JULIA
Ich wartete.
Seit zehn Minuten. Seit einer halben Stunde. Seit einer ganzen Stunde.
Lee kam nicht.
Mein ganzer Körper war total durchgefroren, obwohl ich einen Mantel trug, und tief in mir bebte mein Inneres, voller Angst. Sie flehte, endlich Kontrolle über meinen Verstand einzunehmen.
Es war die Angst davor, dass es immer so sein wird. Angst davor, dass ich niemals jemandem etwas auf diese Art bedeuten würde.
Mir war schon seit einigen Minuten klar, dass er mich ohne eine Nachricht oder einen Anruf versetzt hatte, jedoch wollte ich es nicht wahrhaben. Ich saß hier weiterhin auf der Bordsteinkante, mit angezogenen Knien, wiegte meinen Körper und zwang mich, mein Lächeln aufrecht zu halten.
Nach den nächsten fünf Minuten, konnte ich rein gar nichts mehr gegen die Tränen unternehmen.
Sie strömten ununterbrochen aus meinen Augen. Sie schmerzten und hinterließen brennende Spuren, die ich morgen – nein – nächste Woche noch spüren würde.
Ich war ja so dämlich! Hatte ich wirklich gedacht, dass sich jemand wie Lee für mich interessieren würde? Meinte er die Einladung überhaupt ernst? Oh mein Gott, was wenn er mir nur einen Streich spielen wollte?
Meine Trauer wandelte sich in Panik.
Die Luft blieb mir im Hals stecken und schaffte es nicht mehr in meine Lungen. Stattdessen wurde dort mit einer Nadel so brutal wie möglich Löcher rein gestochen. Schnell schnappte ich nach Luft. Einmal, dreimal, sechsmal. Ich fühlte sie nicht.
Ich hyperventilierte.
Das konnte einfach nicht wahr sein! Für jeden Abschnitt meines Lebens, hatte ich einen Plan. Ich plante alles durch! Aber nun? Nun hatte ich zum allerersten Mal keinen Plan.
Dass ich für meine derzeitige Misere keinen Plan hatte, bedeutete direkt, dass mein Plan für das Date auch ins Wasser fiel. Ich war jeden Schritt ausführlich durchgegangen: Von der Begrüßung bis hin zu der Verabschiedung.
Da war er ... Der Grund, warum ich nicht ohne Plan handeln konnte:
Ohne Plan verliere ich den Verstand!
Ich atmete und atmete, versuchte mich zu beruhigen ... aber es half nicht. Mein schluchzendes Weinen gemischt mit der Schnappatmung, erzeugte ein Geräusch, dass sich für immer in mein Gedächtnis brennen würde.
Aus heiterem Himmel spürte ich eine Hand. Sie berührte mich an der Schulter.
Ein quietschender Schrei quetschte sich durch meine überforderten Lungen.
Ich blickte zögerlich auf.
»Was ist los?« Hinter ihm leuchtete eine Straßenlaterne. Sein Gesicht lag im Schatten, deswegen war ich mir unsicher, ob dies nun Realität oder Einbildung war.
»Ich ...« Mein Schluchzen verstummte schlagartig. Zerbrechlich hievte ich mich von der Bordsteinkante hoch. Meine wackeligen Beine knickten auf Anhieb ein.
DU LIEST GERADE
Fears Between Us
Romance[Roman] emotional + spicy + romantic • • KEINE K.I. WURDE IN DIESEM BUCH VERWENDET!!! • • Julia Knight: Optimistisch, gutmütig und intelligent gesegnet mit einem engelsgleichen Gesicht. Ihr neuer Nachbar: Verschlossen, schadenfroh und rebellisch, a...
