27 | failured adventure

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JULIA

Sobald ich endlich nach dieser langen Nacht vor meinem Apartment ankam, war ich mehr als erleichtert. Schnell kramte ich in meiner kleinen Umhängetasche nach dem Schlüssel. Doch der Schlüssel war nicht da.

Panik überkam mich, also schüttete ich den gesamten Inhalt auf den Boden. Hastig beugte ich mich dann nach unten und kramte verzweifelt durch die ganzen anderen Dinge, die sich dort versteckten.

»Nein, nein, nein«, flüsterte ich aufgebracht, als der Schlüssel wirklich nirgends zu sehen war. Ich legte mir überfordert die Hand auf die Stirn. Ich musste ihn zu Hause vergessen haben ... Verdammt!

Dazu kam natürlich noch, dass meine Mom nicht zu Hause war. Sie verbrachte die Nacht bei ihrem Date. Um Gottes Willen, was hätte ich jetzt tun sollen? Schnell klaubte ich mir mein Handy vom Boden.

Akku leer.

Das kann einfach nicht wahr sein.

Ein frustrierter Laut verließ meine Lungen. Am liebsten wollte ich wie ein kleines Kind auf dem Boden trampeln und einen Tobsuchtsanfall über mich ergehen lassen, jedoch schüttelte ich dieses Bedürfnis rasch ab und entschied mich lieber dafür, aufzugeben. Ich hatte keine Kraft mehr um rumzutoben. Geschöpft rutschte ich mit dem Rücken an der Tür runter, bis ich auf dem Boden saß. Meine Knie umklammerte ich mit einen Armen.

Ich wusste, etwas würde schief gehen. Ich hätte einfach zu Hause bleiben und nicht auf Samuel hören sollen ...

Was hätte ich jetzt noch tun können? Ohne geladenes Handy konnte ich niemanden erreichen und nach Hilfe fragen. Der Gedanke, um diese Uhrzeit alleine noch zu Tamara oder Sean zu gehen, jagte mir einen Schauer über meine Wirbelsäule. Ich wohnte zwar nicht auf der South Side, der gefährlichste Stadtteil von unserer Kleinstadt, sondern auf der North Side, jedoch änderte das nichts daran, dass ich trotzdem Angst nachts auf den Straßen hatte.

Als ich bemerkte, wie sich der Fahrstuhl öffnete, schreckte ich zusammen.

Ich kniff die Augen zu, sobald ich ihn aus dem Aufzug aussteigen sah. Er bemerkte mich erst gar nicht, da sein Blick auf den Briefumschlägen in seinen Händen haftete. Leider hielt das nicht an und er entdeckte mich trotzdem. »Wenn das nicht mal wieder Juliana Knight ist«, provozierte er mich. Trotzdem lag ein arrogantes Lächeln auf seinen Lippen.

Sarkastisch lachte ich und war kurz davor ihm eiskalt den Mittelfinger zu zeigen. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, wie schlimm ich aussah. Auch ohne Alkohol intus.

»Warum sitzt du hier so einsam auf dem Boden?« Er steckte die vielen Briefumschläge in die Innenseite seiner Lederjacke. Wer trug 2019 überhaupt noch Lederjacken? Ich verstand nicht viel von Mode, aber ein arroganter Charakter gepaart mit einer Lederjacke und Tattoos? Wie klischeehaft war das bitte?

Ich schnaubte erschöpft. Hätte ich ihm wirklich noch von meiner Misere erzählen sollen, nur damit er sich noch mehr über mich lustig machen konnte? Auf der Party fand er es ja sogar unausstehlich mich nur anzusehen.

Egal. Es spielte sowieso keine Rolle mehr. »Wenn du es genau wissen willst... Ich habe mich ausgeschlossen. Jetzt sitze ich hier und warte, bis meine Mutter wieder nach Hause kommt.«

»Und wann wird sie da sein?«

»Morgen Vormittag?« Noch bevor ich den Satz zu Ende aussprach, lachte ich mich beinahe selbst aus, wegen dieser obszönen Vorstellung. Stunden lang alleine hier rum sitzen und nichts tun? Wie bescheuert war ich eigentlich?

»Du weiß aber schon, wie verdammt unrealistisch das klingt?«

Ich vergrub das Gesicht in meinen Händen, während meine Knie immer noch gegen meine Brust gepresst waren. »Natürlich weiß ich das! Aber was bleibt mir anderes übrig?«, nuschelte ich.

Fears Between UsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt