Gideon: Ich weiß ja, dass ich zwei Monate im Koma lag, aber heute ist mein 22. Geburtstag? Wow, damit habe ich so gar nicht gerechnet, aber war ja eigentlich klar, das mein kleiner Bruder so eine Bombe zwischen Tür und Angel beim gehen platzen lässt.
Eigentlich hätte ich mich schon auf etwas vorbereiten können, ich hätte es wissen müssen, doch soweit habe ich einfach nicht gedacht. Viel zu überwältigend waren einfach die ganzen Informationen und den Schmerz der 4 zu sehen.
Plötzlich greift sich Gwenny Richtung Bauch und ich dachte schon, sie hätte irgendwelche Schmerzen, doch eigentlich holt sie nur gerade ihr Handy aus ihrer Hosentasche. Sie nimmt den Anruf auch gleich an und ich vernehme am anderen Ende der Leitung eine aufgebrachte Stimme, kann aber leider nicht verstehen um wen es sich handelt und was diese Person sagt.
Gwen allerdings muss lächeln, wartet geduldig, dann sagt sie schmunzelnd: "Soll ich auch mal antworten oder willst du mich weiter mit Fragen bombardieren? Ja, er ist aufgewacht. Du kannst gerne selbst mit ihm reden, warte ich stell dich auf laut." Sie tippt auf ihrem Handy, dann gibt sie mir ein Zeichen und ich begrüße die unbekannte Person zurückhaltend. Ich höre ein aufgeregtes Einatmen, was das Fass bei meiner Freundin zum überlaufen bringt und sie einfach lauthals losprustet.
Bei ihrer Lache muss ich schmunzeln, so gefällt sie mir viel besser als mit ihrem traurigen, schmerzversetzen Gesicht.
Nachdem sie sich einigermaßen beruhigt hat, höre ich eine bekannte Stimme die frägt: "Was ist daran so witzig?"
"Nichts", antwortet meine Freundin nach Luft ringend: "Ich kann es einfach immer noch nicht glauben, dass er endlich wieder wach ist. Deine Reaktion gerade hat mich an meine eigene erinnert und so aufgebracht wie du warst, konnte ich einfach nicht mehr. Es tut mir leid!"
Ich vernehme ein schmunzeln seitens Telefon und Charlotte wendet sich nun an mich: "Wie geht es dir?"
"Mir geht es soweit ganz gut. Aber sag mal, seit wann versteht ihr euch so gut? Heb ihr euch nicht gegenseitig gehasst?" Gwens Lächelnd verschwindet und ich bereue es sofort, sie danach gefragt zu haben.
"Sie hat mir damals zur Flucht vor der Loge geholfen, als sie dich das erste Mal geschnappt hatten. Zusammen haben wir einen Plan entworfen und ohne ihre Hilfe hätte ich dich niemals retten können, bei keiner der beiden Entführungen", klärt sie mich auf: "Sie war auch der Grund, wieso ich nicht ganz nach deiner Beerdigung zusammen gebrochen bin."
"Auch wenn ich dich nicht von den Klippen fernhalten konnte", vernehme ich das flüstern meiner Ex und sehe überrascht Gwenny an.
"Danke Charlotte", bedankt sie sich jedoch leicht genervt und wollte das anscheinend nicht zur Sprache bringen, doch dann rückt sie mit der Wahrheit raus: "Ich war damals ziemlich fertig .Nachdem ich erfahren habe, dass ich unsterblich bin und ohne dich legen muss, ist für mich meine Welt zusammengebrochen. Immer wieder habe ich den Satz gehört, dass ich nur sterben kann, wenn ich mich selbst in den Tod wegen Liebeskummer stürze."
Charlotte: "Ich war so verletzt und traurig, dass ich von einer Klippe springen wollte, doch stattdessen bin ich bei meinen Eltern in der Vergangenheit gelandet. Sie waren ebenfalls ausschlaggebend, damit wir dich retten konnten", erzählt sie die Geschichte. Nur wieso? Das wissen wir doch eigentlich alle. Was ist hier los?
"Was ist hier los?", möchte ich auch sogleich wissen, nachdem sie fertig erzählt hat. Ich merke, dass Gwenny nicht antworten kann und mache mir echt Sorgen, was anscheinend auch berechtigt ist.
Gideon übernimmt das: "Wie es aussieht hat meine Kopfverletzung und die OP dazu geführt, dass ich die letzten 3 Jahre vergessen habe. Meine Chancen stehen aber gut, dass sie vollständig wieder zurückkehren." Er versucht wahrscheinlich auch meine Cousine damit zu beruhigen und sie tut mir einfach unendlich leid.
"Wieso bekommst du eigentlich auch die ganzen Informationen? Die werden doch normalerweise nur angehörigen gesagt?", fragt Gideon sie nun und da frage ich mich auch, was er sich dabei denkt.
"Du hast hier deine Assistenzarztstelle, deshalb kennen sie dich und da du anscheinend auch öfter über mich geredet hast, vertrauen sie mir und haben mir auch Informationen gegeben", antwortet sie erstaunlicherweise und in ihrer Stimme hört man sogar, dass sie ein Lächeln auf den Lippen hat.
Aber da ist er doch gerade erst mit Gwen zusammen gekommen. Hat er etwa ihre gemeinsame Zeit vergessen? Erinnert er sich dann auch nicht mehr an die kleine Lydia? Oh man, wie schrecklich! Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es meiner Cousine dabei geht, deswegen unterdrücke ich die Fragen.
"Weißt du schon, wann du entlassen wirst?", frage ich stattdessen.
