Leslie: Ich mache mir echt Sorgen um meine Freundin, mit einem Mal ist ihr alle Farbe aus dem Gesicht gefallen. Woran sie wohl gerade denkt? Sie beeilt sich in das Badezimmer zu kommen und ich gehe ihr sofort hinterher, auch ohne die Bitte von Gideon. "Gwenny, was ist denn los?", frage ich sie, während ich ihre Haare zurücknehme. Sie lehnt nämlich gerade über der Kloschüssel und übergibt sich. Als sie ihren Magen geleert hat, lässt sie sich erschöpft neben die Toilette fallen. "Mir geht es gut", sagt sie abwehrend. "Das glaube ich dir nicht. Ich habe es akzeptiert, als du diese Ausrede mit deinem Zustand gemacht hast, aber jetzt nicht mehr. Du hast dich gerade übergeben, dir kann es nicht gut gehen!", antworte ich ihr. "Was soll ich denn sagen, Les? Nein, mir geht es nicht gut, mir geht es beschissen! Ich sitze für immer im Rollstuhl, mein Freund hat unsere gemeinsame Zeit vergessen, ich bin wieder schwanger und muss mich dazu noch um unsere Tochter kümmern! Ich kann nicht einfach zusammenbrechen, ich muss mich zusammenreißen", schreit sie schon fast. "Dann lass mich dir doch helfen und rede endlich mit mir. Wir haben uns versprochen, keine Geheimnisse voreinander zu haben!", versuche ich ihr zu erklären. "Ich möchte dich damit einfach nicht belasten, außerdem kannst du mir nicht helfen", gibt sie schluchzend zu und ich umarme sie kräftig. "Les, ich kann das nicht", schluchzt sie weiter. "Was denn? Was war denn gerade los?", frage ich vorsichtig nach, als sie sich ein wenig beruhigt hat. "Einfach alles nochmal sehen. Verstehst du denn nicht? Er erinnert sich an Sachen, wenn er an den Orten wieder ist. Die Schule ist ja noch okay, aber wir waren auch oft...", das Ende lässt sie offen, da ihre Stimme bricht und sie wieder zu weinen beginnt. Ich begreife aber auch so, was sie meint und verstehe es jetzt auch. Sie müssen zurück nach Temple, wenn er sich vollständig erinnern soll und dann kommen auch bei ihr die ganzen Ereignisse wieder hoch. "Vielleicht erinnert er sich ja auch einfach so wieder daran und selbst wenn nicht. Er wird sich dort ja dann wieder erinnern und dann musst du das nicht alleine durchstehen", versuche ich sie aufzubauen. "Das ist doch nur eine Theorie! Was ist, wenn er sich trotzdem nicht daran erinnert?", zweifelt sie verständlicherweise immer noch. "Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben, er wird sich wieder erinnern können", rede ich ihr aufmunternd zu. "Ich kann das nicht, nicht nochmal", schluchzt sie immer wieder, scheint aber über meine Worte nachzudenken. "Du schaffst das, gemeinsam schafft ihr das. Ihr habt immer alles zusammen geschafft und das werdet ihr auch noch bewältigen, dann könnt ihr in Ruhe zusammen alt werden." "Ja, wenn er mich überhaupt noch wirklich möchte", erzählt sie zwischen zwei Weinkrämpfen: "Ich will nicht, dass er nur aus Vorwürfen und Mitleid mit mir zusammen bleibt. Wenn er sich an alles erinnert und merkt, dass ich zu alldem nicht mehr möglich bin und er sich nun auch um mich Sorgen muss."
Gwendolyn: "Ich möchte ihm kein Klotz am Bein sein, mein Wunsch ist es, dass er glücklich wird und ich kann verstehen, dass er es mit mir nicht mehr kann!" , weine ich ihr vor. Mir tut das gerade einfach nur gut, dass mir jemand zuhört und ich wirklich ehrlich zu ihr sein kann. Bei ihr kann ich einfach ehrlich sein und trotzdem tut sie mir auch leid, immerhin bekommt sie meinen ganzen Frust ab. "Hör auf, so zu denken, bitte. Er liebt dich, egal wie du aussiehst oder ob du laufen kannst. Ihm ist deutlich die starke Liebe die er für dich empfindet anzusehen, auch wenn er sich nicht daran erinnern kann und das wird sich auch nie ändern. Du bist das beste, was ihm passiert ist und er weiß das auch, außerdem würde er nie nur aus Schuldgefühle oder Mitleid mit dir zusammenbleiben", redet sie auf mich ein: "Du hast doch immer noch deine alten Werte, du hast dich nicht verändert! Gwenny, wir lieben dich alle, egal was mit dir ist und würden dich für nichts auf der Welt eintauschen!" Ich weiß ja, dass sie Rech hat, aber es fühlt sich einfach nicht so an. Natürlich bin ich noch ich selbst, aber ich bin auch mehr auf andere Personen angewiesen und ich habe jetzt erst wirklich Zeit um das alles zu realisieren. "Ich habe einfach Angst", gebe ich kleinlaut zu. Nach außen wirke ich stark, aber ich fühle mich innerlich wie ein Frack, dass jeden Moment einfach zusammenbricht und nicht mehr kann. Mich überfordert das einfach alles, trotzdem möchte ich für meine Mitmenschen stark wirken und zwinge mich, nach draußen einen starken Menschen vorzuspielen. Nach einer unendlich erleichternden Zeit verlassen wir zusammen das Badezimmer, bleiben aber noch etwas versteckt und betrachten das Bild, das sich uns bietet. Unsere beiden Freunde spielen mit unserer kleinen Tochter und unterhalten sich, aber die drei wirken so süß zusammen, dass ich sofort mein Handy aus meiner Tasche hole. Leslie hatte wohl den gleichen Gedanken und war schneller als ich: "Wir schicken uns gegenseitig die Bilder, in Ordnung?" "Natürlich", antwortet diese auch sofort und so begeben wir uns wieder zu unseren Männern. "Geht es dir gut?", möchten beide gleich besorgt von mir wissen, als sie uns erblicken. "Mir geht es gut", lüge ich. "Du sahst so geschockt aus, als ob dir etwas klar geworden ist. An was hast du gedacht?", lässt es Gideon jedoch nicht ruhen. "Ist nicht so wichtig", möchte ich ausweichen und antworte dann seufzend auf die wartenden Blicke hin: "Naja, wenn du dich an Sachen nur vor Ort erinnerst, heißt das, dass wir..." "Auch in die Loge müsst, da ihr oft dort wart", beendet meine beste Freundin den Satz für mich, da bei mir die Stimme versagt hat. Ich bin ihr auch sehr dankbar dafür, denn wirklich sagen hätte ich das nicht können. Auf mir spüre ich die überraschten, aber erleuchtenden Blicke der Jungs und ich wechsle das Thema: "Wie wäre es, wenn wir dann auch mal wieder ins Black Swan gehen?"
Gideon: Mist, daran habe ich ja gar nicht gedacht und man kann es Gwendolyn förmlich ansehen, wie übel ihr bei diesem Gedanken wird. Ich kann sie gut verstehen, immerhin war es keine schöne Zeit dort und jetzt muss sie wieder da hin, während auch in ihr Erinnerungen wach werden. Erst jetzt fällt mir auf, dass wir seit dieser Entführung nichts mehr von der Loge gehört haben oder die andern mir einfach nichts davon erzählt haben. "Wie ging es eigentlich mit der Loge weiter, nachdem ihr mich befreit habt?", frage ich deshalb vorsichtig in die Runde. "Ich weiß es nicht", antwortet Gwenny ehrlich: "Ich habe seitdem nichts mehr von ihnen gehört, ich war aber auch selten draußen." "Also ich habe mal Falk gesehen, aber er hatte nur einen finsteren Blick drauf und ich habe bemerkt, dass in den letzten Tagen niemand das Gebäude betreten oder verlassen hat", klärt uns Raphael auf. "Vielleicht haben sie sich ja wieder aufgelöst", höre ich die Hoffnung in der Stimme meiner Freundin. Ich nicke ihr aufmunternd zu und komme auf ihre Frage zurück: "Wir können uns ja mit Charlotte im Black Swan treffen und dann bereden wir alles weitere." "Ja, das ist eine gute Idee, so schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe", bestätigt auch mein Bruder und so ist es ausgemacht, uns morgen dort zu treffen. Hoffentlich hat Charlotte auch Zeit, denn sie hat immer die besten Ideen und Pläne. Schnell schreiben wir ihr eine Nachricht und kurz darauf kommt die Bestätigung, dass sie Zeit habe und sich freue. "Wollen wir ein bisschen spazieren gehen? Der Tag ist noch lang, es ist schönes Wetter und frische Luft würde uns allen gut tun", schlage ich nach einer unangenehmen Stille. "Ja, das können wir gerne machen. Gehen wir in den Hydepark?", möchte Gwen wissen, jeder stimmt zu und wir machen uns auf den Weg. Ich habe so den leisen Verdacht, dass meine Freundin dort mit Absicht hinwollte und meine Vermutung bewahrheitete sich, als mir ein paar Erinnerungen hochkommen. Diesmal sind es gleich zwei Erinnerungen, doch ich kann nicht einordnen, ob gute oder schlechte. Der erste Film handelt davon, wie wir nach dem Besuch beim Grafen in eine Falle gelockt worden sind und ich gegen die Florentinische Allianz gekämpft habe. Wie ich schließlich von Gwenny gerettet worden bin, sie mich als Kotzbrocken beschimpft und ein Handy mit geschmuggelt hat, womit wir Mr. George angerufen haben. Im zweiten Film erinnere ich mich daran, wie wir heimlich zu Lucy und Paul gereist sind, da uns ihre Prophezeiung beunruhigt hat und die beiden meinten, sie sei in Gefahr und ihr Leben steht auf dem Spiel. Erst jetzt wird mir bewusst, dass Lucy damals wahrscheinlich schon sagen wollte, dass sie ihre leiblichen Eltern sind, aber von Paul unterbrochen worden ist und lieber damit rausgerückt haben, dass sie in großer Gefahr ist. "Das hast du mit Absicht gemacht, oder?", frage ich Gwenny grinsend. "Vielleicht", antwortet sie ebenfalls lächelnd: "Hat es denn funktionier?" "Ja hat es und diesmal sind mir gleich zwei Erinnerungen wiedergekommen", kläre ich sie auf.
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Rosenquarzrosa
FanfictionWird überarbeitet Das ist meine eigene Fortsetzung von der Edelsteintrilogie, so wie ich es mir nach den Filmen vorstelle. Die Figuren sind also größtenteils von Kerstin Gier aus den Büchern und Filmen. Ich hoffe sie gefällt euch und ihr könnt mir j...
