„Was möchtest du eigentlich später machen, also nach deinem College Abschluss? Mit Health Care und Counseling hast du ja relativ viele Möglichkeiten offen.", erkundigt sich Drew neugierig. Ich weiß, dass seine Frage keinesfalls böse oder angreifend gemeint ist, und trotzdem sorgt sie dafür, dass mir ein kalter Schauer den Rücken hinunterläuft und ich automatisch meine Lederjacke enger um meinen Körper schlinge, denn ich habe keine Antwort auf seine Frage. Ich habe allgemein keine Antwort darauf, wie meine Zukunft aussehen wird, denn meine ganzen Pläne, Ziele und Träume wurden letzten Sommer zerstört und ich bin in keinster Weise bereit dazu jetzt schon wieder neue zu schmieden.
„Entschuldigung, ich hätte nicht fragen sollen.", meint Drew und sieht mich zerknirscht an, denn ihm scheint mein Stimmungswandel nicht entgangen zu sein. Andererseits kann ich auch nicht für den Rest meines Lebens ausflippen, wenn Tyler in irgendeiner Weise erwähnt wird.
„Nein, ist schon in Ordnung. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung.", antworte ich und lasse mich auf die Parkbank neben uns fallen.
„Ich möchte auf jeden Fall Physiotherapeutin für Profisportler werden, schließlich habe ich lang genug an den Jungs aus dem Team geübt, bzw. sie gezwungen sich für Übungen zur Verfügung zu stellen. Unser Plan war es immer, dass ich versuche, eine Stelle als Physiotherapeutin bei dem Verein zu bekommen, bei dem Ty seinen Profivertrag kriegt, oder eine Praxis in der Nähe zu finden. Wir haben es, während der High-School für sieben Monate mit einer Fernbeziehung versucht, weil er ein Stipendium für ein Sportinternat bekommen hat, aber das war nichts für uns. Nicht, dass wir uns nicht vertraut haben oder so etwas, aber es war einfach merkwürdig, die Person, die du sonst jeden Tag gesehen hast, nur noch über Facetime zu Gesicht zu bekomme. Und jetzt habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen soll, denn alle Pläne, die wir hatten, hatten wir für eine gemeinsame Zukunft."
Ich bin etwas außer Atmen, als ich fertig bin mit erzählen, doch Drew scheint es nicht zu stören, dass ich wie ein Wasserfall vor mich hin blubbere, weshalb ich den Mut fasse, noch ein wenig mehr zu erzählen, denn es tut überraschend gut mit jemandem über diese Art von Problemen zu reden. Und wenn ich eins in den letzten Wochen bemerkt habe, dann, dass Drew ein fantastischer Zuhörer ist.
„Ich denke ich habe nie darüber nachgedacht, dass es eine Zeit geben würde, die wir nicht zusammen sind. Und es ist merkwürdig zu wissen, dass ich mich in dieser Zeit gerade befinde und dass es nie wieder so sein wird wie früher. Manchmal realisiere ich es überhaupt nicht und denke, wenn ich nur noch ein Weilchen warte, wird Tyler wieder hier sein. So wie wenn er übers Wochenende in einem Trainingscamp war und wir uns dann erst Montags gesehen haben. Die Erkenntnis, dass es nicht so sein wird, ist verdammt hart.", murmle ich leise, als ich Drews Arm vorsichtig auf meiner Schulter spüre und er mich im nächsten Moment zu sich heranzieht und ich meinen Kopf auf seiner Brust ablege. Seine Umarmung hat etwas Tröstliches und vermittelt mir das Gefühl nicht so allein zu sein, wie ich mich gerade fühle. Mein Blick wandert in den Himmel und ich frage mich, ob Tyler mich wohl sehen kann.
„Es tut mir leid, dass du das durchmachen musst, und ich wünschte es gäbe irgendetwas, dass ich tun könnte, damit es besser wird.", flüstert er in meine Haare, woraufhin ich meinen Kopf zu ihm drehe und ihn ansehe.
„Du tust mehr als du weißt.", antworte ich ehrlich, bevor wir beide wieder schweigend aufs Meer blicken.
„Was möchtest du machen, wenn das College vorbei ist?", frage ich leise nach einiger Zeit, weil mir auffällt, dass ich ihn das noch nie gefragt habe. Insgeheim hoffe ich, dass seine Antwort nicht Profi lauten wird, denn auch wenn ich Drew sehr mag und ihm das nie ins Gesicht sagen würde, hat er in meinen Augen nicht das Zeug, um Profispieler zu werden. Das soll auch überhaupt nicht abwertend klingen, aber ich habe durch Tyler eine Grund Ahnung fürs Football entwickelt und erkenne 'mittlerweile ziemlich gut, ob jemand Profi werden kann oder nicht. Schließlich musste ich mir genügend Drafts ansehen und bin mit Tyler immer wieder die Punkte durchgegangen, auf die Talentscouts achten, damit sein Traum Profi zu werden wahr werden kann.
„Ich weiß es ehrlich gesagt auch noch nicht. Mein Traum wäre es natürlich irgendwann vom Schreiben leben zu können, also Autor zu werden, aber meine Eltern haben mir deutlich gemacht, dass ich unbedingt einen Plan B brauche, womit sie auch recht haben. Es ist verdammt schwer im Schreibgeschäft Fuß zu fassen und es geht sehr schnell dabei total zu versagen. Allerdings weiß ich nicht, was ich sonst tun soll. Als Journalist könnte ich wenigstens schreiben, allerdings müsste ich mir das bald überlegen, denn dann brauche ich Zusatzkurse. Lektorat fände ich wiederum auch sehr spannend, weshalb ich gerade ein bisschen überfragt bin."
„Ich glaube schon, dass du das Zeug zum Autor hast. Du liebst Bücher, kennst dich super aus und liest selbst viel, was dem Schreiben bestimmt sehr hilft." Drew neigt seinen Kopf ein wenig und sieht mich direkt an. Wir sind uns fast wieder so nah, wie am Montag auf der Treppe, doch diesmal ist die Stimmung ernster und viel weniger sexuell aufgeladen.
„Meinst du wirklich?" In seiner Stimme schwingt Verunsicherung mit und ich begreife, dass ihm vermutlich noch nie jemand geraten hat für seinen Traum zu kämpfen. Kein Wunder, wenn dieses Biest von Exfreundin in der Beziehung der beiden schon genauso war, wie sie sich bei der Party aufgeführt hat, dann wird sie Drew eher runtergezogen haben, als ihn zu unterstützen, was verdammt schade ist, denn ich glaube, dass in Drew so viel Potential steckt, was er nicht nutzt, weil er nie gelernt hat, an sich selbst zu glauben.
„Ja das meine ich wirklich.", flüstere ich zurück. „Und wenn es doch nichts mit dem Autorenjob wird, dann machst du einfach deinen eigenen Buchladen auf mit angrenzendem Café und ich versorge dich mit selbstgebackenen Torten. Denn Leute zu Büchern beraten kannst du auf jeden Fall.", antworte ich lächelnd, während ich mich ein wenig enger an Drew kuschle. Ich weiß, dass das absolut nicht fördernd ist für unser Freundschaftsding, aber gerade fühle ich mich in seinen Armen so sicher, wie schon lange nicht mehr bei irgendjemandem und ich möchte, dass dieses Gefühl noch ein wenig länger anhält.
„Das ist eigentlich gar kein schlechter Vorschlag.", stimmt er mir leise lachend zu und zieht mich ebenfalls ein wenig enger an sich, während wir beide auf das Meer sehen und dem Rauschen der Wellen lauschen.
Hi
Da bin ich wieder🥰 die Uni schlaucht mich gerade sehr, weshalb ich nicht wirklich zum Schreiben komme. Hoffe es gefällt euch🥰
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Two broken Souls - Finding Happiness Again
Romance„Suchst du etwas?", raune ich Everly zuckt so heftig zusammen, dass ihr erstens der Karton aus den Fingern gleitet und sie zweitens selbst das Gleichgewicht verliert und ins Straucheln gerät. Da ich allerdings finde, dass ihre Gesundheit wichtiger i...
