7.Drew

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„Oh mein Gott, das war so krass gerade.", meine kleine Schwester platzt so überrascht in mein Zimmer, dass ich vor Schreck zusammenzucke und beinah meinen Laptop von meinem Schoß werfe.

„Sag mal spinnst du. Hast du noch nie was von anklopfen gehört?", fauche ich sie an, was sie gekonnt überhört und sich einfach auf meine Matratze fallen lässt. Meine Schwester ist echt ein Phänomen für sich. Während sie bei anderen anfangs immer extrem schüchtern ist, habe ich bei uns hier zu Hause im Vergleich zu hier fast gar nichts zu melden. Und dabei bin ich vier Jahre älter als sie. Doch das scheint sie meistens null zu interessieren.

„Was war denn so krass?", frage ich sie belustigt, da bei ihr krass auch einfach nur heißen kann, dass es eine ihr unbekannte Benn and Jerrys Eis Sorte im Kühlregal gibt.

„Ich war doch gerade mit unserer neuen Nachbarin einkaufen."

„Aha"

„Und..." meine Schwester legt eine dramatische Kunstpause ein, um anscheinend Spannung aufzubauen, was aber eher dazu führt, dass ich zunehmend genervt von ihr und ihrem unangekündigten Besuch bin .

„Und?"

„Und da war so eine Frau bei ihr. Die beiden haben sich fast zehn Minuten unterhalten und..."

„Wow Lilly. Sensation. Ruf die Presse an, zwei Leute haben sich unterhalten.", ziehe ich sie grinsend auf, während ich mir mein Laptop wieder angle.

„Lass mich doch mal ausreden.", faucht sie mich an, was mich leider nur noch mehr zum Lachen bringt.

„Also auf jeden Fall haben sie sich ewig lang unterhalten und am Ende haben beide geweint. Und Everly hat den ganzen Nachhauseweg kaum etwas mit mir gesprochen und war total einsilbig. Das Gespräch scheint sie ganz schön mitgenommen zu haben. Findest du das nicht komisch? Und dann sieht sie sowieso die ganze Zeit so traurig aus und gestern wollte sie doch zum Friedhof und..."

„Lilly Maria Morgan" unterbreche ich den Wortschwall meiner Schwester energisch.

„Sie ist unsere Nachbarin und keins deiner Forschungsprojekte. Hör sofort auf damit. Du kannst dich nicht dauernd in Dinge einmischen, die dich absolut nichts angehen." Meine Schwester reagiert mit einem breiten Grinsen auf meinen Ausbruch, was mich stutzig macht.

„Was?", hacke ich argwöhnisch nach.

„Du verteidigst sie.", stellt meine Schwester grinsend fest. Im ersten Moment möchte ich ihr widersprechen, aber leider hat sie in irgendeiner Weise Recht. Ich verteidige Everly wirklich, eine Tatsache, die mir ziemlich gegen den Strich geht.

Warum kann es mir nicht einfach egal sein, wenn meine Schwester ihre Neugierde mal wieder nicht unter Kontrolle hat?

„Ich verteidige sie überhaupt nicht. Ich finde einfach nur, dass du dich nicht in das Leben anderer Leute einmischen solltest.", meine Schwester wirft mir den typischen ist-das-dein-ernst-Blick zu, bevor sie aufsteht und sich an mein Fenster stellt von dem man wunderbar Everly aus beobachten kann. Nicht, dass ich so etwas tun würde.

Nein überhaupt nicht, raunt mir meine innere Stimme höhnisch zu. Na super. Schön, dass du auch wieder da bist. Ich habe dich wirklich vermisst...nicht.

Lilly schiebt den Vorhang beiseite und wirft einen Blick durch das Fenster, bevor sie sich mit einem noch breiteren Grinsen zu mir umdreht. Langsam müssten ihre Kiefermuskeln doch wehtun.

„Was ist jetzt schon wieder?", allmählich geht sie mir auf die Nerven und ich bin wirklich kurz davor, sie einfach rauszuschmeißen, schließlich ist das ja mein Zimmer.

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt