52. Drew

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„Drew, hier drüben.", Emilys Stimme übertönt den Lärm, den die schätzungsweise 70 Studenten machen, die sich alle in das kleine Café am Ende des Campus quetschen. Vielleicht war es nicht die beste Idee sich zur Stoßzeit zum Café zu verabreden, aber bei Emily fängt schon bald die Klausurenphase an, weshalb sie in jeder freien Minute lernt und wir unser Kaffee-Treffen in ihre Freistunde gequetscht haben. Als ich zu ihr herüber sehe winkt sie freudig und deutet an, dass sie mir einen Platz freigehalten hat. Hastig quetsche ich mich durch die Menge, wobei mir auffällt, dass mich ein paar Leute komisch anstarren und einige hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Wenn ich es mir recht überlege, geht dass schon seit ein par Tagen so, doch ich habe mir bisher darüber keine Gedanken gemacht

„Hi.", begrüßt mich Emily fröhlich und streicht sich eine blonde Haarsträhne hinter das Ohr, als ich bei ihr ankomme. „Ich hoffe es ist in Ordnung, dass ich schon mal rein gegangen bin, aber ich habe den Ansturm draußen gesehen und wollte uns noch schnell einen Platz sichern, bevor wir uns auch noch an den Tresen quetschen müssen.", meint sie grinsend und deutet mit einem kurzen Nicken auf die Studenten, die wie die Hühner auf der Stange dicht aneinander gedrängt an der Ausgabe stehen und auf ihre Bestellungen warten.

„Das ist super, danke.", lächle ich und bestelle mir bei der Bedienung, die in diesem Moment vorbeikommt, einen Kaffee, während Emily einen Kakao wählt. Die Bedienung weist uns mit einem entschuldigenden Lächeln daraufhin, dass es heute vermutlich etwas dauern kann, bis unsere Getränke kommen, was wir aber auch nicht anders erwartet haben. Als sie im Gewusel verschwunden ist, richtet sich meine Aufmerksamkeit wieder auf Emily und ich merke, wie ich anfange nervös an meinen Hoodie-Bändeln herumzupfe.

Seit sie mich gefragt hat, ob ich mit ihr etwas trinken gehe schwirrt mir nämlich ein ziemlich penetranter Gedanke im Kopf herum, der von einem Haufen an Schuldgefühlen begleitet wird. Schuldgefühle dafür, dass ich sie auf der Party einfach so allein gelassen habe, obwohl wir zusammen hingegangen sind. Das war wirklich unterste Schublade, zumal ich sie sitzen gelassen habe, um mit jemand anderem zu knutschen, auch wenn mir mein Unterbewusstsein mitteilt, dass die Situation nicht ganz so war, wie sie sich in meinen Ohren anhört. Denn wenn mir jemand anderes erzählt hätte, dass er mit einem Mädchen auf eine Party gegangen ist, nur um sie dort sitzen zu lassen, um mit der nächsten zu knutschen, hätte ich ihn garantiert gefragt, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Solche Aktionen haben ein paar meiner früheren Teammitglieder gebracht und ich habe sie jedes Mal dafür verurteilt, doch jetzt bin ich auch nicht wirklich besser.

Emily scheint mein Unbehagen zu bemerken, denn sie runzelt irritiert die Stirn und sieht mich fragend an.

„Ich wollte mich noch für die Party entschuldigen.", murmle ich kleinlaut. Ich bin wirklich nicht gut im Entschuldigen und finde meistens nicht die richtigen Worte, weshlab ich es gerne vermeide überhaupt in Situationen zu geraten, in denen ich mich entschuldigen muss.

„Warum das denn?", ihre Stimme klingt ehrlich verwundert und ich frage mich, ob sie es wirklich nicht so schlimm findet, dass ich sie versetzt habe oder aber ob sie denkt, dass sie sich darüber nicht beschweren dürfte. Was allerdings nicht zu ihr passen würde, denn so wie ich Emily bisher kennen gelernt habe, lässt sie sich definitiv nicht alles gefallen und kann durchaus ihre Meinung sagen, wenn ihr etwas gegen den Strich geht.

„Weil wir zusammen da waren und ich einfach verschwunden bin. Das geht überhaupt nicht und es tut mir ehrlich leid, dass ich dich einfach so sitzen gelassen habe."

Emily grinst, bevor sie sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr streicht und mir antwortet: „Nicht schlimm. Es ist nicht so, als hätte ich den ganzen Abend nur in der Ecke gesessen und nichts tun gehabt. Ich bin durchaus auch auf meine Kosten gekommen", meint sie mit einem zweideutigen Lächeln und mein Gehirn benötigt einen kleinen Moment, um die Information zu verarbeiten.

„Oh.", mache ich wenig intelligent, woraufhin sie lachen muss.

„Schön für dich."

„Ich weiß. Aber jetzt erzähl du erstmal, wie es bei dir so war, denn mein Abend ist definitiv nicht einmal halb so spannend gewesen wie deiner, wenn man das Spiel am nächsten Tag bedenkt." Aufstöhnend lege ich den Kopf auf unserem Tisch ab, denn ich habe keinen blassen Schimmer, wo ich anfangen soll. Die Ereignisse der letzten Tage ziehen in dauerschleife vor meinem geistigen Auge vorbei und hinterlassen nichts als Chaos, denn so sehr ich es auch versuche, dass mit Everly nur freundschaftlich zu halten, so sehr misslingt es mir auch.

„Sind die ganzen Gerüchte war?", fragt sie vorsichtig, woraufhin ich ruckartig meinen Kopf hebe.

„Was für Gerüchte denn?" Über Emilys Gesicht huscht etwas, dass ich mit Schock gleichsetzten würde, bevor sie ihr Handy aus ihrer Tasche holt und Twitter öffnet.

„Ich gehe dann mal davon aus, dass du noch nicht die Gerüchte Seite der Uni gecheckt hast."

„Es gibt eine Gerüchte-Seite?", frage ich irritiert und nehme ihr das Telefon aus der Hand, um ebenfalls einen Blick drauf werfen zu können. Als ich sehe, was dort alles für Spekulationen über das Spiel, Everly, mich und auch Tyler auftauchen wird mir schlecht.

Eins ist fieser als das andere. Einige handeln davon, dass ich als neues Team-Mitglied absolut ungeeignet bin, wenn sogar meine eigene Mannschaft den Wunsch verspürt mich zu verprügeln andere davon, dass ich ein Arschloch bin, weil ich angeblich eine noch verheiratete Frau flachgelegt habe, was überhaupt nicht stimmt und manche richten sich speziell an Everly. Als ich diese Tweets überfliege verspüre ich den dringenden Wunsch die Person, die sie öffentlich als Hure bezeichnet, weil sie viel zu schnell nach dem Tod ihres Mannes mit jemand anderem geschlafen hat, aufzusuchen und ihr eine reinzuhauen.

Oh Gott. Sie kann das noch nicht gelesen haben, sonst wäre sie gestern nicht so unbeschwert gewesen und ich bete, dass sie heute in der Uni nicht auf ihr Handy schaut und das mitbekommt.

„Das ist übel.", flüstere ich geschockt und schiebe Emily ihr Handy wieder zu, weil ich überhaupt nicht weiterlesen möchte, was die anderen Menschen dazu zu sagen haben. Doch mein Blick bleibt an einem Post von einem Mädchen hängen, die von mir ein Bild repostet hat, auf dem ich Oberkörperfrei auf dem Trainingsfeld stehe. Das Bild ist von unserer alten Homepage und drunter stehen Spekulationen, wie gut ich wohl im Bett bin und ob ich mit ihr schlafen würde, wenn sie sich ihre Haare so braun färbt, wie die von Everly. Mir wird erneut Übel und ich spüre, wie ein kalter Schauer meinen Rücken hinunterläuft.

„Ich dachte, du hättest es gelesen.", flüstert sie entschuldigend, woraufhin ich den Kopf schüttle.

„Ich bin nicht auf Twitter und hab das ganze Wochenende... zu tun gehabt." Emily nickt und sieht mich abwartend an. Ich rechne es ihr sehr hoch an, dass sie mich nicht drängt, ihr zu erzählen, was passiert ist und doch verspüre ich den Drang mich zu erklären.

Hi, da bin ich wieder🙈
Mein Vorrat an Kapiteln ist langsam aufgebraucht aber ab Mittwoch sollte ich wieder zum schreiben kommen🥰

Euch einen schönen Abend❤️ und viel spaß beim Lesen 🥰

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt