37 | my anxiety

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JULIA

»Eine Analyse des mir vorliegenden Dokumentes verriet mir, dass die genannten Substanzen im Körper des Opfers zurückzuführen sind auf die politische Einstellung des Präsidenten.«

Ein genervtes Stöhnen erklang hinter mir. »Wie wär's mit einer Antwort in unserer Sprache!«, rief jemand.

Auf meinem Sitzplatz im Rechtskunde Raum, drehte ich mich um. »Das war eine ganz normale Formulierung!«, verteidigte ich mich.

Simon lachte. »Klar, und Mr. Raggings Haare sind auch kein Toupet«, höhnte er.

Gekicher erklang aus allen Ecken des Klassenraums.

»Sehr unterhaltsam, Mr. Fisher. Meine Haare sind so echt wie die Enttäuschung Ihrer Eltern gegenüber Ihnen«, konterte Mr. Ragging, unser Rechtskundelehrer.

Das Gekicher wandelte sich in lautes Prusten, dieses Mal gegen Simon und für unseren Lehrer. Er war zwar ein sehr strenger Lehrer, der gerne mal Druck auf seine Schüler aufbaute und seitenlange Hausaufgaben gab, doch manchmal erlaubte sich der Griesgram ein-zwei Späße mit seinen Schülern (auch wenn diese meistens beleidigend gegen eine Person gerichtet waren).

»Juliana, Ihre Erläuterung war gut. Fahren wir mit dem nächsten fort.«

Ich nickte dankend, verfluchte ihn aber stumm, weil er mich seit zwei Jahren Juliana anstatt Julia nannte. Ich sagte ihm bereits mehrere Male, dass ich Julia bevorzuge.

Mit blöden Sprüchen wie die von Simon, kannte ich mich aus. Ich hatte sie schon alle durch. Mittlerweile war es mir aber auch egal.

Nachdem ich auch meine Antwort für die nächste Aufgabe erläuterte, verriet uns Mr. Ragging die heutigen Hausaufgaben. Ich schrieb diese konzentriert mit.

Für eine Millisekunde linste ich neben mich zu Lee. Er kritzelte gedankenverloren auf seinem Papier herum.

Seit der Party bei den alten Ruinen, sprachen wir nicht mehr miteinander. Jedes Mal, wenn wir aus Versehen Augenkontakt aufnahmen, zog sich alles in meinem Magen schmerzhaft zusammen.

Das Klingeln der Schulglocke verriet uns, dass die Stunde vorbei war. Schnell packten alle ihre Rucksäcke und sprinteten förmlich aus dem Raum.

Ich hingegen ließ mir etwas mehr Zeit und überprüfte noch einmal meine heutigen Notizen.

»Julia, können wir reden?«

Ich zuckte zusammen. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass noch jemand außer Mr. Ragging und ich im Klassenraum waren.

Lee war es, der mich so erschreckte. Er stellte sich vor mich. Sein Rucksack war nur auf einer Seite geschultert und in seinem Gesicht spiegelte sich nicht die sonst fröhliche Miene, bei der sich kleine Fältchen um seine mandelförmigen Augen bildete und seine weißen Zähne strahlten.

»Lee ... d-du willst reden?«

»Ja, ich...« Er brauchte eine Weile, bis er seinen Satz beendete, so als hätte er es sich noch dreimal überlegt, ein Gespräch mit mir anzufangen. »Ich muss mir ein paar Sachen von der Seele reden und mich gewaltig entschuldigen.«

Oh wow.

»Du willst dich entschuldigen?«, echote ich ihn und klang dabei nicht schüchtern oder nervös. Eher ... kalt. Keine Ahnung, was es plötzlich ausgelöst hatte, doch ich ärgerte mich allmählich über Lees Verhalten.

Fears Between UsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt