51 | sneaky heart

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JULIA

»Sie wird gut enden. Aber nicht einwandfrei.«

Ich schluckte. »Woher willst du das so genau wissen? Sprechen du und die Sterne eine eigene Sprache miteinander?« Ich unterdrückte ein Kichern.

»Sterne lügen nicht, Goldie. Sterne lügen nie. Ich spür es einfach.« Er ließ sich Zeit, bis er weiter sprach. »Weißt du, auch wenn ich damals meine gesamte Kindheit und Jugend draußen auf den Straßen von Pittsburgh verbracht hatte, verbrachte ich einen anderen, heimlichen Teil umgeben von Theorien über Wurmlöcher, Abbildungen von Sternbildern und Romanen über das Weltall oder ... Romantik.«

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihm das letzte Wort nur so rausgerutscht war ...

»Wenn dich das so interessiert hat, warum hast du dann nie etwas in dieser Richtung versucht zu erreichen? Du hättest Physik studieren und dann als Physiker groß raus kommen können! Was hat dich aufgehalten?«

Sein Körper wurde steif wie ein Brett. Sein Gesichtsausdruck so dunkel wie der Himmel über uns. »Es war eine kindliche Schwärmerei«, knurrte er. »Es war unausweichlich, dass aus mir nichts werden wird. Sieh mich doch an.« Er deutete auf seinen Körper. »Du kennst nicht das Viertel, in dem ich groß geworden bin, Goldie. Die South Side von Pittsburgh ist ein Rattenloch. Da musste man für's überleben kämpfen. Ich hatte niemanden, der mich unterstützt hat«

Die Wärme, die sich zuvor in meinem Körper speicherte, verschwand schlagartig.

»Für mich gab es keine Chancen. So war es wahrscheinlich besser. Mein Hobby blieb dezent. Ich brauchte bloß ein paar Schnipsel, die mich am Leben hielten. Es ist nicht einmal meine Schuld, dass ich jetzt so sehr davon besessen bin, die Sterne zu analysieren oder einen Roman nach dem anderen zu lesen, nur um zu schauen, ob meine Mutter recht hatte!«

Mutter?

War das etwa das zweite riesige Verplappern?

»Ich kann nicht fassen, dass du das jetzt über mich weißt ...«, wisperte er resigniert und ließ mir gar keine Möglichkeit, das mit seiner Mom zu verdauen.

Dass die tiefgründige Astronomie oder Romane eine Verbindung zwischen dir und deiner Mutter sind? dachte ich. »Dass du Sterne vergötterst?«, sagte ich stellvertretend.

Trocken lachte er. »Ja. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, Goldie.«

Ich stellte mich, für unsere Verhältnisse, nah vor ihn und legte den Kopf ein wenig in meinen Nacken. »Es ist schön, dass du mir etwas über dich erzählt hast. Ich finde das passiert zu selten. Ich hab dein Schweigen gerade akzeptiert und Puff, plötzlich stellt sich sowas raus. Du bist unberechenbar, Naveen. Immer offen für Überraschungen.« Die letzten zwei Sätze flüsterte ich.

»Ich hasse Überraschungen«, entgegneter er leise. »Davon habe ich heute genug erlebt.«

»Zum Beispiel?« Keine Ahnung, warum wir auf einmal so vorsichtig und in gemäßigter Lautstärke redeten.

»Angefangen damit, dass ich auf der Arbeit mein Trinkgeld abgeben musste, wegen so 'ner neuen Regelung.« Er stellte sich an die Seite des Daches, legte seine Unterarme auf die breite Backsteinmauer, die ihm bis zur Taille reichte und schaute über die Kante. Wie gut, dass er keine Höhenangst hatte.

Ich stellte mich neben ihn, näher, als ich es sonst getan hätte. Unsere Schultern berührten sich beinahe.

Er fuhr fort: »Die nächste Überraschung folgte dann vor der Haustür. Ein Mädchen, von dem ich sonst immer dachte, sie könnte ein Vorbild für alle anderen Mädchen sein, weil sie so stark, unabhängig und erwachsen war, hyperventilierte am Straßenrand. Jetzt halt dich fest; genau dieses Mädchen hatte es auch noch geschafft, eins meiner Geheimnisse aus mir raus zu quetschen. Ich frag mich, wie sie das geschafft hat...«

Fears Between UsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt