68. Everly

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Ich öffne blinzelnd und noch etwas verschlafen meine Augen, als die ersten Sonnenstrahlen durch den offenen Spalt in der Jalousie ins Zimmer fallen und mich blenden. Mit einem leisen stöhnen setzte ich mich auf und zucke bei dem pulsierenden Schmerz, der durch meinen Kopf schießt, zusammen, während ich versuche mich zu orientieren, wo ich überhaupt bin.

Mein Blick fällt auf die kleine grüne Küchenzeile, das Fischernetz mit den unzähligen Polariods und schließlich auf das grüne Schlafsofa, auf dem ich mich gerade aufrichte. Offenbar haben mich meine Freunde gestern zu Livie nach Hause gebracht und sind anscheinend alle geblieben. Josh liegt auf einer Matratze vor meinen Füßen, Liv hat sich auf dem dunkelgrünen Lesesessel zusammengerollt wie eine kleine Katze und Luke liegt auf Livs Yoga Matte unter ihrem Esstisch und schläft friedlich. Ich nehme mir einen kurzen Moment, um meine drei besten Freunde zu beobachten, die gestern mitten in der Nacht alles stehen und liegen gelassen haben, um zu mir zukommen, als ich sie gebraucht habe und mich auch die Nacht über nicht allein gelassen haben und spüre, wie mich eine warme Welle der Dankbarkeit durchflutet.

Gegenüber rekelt sich Liv in ihrem Sessel, bevor sie blinzelnd die Augen aufschlägt und mich anlächelt. „Guten Morgen.", wispert sie und betrachtet die beiden Jungs, die immer noch wie Steine schlafen mit einem Grinsen, bevor sie aufsteht und vorsichtig über die beiden drübersteigt.

„Willst du auch einen Saft?", wispert sie, um Luke und Josh nicht zu wecken, worauf ich nicke und ebenfalls über Josh hinüber krabble, um ihr einen Schritt entgegenzukommen. Grinsend drückt sie mir ein Trinkpäckchen mit Orangensaft in die Hand, bevor sie sich selbst eins aus der Kühlschranktür nimmt und einen sehnsüchtigen Blick zu ihrer Kaffeemaschine wirft. Ich muss mir Mühe geben mein Lachen zu unterdrücken, in Anbetracht der Tatsache, dass es Liv ziemlich schwer zu fallen scheint, den Jungs zuliebe ihre Koffein Sucht noch ein wenig hinauszuzögern.

„Balkon?", frage ich sie im Flüsterton, was sie mit einem Nicken bejaht, woraufhin wir beide auch noch über Luke steigen und keine Minute später von den warmen Strahlen der Frühlingssonne in Empfang genommen werden. Liv macht es sich augenblicklich im Schneidersitz auf ihrem mini Paletten Sofa bequem, während ich mich in ihren Sitzsack fallen lassen und genießerisch die Augen schließe, um die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut zu spüren. Als ich die Augen wieder öffne, entfährt mir ein leises Lachen, als ich sehe, wie Liv mit dem Strohhalm ihres Trinkpäckchens kämpft, welches sich immer wieder verbiegt, ohne die Packung zu durchstechen.

„Ich versteh bis heute nicht, warum irgendjemand meint, dass es eine sinnvolle Idee wäre, diese verflixten Teile aus Pape zu machen.", schimpft sie leise vor sich hin.

„Du könntest auch einfach normale Flaschen kaufen, dann hättest du das Problem nicht.", entgegne ich grinsend, während ich ebenfalls versuche, den Strohhalm in die Packung zu bekommen.

„Und wo bleibt da der Spaß?" Ich muss lachen, als sie ein triumphierendes Quietschen ausstößt, als sie den Strohhalm in die Packung bekommt. Für eine ganze Weile beobachten wir schweigend, wie die Sonne Santa Monicas in ein gelb orangenes Licht taucht und die Straßen zunehmend voller werden.

„Danke, dass ihr gestern alle gekommen seid. Ich weiß, dass es schon spät war, aber ich wusste einfach nicht weiter und..."

„Du musst dich weder erklären, noch bedanken.", unterbricht mich Liv sanft aber bestimmend, bevor sie sich zu mir hinüberbeugt und meine Hand nimmt. „Genau dafür hat man doch Freunde. Wenn wir in deiner Situation wären, wärst du die erste, die losrennen würde, um uns zu helfen.", meint sie lächelnd, bevor sie ihren Blick wieder in die Ferne richtet. Ihre Art mir zu sagen, dass sie mir zuhört, wenn ich erzählen will, was gestern mit mir los aber, mir aber auch nicht böse ist, wenn ich nicht reden möchte.

„Beth, Mum und ich waren essen in Dads Restaurant und...Drew war auch da. Mit einem Mädchen." Liv zieht überrascht die Augenbrauen nach oben, unterbricht mich aber kein einziges Mal, als ich ihr bis ins kleinste Detail erzähle, was gestern passiert ist. Auch nicht als ich ihr erzähle, wie wütend ich darüber geworden bin, dass er sich mit anderen verabredet und auch nicht, als ich ihr davon erzähle, dass meine Wut am Ende auf Tyler umgeschlagen ist. Sie hört mir zu, bis ich fertig und etwas außer Atem bin, weil ich beinah eine viertel Stunde ohne Punkt und Komma geredet habe.

„Du kannst ihm keinen Vorwurf daraus machen, dass er sich anderweitig umsieht.", meint sie leise und zupft nervös an den Fransen des Sofakissens herum. Das liebe ich so an Liv. Auch wenn sie meine beste Freundin ist, hat sie kein Problem damit mir offen und ehrlich zu sagen, wenn ich falsch oder unangemessen reagiere, auch wenn ich das in diesem Fall leider selbst weiß.

„Ich weiß. Das ist es ja, was mich so fertig macht. Ich habe mich dazu entschieden, dass mit ihm Freundschaftlich zu halten. Das war meine bewusste Entscheidung. Und mir war klar, dass Drew nicht ewig Single bleiben wird. Ich versteh nicht, warum mich das trotzdem so stört."

„Weil du trotzdem Gefühle für ihn hast.", sie hebt die Hand, als ich sie unterbrechen möchte, um ihr mitzuteilen, dass das nicht so ganz stimmt. Ich mag Drew, aber ich habe für ihn nicht die gleichen Gefühle wie Tyler.

„Du hast Gefühle für ihn Eve. Nur weil sie nicht so stark oder vergleichbar sind mit deinen Gefühlen für Ty, heißt das nicht, dass sie nicht da sind. Wenn es danach geht, wird vermutlich nie irgendein Kerl eine Chance bei dir haben. Was du und Tyler hattet, war etwas Besonderes und du hast keine Vorstellung davon, wie gerne ich so etwas mal erleben würde, aber das ist leider die Seltenheit. Du musst nicht mit jedem Typen Seelenverwandt sein, um Gefühle für ihn zu entwickeln. Dafür kennst du Drew auch viel zu kurz. Aber du magst ihn. Ich kenne dich und ich sehe, wie du ihn ansiehst und weißt du, was ich vor allem sehe: Ich sehe, dass du in seiner Gegenwart glücklich bist. Du lachst wieder und das ist etwas Gutes. Hör auf alles zu hinterfragen und dir darüber Gedanken zu machen. Es gibt kein richtig oder falsch."

„Ich glaube leider, dass es dafür zu spät ist. Ich habe es ganz schön verkackt Livie."

„Das kannst du wieder gerade biegen Ich sehe nämlich auch wie Drew dich ansieht und du bist ihm zu wichtig, als dass ein kleiner Streit das kaputt machen kann."

„Der Streit vielleicht nicht, aber die Tatsache, dass ich ihm gesagt habe, dass ich nichts von ihm möchte und dass er vermutlich gestern Nacht Sex mit dem Büchermädchen hatte."

„Sex hat nicht immer etwas zu bedeuten, mach dir da mal keine Gedanken." In ihrer Stimme schwingt ein trauriger Unterton mit und ich sehe, wie über ihr Gesicht ein dunkler Schatten huscht, der so schnell wieder verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Augenblicklich frage mich, ob sie selbst die Erfahrung schon gemacht hat und mir nichts davon erzählt hat. Meine Gedanken wandern zu gestern Abend, als sie zusammen mit Luke in einem Auto hergefahren ist, obwohl Luke in Campus Nähe wohnt und ca. 20 Minuten von Liv entfernt. Da sie aber nicht den Anschein macht, als würde sie darüber reden wollen, dränge ich sie nicht weiter und lasse mir ihre Worte noch einmal genauer durch den Kopf gehen.

„Er will nicht nochmal verletzt werden Liv und ich habe das Gefühl, dass ich nichts anderes mache."

„Weil du selbst erstmal klarkommen muss. Versuche rauszufinden, wie du das mit ihm hinbekommst, ohne von Schuldgefühlen zerfressen zu werden und dann sieh weiter. Drew wird nicht weglaufen, da bin ich mir sicher. Vielleicht sucht er sich etwas Ablenkung bei dem Mädchen, aber ich schätze ihn nicht so ein, dass er Gefühlstechnisch direkt von der einen zur nächsten geht.", meint sie und wirft ihr leere Trinkpäckchen in den Mülleimer, der in der Ecke steht, bevor sie aufsteht und mich ebenfalls auf meine Füße zieht, bevor ich mir selbst noch eingestehe, dass das genau meine Sorge ist. Dass ich es so sehr verkackt habe, dass Drew erstmal nur etwas Lockeres mit Chloe anfängt und sich dann trotzdem in sie verliebt. Auch wenn ich eigentlich kein Recht habe m ich darüber aufzuregen, weil ich ihm ja selbst gesagt habe, dass ich mich nicht in ihn verlieben kann. Auch wenn es nicht so endgültig gemeint war, wie es geklungen hat.

„Komm, wir wecken die beiden Schlafmützen auf und dann machen wir einen Freundschaftstag, mit allem Drum und Dran.", meint sie lächelnd, bevor sie im inneren ihrer Wohnung verschwindet in die ich ihr nach wenigen Minuten folge.

Entschuldigt bitte dass so lange nichts gekommen ist🙈 bin aktuell leider krank und komme nicht zum Schreiben.

Was haltet ihr von dem Gespräch zwischen den beiden?🙈❤️

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt