74. Everly

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Drew und ich verbringen den gesamten Nachmittag beim Hollywood Sign, weil wir beide den Moment zu sehr genießen, um jetzt schon aus unserer kleinen Blase aufzutauchen, weshalb wir uns erst wieder auf den Rückweg machen, als es bereits zu dämmern anfängt.

„Meine Eltern sind mit meiner Schwester heute Morgen nach Chicago gefahren, um meine Großeltern zu besuchen. Wenn du möchtest, kannst du gerne noch mit zu mir kommen. Also du musst natürlich nicht, aber ich dachte..." Es ist unfassbar süß wie Drew verlegen nach Worten ringt und anscheinend auch nicht so ganz weiß, wie wir jetzt miteinander umgehen sollen. Richtig zusammen sind wir nicht, aber wir sind auch nicht mehr das, was wir heute Morgen noch waren. Ich denke, dass wir Beide Zeit brauchen werden, um uns an all das zu gewöhnen. Auch wenn ich Angst habe, dass es mir schwerer fallen wird als ihm. Allein ihm vorhin das alles anzuvertrauen, hat mich einiges an Überwindung gekostet und ich bin so verdammt froh, dass Drew auf alles so verständnisvoll reagiert hat. Jeder andere Typ hätte mich schon längst in den Wind geschossen.

„Ich würde sehr gerne mitkommen. Wir könnten ja noch schnell einkaufen fahren und etwas kochen.", schlage ich vor, woraufhin Drew freudig nickt und wir gemeinsam zu unseren Autos zurück gehen. Weil wir beide getrennt voneinander hergefahren sind und keiner von uns Lust hat morgen nochmal herzukommen, um das andere Auto zu holen, einigen wir uns darauf, uns beim Supermarkt zutreffen, den ich zehn Minuten vor Drew erreiche. Zum einen, weil ich jede Abkürzung kenne, die es in Santa Monica gibt und zum anderen, weil ich mir sicher bin, dass sich Drew auf dem Weg hier her trotz Navi dreimal verfahren hat. Ich kenne wirklich niemanden, der so starke Orientierungsprobleme hat, wie er, was ich aber zugegebenermaßen ziemlich süß finde.

Während ich auf ihn warte, checke ich mein Handy auf Nachrichten und antworte Liv schnell, die mich gefragt hat, ob alles in Ordnung ist. Kurz schweifen meine Gedanken zu Chloe und ich frage mich, was Drew ihr wohl sagen wird. Ich gehe davon aus, dass die beiden auch über mich gesprochen haben, und ich freue mich für ihn, dass er in ihr so eine gute Freundin gefunden zu haben scheint, auch wenn ich gegen den kleinen Eifersuchtsstich, der mich jedes Mal durchfährt, wenn ich an die beiden denke, nichts tun kann. Ich versuche so gut es geht auszublenden, dass die beiden vermutlich jeden verdammten Tag, seitdem ich es versaut habe, Sex hatten, weil ich kein Recht dazu habe mir darüber eine Meinung zu bilden. Und trotzdem vergleiche ich mich mit ihr, was absolut bescheuert ist.

„Fängst du jetzt schon an, an uns zu zweifeln?" Ich fahre mit einem Aufschrei herum und blicke geradezu in Drews grinsendes Gesicht, dem es sichtlich Spaß zu machen scheint, dass er mich fast zu Tode erschreckt hat.

„Entschuldige, ich wollte dich nicht so doll erschrecken, aber du hast so versunken gewirkt und da konnte ich nicht widerstehen."

„Alles gut. Ich war nur in Gedanken. Wollen wir rein gehen?"

„Kein Kommentar zu meiner Verspätung? Oder den möglichen Gründen dafür."

„Heb ich mir für später auf.", antworte ich lachend und schnappe mir einen Einkaufswagen, bevor ich ihn ins innere von Traider Joes ziehe und die Gemüseabteilung ansteuere.

„Hast du eigentlich einen Plan, was wir brauchen oder überhaupt kochen wollen? Weil ich kann Tiefkühlpizza auftauen und selbst das geht manchmal schief.", meint Drew und fährt sich verlegen mit einer Hand durch die Haare.

„Was hältst du von Quesadillas? Die gehen schnell und sind lecker."

„Werde ich sterben, wenn ich sie esse, oder überleben auch normale Leute deinen Schärfegrad?"

„Luke würde drauf gehen, aber du solltest sicher sein.", antworte ich grinsend und fange an Tomaten, Zwiebeln, zwei kleine Chillies die von Drew kritisch beäugt werden und Avocados in den Einkaufswagen zu packen. Sein prüfender Blick bringt mich unweigerlich zum Kichern. Herr Gott, Luke scheint ihn ja ganz schön traumatisiert zu haben.

Two broken Souls - Finding Happiness AgainWo Geschichten leben. Entdecke jetzt