40 | clever girl

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NAVEEN

Ich sah kein Mal mehr hinter mich und hatte somit keine Ahnung, ob mir Julia auf den Fersen war.

Sobald ich die Eingangstür öffnete, entdeckte ich Zach am Straßenrand. Er kam auf mich zu. »Hi, Mann.«

Ich war nicht überrascht, ihn zu sehen, denn wir vereinbarten, dass er mir heute seinen Wagen leiht. Weil ich ihn so früh aus seinem Bett ekelte, müsste ich ihn im Gegenzug heute Nacht bei seiner Arbeit im ZD Grill, einem Restaurant in der Nähe, abholen.

»Keine Zeit zum reden. Schlüssel.« Ich streckte ihm fordernd meine Hand hin.

Hinter mir öffnete sich die Tür.

»Fuck«, murmelte ich zu mir selbst, während ich kurz meine Augen schloss. Ich hatte gehofft, dass wir schnell genug weg sein würden, bevor sie sich sehen könnten.

Zach linste irritiert an mir vorbei, doch dann änderte sich seine Mimik: Er grinste, sah zu mir, hinter mich und dann wieder zu mir. Zur selben Zeit wackelte er mit seinen Augenbraunen. Eine von ihnen zeigte einen schmalen Spalt Haut. Ich wusste gar nicht mehr genau, wann er sich die Lücke rasiert hatte. Vielleicht damals in Virginia? Oder Delaware?

Zach schob mich mühelos zur Seite. »Hi, meine Hübsche, erinnerst du dich an mich?«

Sobald ich mich umdrehte und Julias angespannten Körper musterte, wünschte ich mir, dass Zach heute zu Hause geblieben wäre. »Ja, tue ich. Zach, nicht?«, entgegnete sie freundlich. So nett hörte ich sie seit unserem Kennenlernen nicht mehr reden.

»Der bin ich. Und du bist...« Er schnipste mehrere Male mit seinen Fingern, als wäre ihm ihr Name nicht einfallen. »Sorry, mein Freund hat leider nie erwähnt, wie du heißt.«

Wieso hätte ich auch? Sie kam bloß zwei Mal zur Sprache. Als er sie zum ersten Mal sah, waren wir so früh auf dem Weg zum Rathaus gefahren. Im Auto fragte Zach damals: »Sie ist scharf. Hattest du schon was mit ihr?«

Ich entgegnete: »Nein, Mann, ich finde sie seltsam.«

»Wann hat dich sowas je davon abgehalten, jemanden flachzulegen?«

Er war lange davon überzeugt, ich hätte schon mit ihr geschlafen. Bullshit.

Das zweite Mal, wo wir über sie sprachen, war bei den alten Ruinen. Zach hatte sie erkannt, rannte aufgeregt zu mir und tippte mir schmerzhaft fest auf die Schulter.

»Was ist?«, fragte ich genervt, da mich Zach daran gehindert hatte, weiter mit seiner Cousine zu flirten.

»Ich muss dir was zeigen, los!« Er zog mehrmals an meiner Lederjacke. Dank Zach würde ich niemals eigene Kinder brauchen, da er schon fast so wie eins war.

Er zerrte mich abrupt zu den Trent Zwillingen und meiner Nachbarin.

An dem Abend war ich wie so oft nicht gut gelaunt. Ich erwartete die ganze Zeit einen verdammt wichtigen Anruf, der lange nicht erschien. Es kam mir also gerade richtig, dass Julia da war. Ich konnte meinen Frust wieder bei ihr ablassen.

Nachdem eine Stunde später der wichtige Anruf doch noch erfolgte, war ich niedergeschmettert. Nicht wütend, sondern nur ... traurig. Dass ich dann Julia bei mir schlafen ließ, war wohl ein Akt des Mitleids.

Jetzt gerade lächelte sie Zach an. »Ich heiße Julia. Ist kein Problem, ich weiß, dass Naveen gerne mal nichts erwähnt.« Ich hörte ihren vorwurfsvollen und säuerlichen Unterton raus. Sie setzte sich wieder in Bewegung und ging an uns vorbei.

Zach lachte und schloss sich ihr an. »Genau so ist er.«

Wie ein verdammter Idiot folgte ich ihnen. »Zach«, bat ich um seine Aufmerksamkeit, da ich langsam echt los musste und er mir immer noch nicht seinen Schlüssel gab. Außerdem gefiel es mir nicht, dass er in ihrer Nähe war. Wirkte fast so, als hätte ich Angst gehabt, er würde jede Sekunde etwas ausplappern, von dem ich nicht wollte, dass es Julia – oder irgendwer – wissen sollte.

Fears Between UsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt