43. Everly

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Weiter geht es mit dem 2. Teil der Lesenacht❤️ das nächste Kapitel wird etwas trauriger werden, deshalb an dieser Stelle...

...Triggerwarnung: Das Kapitel beschäftigt sich intensiv mit dem Verlust einer geliebten Person, dem damit verbundenen seelischen Schmerz und einer leichten Form der Trauerbewältigung. Es ist für den Inhalt der Geschichte nicht relevant (Man versteht die nächsten Kapitel auch, wenn man das nicht gelesen hat). Nur lesen, wenn man sich emotional dazu in der Lage fühlt.

Ich weiß nicht, wie schlimm es wirklich für die einzelnen Personen ist und vielleicht denkt ihr euch so: So schlimm war es gar nicht, aber ich wollte euch mal vor warnen.

Es ist noch dunkel draußen, als ich mich anziehe, meine Jacke schnappe und auf Zehenspitzen mit einer großen Tasche das Haus verlasse. Vor der Haustür weiß ich für einen kurzen Moment nicht einmal mehr, wo ich hin wollte, weil die Gedanken sich in meinem Kopf überschlagen und immer lauter werden. Ich versuche tief durchzuatmen, ruhige, tiefe Atemzüge, ein und aus. Ich will keine Panikattacke bekommen. Nicht jetzt, nicht hier, um fünf Uhr morgens in unserem Garten. Eigentlich will ich gar nichts anderes außer, dass dieser Tag so schnell wie möglich vorbei geht, obwohl er noch nicht einmal begonnen hat.

Ich lehne mich mit dem Rücken an die Hauswand und schaff es tatsächlich nach einigen Minuten meine Atmung soweit wieder unter Kontrolle zu bekommen, dass mir nicht mehr schwindlig ist und meine Beine nicht mehr so doll zittern, als würden sie mich jeden Moment nicht mehr tragen können.

Ich weiß, dass ich kurz davor bin durchzudrehen und eigentlich sollte mir dieses Gefühl nicht solch eine Angst einjagen, da ich es zu genügend in den letzten Monaten gespürt habe, aber trotzdem haut es mich beinah um. Vielleicht weil ich die letzte Woche, nach dem Spiel tatsächlich etwas abschalten konnte. Natürlich hat mich die Auseinandersetzung mit Drew und die Konfrontation mit Stefan durcheinander gebracht, doch dieser tiefsitzende Schmerz, den ich nur spüre, wenn ich mir aktiv erlaube, ihn zu zulassen, ist ausgeblieben. Vielleicht weil ich mir nicht speziell drüber Gedanken gemacht habe, wie sich Tylers Abwesenheit anfühlt, doch heute spüre ich sie umso mehr.

Diese Leere, die mich von innen heraus zu verschlingen droht und mich nichts sehnlicher wünschen lässt, als dass er hier ist und mich in den Arm nimmt. Doch was fast noch schlimmer ist, ist die Erkenntnis, dass das nicht passieren wird. Ich kann mich noch so sehr danach verzehren, doch es wird nicht passieren. Denn die Zeit in der Tyler jetzt die Haustür geöffnet hätte oder zu mir gefahren wäre, weil ich ihn angerufen hätte, ist vorbei. Und sie kommt auch nicht wieder.

Das zu realisieren ist härter als alles, was ich je habe tun müssen, gerade in solchen Moment, wo ich ihn so sehr vermisse, dass ich das Gefühl habe nicht mehr atmen zu können. Trotzdem versuche ich es. Ein und aus. Ein und aus. Fast kommt es mir so vor, als könnte ich seine Stimme hören, die mir genau das sanft befohlen hat, wenn ich kurz davorstand, wegen anstehenden Prüfungen durchzudrehen.

Es dauert fast zwanzig Minuten, die ich in der Hocke in unserem Garten verbringe, bevor ich mich bereit fühle, wieder aufzustehen. Es ist immer noch dunkel. Kein Wunder. Ich habe um kurz vor sechs das Haus verlassen und die Sonne geht für gewöhnlich erst gegen 6.40 auf. Eine leise Stimme in meinem Inneren weist mich daraufhin, dass es viel zu kalt für die dünne Jacke ist, die ich in meiner Panik geschnappt habe, doch die Kälte in mir drin ist stärker, und sorgt dafür, dass ich die Umgebungstemperatur gar nicht wirklich war nehme.

Ich wusste, dass mich der Tag heute mental fertig machen wird, doch ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm werden wird. Tyler und ich haben den Valentinstag nie besonders romantisch gestaltet. Wir fanden es beide schwachsinnig, dass es nur einen Tag im Jahr geben soll, um einander schöne Gesten zu machen, wenn es noch 364 weitere Tage gibt, die man miteinander verbringt. Außerdem ging uns dieser ganze rosarote Kitsch ziemlich auf den Keks, weshalb wir am 14 Februar immer aus Protest bis Mitternacht wachgeblieben sind, um uns unsere kleinen Geschenke erst am 15 Februar zu überreichen. Nur um zu demonstrieren, dass der 14. Februar genauso ein Tag ist, wie auch jeder andere. Wir haben uns jedes Jahr etwas Kleines gebastelt, auch wenn wir immer gesagt haben, dass wir uns nichts schenken.

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt