23. Everly und Drew

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Drew:

Die nächsten drei Wochen verlaufen ziemlich ereignislos. Everly hat sich zwar auch bei mir entschuldigt, trotzdem ist die Stimmung zwischen uns ziemlich angespannt. Während den Autofahrten zur Uni führen wir meist belanglosen Smalltalk, sprechen aber nie über den Vorfall beim Abendessen. Irgendwie scheinen wir beide dazu noch nicht bereit zu sein und das ist auch in Ordnung. Irgendwann müssen wir darüber reden, aber gerade jetzt, hat das noch Zeit. Hinzu kommt, dass wir uns ansonsten nicht oft sehen, da Everly viel Zeit mit ihren Freunden verbringt und ich mit Football, Uni und dem Versuch mir ein Sozialleben aufzubauen, ziemlich eingespannt bin.

Emily und ich treffen uns weiterhin und irgendwie ist der Kaffee mit ihr in der Mittagspause zu einer Art Tradition geworden. Auch das erste richtige Spiel und somit auch der Februar rücken immer näher und ich bin ziemlich nervös, was aber vermutlich eher damit zusammenhängt, dass übermorgen unser erstes Trainingsspiel stattfindet und uns der Coach immer noch nicht gesagt hat, gegen welches Team wir spielen werden. Keine Ahnung, warum er es uns nicht verraten möchte, aber ich habe ein ungutes Gefühl dabei.

Mein ungutes Gefühl bleibt bestehen, auch als ich mit der Sporttasche über dem Arm die Umkleide betrete und zu meinem Spind gehe. In der Kabine herrscht eine ausgelassene Stimmung. Die anderen Jungs freuen sich auf das Spiel, auch wenn immer noch eine Art schatten über der Mannschaft zu schweben scheint.

„Alles klar bei dir? Du sahst aus, als wärst du gerade ganz woanders.", reißt mich Josh aus meinen Gedanken, in dem er mir einen Arm um die Schulter legt. Im nächsten Moment zieht er ihn weg, als hätte er sich verbrannt und sieht mich zerknirscht an. Ich will ihn gerade darauf ansprechen, als der Coach die Kabine betritt und schlagartig alle Gespräche verstummen. Es ist unfassbar wie viel Respekt alle hier vor Coach Freeman haben und sofort ruhig sind, sobald er den Raum betritt.

„Alle einmal bitte herhören. Wir hätten, wie ihr hoffentlich alle wisst, übermorgen unser erstes Trainingsspiel.", er erntet einige Lacher für seinen Witz. Jeder hier weiß, dass das Spiel übermorgen ist. Er hat uns schließlich die gesamten letzten Wochen im Training genau deswegen gefoltert, damit wir Zitat den Sieg nach Hause holen.

„Wir hätten eigentlich gegen die Seattle Huskies gespielt, was ich euch nicht verraten wollte, damit ihr euch, egal gegen wen ihr spielt, gut drauf vorbereitet und nicht nur damit beschäftigt seid Statistiken zu vergleichen. Allerdings kann das Team nicht anreisen und alle anderen Mannschaften aus unserer Liga haben selbst Trainingsspiele." In der Kabine sind enttäuschte Seufzer zu hören. Kein Wunder. Nach dem harten Training haben wir uns alle auf das Spiel gefreut und es wäre auch wirklich notwendig gewesen, da wir in dieser Konstellation noch nie zusammengespielt haben.

„Ruhe.", tönt die Stimme des Coaches laut durch die Kabine. „Ich habe mich umgehört. Die einzige Mannschaft die Zeit hat ist aus der NCAA Division 3."

„Drei?", fragt Stefan entgeistert. „Das kann nicht ihr Ernst sein Coach. Das Spielen wir doch locker gegen die Wand." Ich versuche nicht darüber nachzudenken, dass ich bis vor kurzem auch ich in der Division 3 unterwegs war.

„Klappe halten Miles.", herrscht er ihn an. „Ich weiß, dass das auf keinen Fall ideal ist, aber es ist nun leider so und ich kann es auch nicht ändern. Wir sollten froh sein, dass sich überhaupt eine Mannschaft gefunden hat. Und ich will, dass ihr ihnen mit dem gleichen Respekt gegenübertretet, wie ihr es bei einem Team aus unserer Liga tun würdet. Unterschätzt sie bloß nicht.", meint er und geht Richtung Tür.

„Coach?", meldet sich Josh nun zu Wort. „Gegen welches Team spielen wir eigentlich?"

„Ihr spielt gegen die Chicago Maroons. Sie kommen morgen Abend an und die Party, die wir für die Huskies ausgerichtet hätten, richten wir jetzt für sie aus. Das Training heute fällt aus, da ich noch einen anderen Termin habe. Allerdings will ich, dass ihr euch zusammensetzt und besprecht, wie ihr gegen dieses Team vorgehen könnt. Drew hat da sicher einige hilfreiche Tipps, es ist schließloch sein altes Team." Und mit diesen Worten dreht er sich herum und verlässt die Kabine, während mich alle anderen ansehen und in mir etwas zusammenbricht. Ich bin nicht bereit meinem alten Team gegenüberzutreten. Ich habe es gerade geschafft Chicago und alles andere hinter mir zulassen und ich bin definitiv nicht bereit, mich mit dem alten Scheiß wieder auseinanderzusetzen. Oder viel mehr mit einer bestimmten Person. Aber es scheint wohl so, als hätte ich im Moment keine andere Wahl.

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt