballern ins Bett gehst. Wobei Drew ja im Vergleich zu deinem Ex wirklich ein Downgrade ist." Neben mir höre ich Emily nach Luft schnappen, während ich innerlich bis zehn zähle, um mich davon abzuhalten Jamie direkt eine reinzuhauen. Ihr Spruch war unter der Gürtellinie, und zwar gewaltig.
„Wag es nie wieder so von meinem Ehemann zu sprechen.", meine Stimme ist leise und schneidend, während ich mich krampfhaft versuche davon abzuhalten, vor ihren Augen in Tränen auszubrechen. Dann hätte sie gewonnen und das will ich nicht. Gleichzeitig tut es so verdammt weh zu hören, wie sich sowohl über Tyler als auch über Drew lustig macht.
„Ehemann? Na, so toll kann die Ehe ja nicht gewesen sein."
„Wer auch immer du bist. Hör sofort auf, so mit ihr über Dinge zu reden, von denen du keine Ahnung hast.", fährt Emily jetzt Jamie an, während ich verzweifelt versuche meine Atmung unter Kontrolle zu bringen, was leider nicht funktioniert. Mein Atem geht viel zu schnell und ich spüre wie ich langsam, aber sicher keine Luft mehr bekomme. Was mir allerdings den Rest gibt, sind ihre nächsten Worte, die sie mir entgegenschleudert.
„Wieso, ich habe doch Recht. Wer ist denn bitte so krank und hat vier Monate nach dem Tod seiner angeblich großen Liebe, eine neue Beziehung oder eher jemanden mit dem man ins Bett geht. Seien wir doch mal ehrlich. Du hast ihn nur geheiratet, weil du durch ihn ein klitzekleines bisschen Bekanntheit erlangt hast und sich sonst absolut niemand auf dieser Welt für dich interessieren würde." Ihre Worte treffen mich wie kleine, spitze Messerstiche genau ins Herz und ich schnappe verzweifelt nach Luft, während alles andere um mich herum verschwimmt und mir unfassbar kalt wird. Ich kann Emily etwas sagen hören, doch verstehe kein einziges Wort, während mir Jamies fieses Lachen in den Ohren klingelt.
Hastig richte ich mich auf und versuche von der Tribüne hinunterzukommen, da ich genau weiß, dass ich in weniger als einer Minute endgültig zusammenbrechen werde und das definitiv nicht vor allen Leuten hier passieren muss. Eine böse kleine Stimme geistert durch meine Gedanken und teilt mir mit, dass Jamie recht hat, obwohl der rationale Teil von mir versucht dagegen anzukämpfen.
Während Tränen mir die Sicht versperren, quetsche ich mich an den Menschen vorbei und laufe in Richtung der Umkleidekabinen. Bevor ich diese erreiche, fällt mein Blick noch ein letztes Mal auf das Spiel fällt. Gerade rechtzeitig, um durch meine Tränenschleier zu erkennen, wie Stefan Drew einen Kinnhacken verpasst, bevor auf dem Spielfeld eine Prügelei ausbricht.
Ab jetzt geht es hoffentlich wieder regelmäßig weiter. Euch einen schönen ersten Dezember 🥰
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Romance„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