"Übermorgen, wenn alles gut geht", antwortet er mir und ich höre ebenfalls die Erleichterung in seiner Stimme: "Wie geht es dir eigentlich?"
"Oh, mir geht es gut. Kümmere dich lieber um deine Gesundheit. Wir sind alle so froh, dass du aufgewacht bist. Apropos, alles Gute zum Geburtstag", plappere ich drauf los.
Ich höre es wieder schmunzeln auf der anderen Seite des Telefons und er antwortet mir: "Ja, ich bin auch froh, wieder wach zu sein. Danke für die Glückwünsche, aber vor allem, dass du für Gwen da warst." Überrascht erwidere ich nur ein gerne, denn dass er sich dafür bedankt, damit habe ich gar nicht gerechnet.
Wir reden noch eine Weile und ich frage mich, wie viel die anderen ihm schon erzählt haben. Ich vernehme die Laute meiner Nichte im Hintergrund und sehe sei vor mir. Sie ist einfach nur süß und hat mein Herz im Sturm erobert.
Damit Gwenny auch wieder am Gespräch teilnimmt, frage ich sie: "Wie war es bei deinen Eltern, Gwen? Wart ihr wieder im Park?"
"Ja, es war perfektes Wetter und so bin ich auch wieder an der frischen Luft gewesen. Es war ein schöner Sommertag und wir haben uns viel unterhalten", antwortet sie mir und stellt ebenfalls eine Frage: "Wie war dein Tag so?"
"Bei mir war nichts Ereignisreiches. Ich wollte eigentlich vorbei kommen, doch ich habe die Nachricht von Raphael bekommen und wollte euch erstmal Zeit lassen. Wieso hast du mich eigentlich nicht angerufen?"
Gwendolyn: Ich höre, wie sie mich gespielt empört daraufhin weißt, dass ich sie nicht angerufen habe und entschuldige mich grinsend: "Ich war nicht klar bei Verstand, tut mir leid. Umso dankbarer bin ich Raph, dass er das übernommen hat."
So unterhalten wir drei uns noch eine Weile, singen dann auch noch Happy Birthday zusammen, was ich mich Lydia einstudiert habe und legen dann schließlich wieder auf, da es schon ziemlich spät geworden ist. Unsere Tochter ist dann schließlich ebenfalls in ihrem Kinderwagen eingeschlafen und auch wir beide werden langsam müde.
"Warst du die ganze Zeit hier, als ich...?", lässt er mit Absicht die Frage offen.
Ich nicke und erkläre ihm: "Ja, ich war die meiste Zeit hier, deshalb auch noch das extra Bett. Ich habe eigentlich nur zum elapsieren, essen, spazieren gehen und zu Hause duschen dein Zimmer verlassen. Trotzdem bin ich meistens an deiner Bettkante eingeschlafen und von deinem Bruder dann aufgeweckt worden, wenn er dich besucht hat und Lydia während meines Zeitsprungs übernommen hat."
Ich merke, wie er sich immer mehr in seine Gedanken vertieft und überlege, woran er vielleicht gerade denkt.
"Ist es okay, wenn ich weiter hier schlafe oder möchtest du alleine sein?", frage ich ihn dann vorsichtig und mit Angst vor seiner Antwort.
"Ich würde mich freuen, wenn du hier schläfst. Zwar habe ich unsere gemeinsamen Jahre vergessen, aber bei dir fühle ich mich einfach wohl und möchte dich in meiner Nähe haben."
Überrascht über seine Antwort sehe ich ihn an und am liebsten würde ich ihn küssen, doch ich halte mich zurück und liege sowieso schon in meinem Bett.
Ich merke, wie sein Blick auf unsere schlafende Tochter fällt und wie liebevoll er sie ansieht und schwärme: "Ich freue mich schon, wenn du entlassen wirst. Wieder in unserem Bett zu schlafen, in unserer Wohnung und einfach Zeit zu Hause als Familie zu verbringen."
Verwundert sieht er mich an und ich erkläre: "Wir haben, als ich damals schwanger geworden bin, eine Wohnung gekauft. Seitdem du hier lagst und ich dann auch entlassen worden bin, war ich nur zum Duschen zu Hause." Von der Wohnung hatte ich ihm ja noch gar noch nichts erzählt, dass hatte ich total vergessen.
Gemeinsam reden wir noch eine Weile und irgendwann sind wir dann eingeschlafen. Eine wirklich ruhige Nacht ist das trotzdem nicht, denn es tut mir einfach in der Seele weh, wenn ich nur daran denke, dass er unsere ganze gemeinsame Zeit vergessen hat. Ich weiß auch nicht, was ich dagegen machen soll und mir wird immer mehr bewusst, dass ich ihm einfach Zeit lassen muss und es langsam angehen sollte.
Nur wie soll ich das, wenn ich immer noch unsere starken Gefühle füreinander spüre und auch noch alle Erinnerungen habe, ihn aber nicht so behandeln kann, mich zurücknehmen muss?
Trotzdem bin ich unendlich froh, dass er endlich wach ist und ich wieder seine Stimme hören kann, ich habe das alles so vermisst. Ich habe ihn vermisst! Es normalisiert sich alles langsam wieder und dafür bin ich mehr als dankbar, er ist sogar wie sonst auch immer vor mir aufgewacht.
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Rosenquarzrosa
FanfictionWird überarbeitet Das ist meine eigene Fortsetzung von der Edelsteintrilogie, so wie ich es mir nach den Filmen vorstelle. Die Figuren sind also größtenteils von Kerstin Gier aus den Büchern und Filmen. Ich hoffe sie gefällt euch und ihr könnt mir j...
