„Hast du schon eine Idee, welches Buch du kaufen möchtest?", erkundigt sich Everly, während wir an einer Ampel halten. Ihr Kopf wippt im Tackt zu Taylor Swift und auch wenn das wirklich überhaupt nicht mein Musikgeschmack ist, ist es unfassbar süß, wie sehr sie die Musik fühlt.
„Im Prinzip habe ich eine ganze Liste an Büchern, die ich kaufen könnte, weil sie noch in meinem Regal fehlen, aber ich freue mich ehrlich gesagt mehr aufs Stöbern." Ich war viel zu lange nicht mehr nach Büchern stöbern und die Vorfreude sorgt für ein aufregendes Kribbeln in meinem Bauch, von dem ich mir einrede, dass es ausschließlich davonkommt und natürlich nichts mit der Frau zu meiner linken zu tun hat, die gerade verträumt aus dem Fenster sieht, während wir darauf warten, dass es grün wird.
„Stimmt, du gehörst ja zu der Sorte Menschen, die ein Buch zwei Mal liest. Was ich übrigens immer noch nicht verstehe.", meint sie grinsend, woraufhin ich die Augen verdrehe.
„Was ist falsch daran eine wirklich gute Geschichte nochmal zu lesen?"
„Weil du dann schon weißt, was passiert.", entgegnet sie energisch, was mich grinsen lässt.
„Das heißt du schaust auch jede Serie und jeden Film nur einmal, weil du dann schon weißt, was passiert?"
„Das ist ja wohl völlig etwas anderes.", entgegnet sie, muss im selben Moment aber lachend. Offenbar hat sie selbst gemerkt, wie schwach ihr Argument ist.
„Ja, das Argument überzeugt mich unheimlich.", meine ich grinsend und sehe aus dem Fenster. Auch wenn ich jetzt schon über zwei Monate hier wohne, gibt es so viel, was ich noch nicht von Santa Monica gesehen habe. Everly wirft mir einen kurzen Seitenblick zu, bevor sie ihre Augen wieder auf die Straße richtet und offenbar mit Mühe versucht ein Grinsen zu unterdrücken.
„Was?", erkundige ich mich misstrauisch. Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass dieses Mädchen unberechenbar ist und dieses Grinsen meistens nichts Gutes für mich bedeutet.
„Ach nichts. Ich habe mich nur gefragt, wie lang es dauern würde, bis du nach Hause findest, wenn ich dich hier jetzt aus dem Auto werfe."
„Wage es ja nicht." Sollte sie das wirklich tun, wäre ich am Arsch. Denn in dieser Gegend von Santa Monica war ich noch nie. Ich würde es vermutlich nicht mal mit Google Maps bis zur nächsten Bushaltestelle schaffen.
„Aber das wäre wirklich interessant.", meint sie lachend, bevor sie den Blinker setzt und um die nächste Straßenecke biegt. Eigentlich sollte ich beleidigt sein, dass sie sich über meinen nicht vorhandenen Orientierungssinn lustig macht. Schon wieder. Aber dafür ist es viel zu niedlich, wie sie sich freut, dass sie meine Schwachstelle verwenden kann, um mich aufzuziehen.
„Vermutlich würde es nicht halb so lange dauern, wie du gleich zum Parken brauchen wirst.", kontere ich, wofür ich mir einen gespielt bösen Blick von ihr einfange.
„Ich bin ja wohl ein Profi im Einparken. Und wage es nicht, etwas anderes zu behaupten, sonst läufst du nachher wirklich nach Hause.", meint sie lachend, bevor sie auf einen Parkplatz einbiegt und stehen bleibt.
Amüsiert beobachte ich, wie Everly einen inneren Kampf auszufechten scheint, welchen Parkplatz sie nehmen soll. Es sind noch genau zwei frei. Eine relativ große Parklücke, allerdings zwischen zwei Autos, was ihr offenbar Angst zu machen scheint und eine, die zwar groß genug für Everlys kleines Auto wäre, allerdings eine Mauer als Begrenzung hat. Und ohne gemein zu klingen, mache ich mir bei beiden Optionen Gedanken, dass wir am Ende entweder die Reparaturkosten für eins der beiden parkenden Autos bezahlen müssen oder die Rechnung für Everlys Wagen, wenn er Bekanntschaft mit der Mauer gemacht hat.
„Die Lücke zwischen den beiden Autos ist größer.", versuche ich ihr einen Tipp zu geben und bemühe mich wirklich, dass man das Lachen, dass unbedingt aus mir heraus möchte, nicht hört.
„Bist du wahnsinnig? Das ist ein Tesla der daneben steht. Weißt du wie viel der Kostet?" Ihre Stimme wird zum Ende hin immer höher und ich schaffe es nicht mehr länger, das Lachen zurückzuhalten, wofür ich einen Schlag auf den Oberarm ernte.
„Aua.", beschwere ich mich kichernd.
„Selbst schuld.", antwortet sie nur, während sie konzentriert die beiden Parktaschen studiert. Es ist irgendwie süß, wie sehr sie das Einparken aus dem Konzept bringt, aber gleichzeitig tut mir Everly langsam wirklich leid, denn der Gedanke ihr kleines Auto in einem der beiden Parkplätze abzustellen, scheint sie ernsthaft zu stressen. Die Frau, die bisher nichts aus dem Konzept gebracht hat, dafür aber ein Talent besitzt mich völlig nervös zu machen, dreht durch wegen einer Parklücke. Ich weiß, dass es furchtbar gemein ist, wie lustig ich diesen Umstand finde, aber ich kann leider nichts daran ändern.
„Wenn du möchtest, kann ich auch parken?", biete ich an, woraufhin sie mir einen giftigen Blick zuwirft. Abwehrend hebe ich die Hände.
„Das ist ernst gemeint.", beteuere ich und beobachte, wie ihr Widerstand langsam bröckelt.
„Okay. Aber nicht, dass du denkst, ich könnte nicht selbstständig einparken."
„Würde ich doch niemals.", antworte ich kichernd und kann mir den Nachsatz leider nicht verkneifen. „Aber wir wollen den Buchladen ja noch erreichen, bevor er schließt."
„Vergiss es, ich parke selbst.", meint sie und zieht ihre Hand mit dem Autoschlüssel zurück, bevor sie irgendetwas auf Spanisch murmelt, was ich nicht verstehe.
„Das war ein Spaß, gib her." Es kostet Everly einiges an Überwindung, bevor sie mir widerwillig den Autoschlüssel in die Hand drückt, aussteigt und sich ans Ende der Parklücke stellt, um mich einzuweisen. Offenbar traut sie meinen Einparkkünsten genauso wenig wie ihren Eigenen. Gleichzeitig scheint es ziemlich an ihrem Ego zu knabbern, dass ich jetzt für sie parken muss, denn ich kann durch die Windschutzscheibe beobachten, wie sie irgendetwas vor sich hin brabbelt. Und schon wieder merke ich wie mir innerlich ganz warm wird.
Verdammt. Warum schaffe ich es, denn nicht dieses Mädchen einfach nur als gute Freundin zu sehen. Wenn Emily Probleme mit dem Parken hätte, dann würde ich das doch auch nur witzig und nicht süß finden.
Weil du dafür schon viel zu verknallt bist, singt meine innere Stimme, woraufhin ich genervt aufstöhne. Gott sei Dank steht Everly draußen und kriegt von meinem Gefühlchaos hier drin nichts mit. Ich musss das dringend auf die Reihe kriegen, denn es kann nicht sein, dass ich jedes Mal, wenn sie in der Nähe ist, einen halben Nervenzusammenbruch bekomme.
Gedanklich mache ich mir eine Notiz noch heute Abend die erste Dating App herunterzuladen. Vielleicht hat Emily ja recht und ich brauche wirklich nur etwas Ablenkung.
Damit Everly nicht ewig auf mich warten muss, stecke ich endlich den Schlüssel in die Zündung und fange an, dass Auto in die Parklücke zu manövrieren, während Everly vor mir hektisch mit den Armen hin und her wedelt. Ich muss kichern. Sogar als Einparkhilfe versagt dieses Mädchen auf ganzer Linie. Als das Auto ordentlich drinsteht, steige ich aus und werfe ihr den Schlüssel zu.
„Zufrieden?", erkundige ich mich, während sie einen prüfenden Blick über ihren Wagen gleiten lässt, bevor sie aufseufzt.
„Ja, bin ich. Das hast du gut gemacht. Danke." Die Worte scheinen sie einiges an Überwindung zu kosten, während wir uns langsam in Richtung des Buchladens bewegen. Kurz vor der Tür hält sie noch einmal inne und sieht mich herausfordernd an.
„Nur damit das klar ist. Das bleibt unter uns. Erzähl meinen Freunden, dass ich es nicht geschafft habe einzuparken und ich hacke mich in dein Handy und programmiere dein Google Maps um." Ich pruste los, bei der Vorstellung, wie Everly einen auf Geheimagent macht, um mein Handy zu hecken.
„Ich wusste gar nicht, dass du das kannst."
„Ich habe meine Kontakte.", meint sie grinsend, bevor sie die Tür öffnet und im inneren des Ladens verschwindet.
Hi
Ich hoffe ihr habt einen tollen Sonntag❤️ ab jetzt beginnt das Buchladen Date und ich bin sehr gespannt was ihr dazu sagen werdet😂🙈
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Roman d'amour„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
