JULIA
Heute war kein guter Tag. Angefangen davon, dass ich versehentlich mein T-Shirt auf links trug und sich in meiner Jeansshorts ein Loch in der vorderen Tasche gebildet hatte.
Zuhause angekommen, schmiss ich meinen Rucksack genervt zur Seite und hörte dann, zwei Stimmen Richtung Küche. Ich folgte den Stimmen. Meine Mutter am Esstisch. Ich erstarrte. »Hallo, Liebes, du kommst genau richtig!«, sagte sie fröhlich.
Ihr gegenüber saß ein Mann. Und alleine schon beim Anblick seines Rückens, erkannte ich ihn.
Das kann unmöglich wahr sein!
»Was um alles in der Welt hat der denn hier zu suchen?«, fragte ich aufgebracht.
Mein neuer Nachbar drehte sich um. »Hi, Juliana. Freut mich, dich wiederzusehen.«
Ich verschluckte mich an meiner eigenen Galle. »Wie bitte?«, lachte ich bitter.
»Ich sagte, schön dich wiederzusehen, Juliana.«
Mom mischte sich wieder ein. »Julia, vorhin traf ich ihn im Flur. Wir haben etwas geredet und na ja ... da dachte ich, es wäre toll, wenn er uns beim Essen Gesellschaft leistet. Einfach um ... um uns besser kennenzulernen.«
Ein dicker Kloß breitete sich in meiner Kehle aus. »Du hast ihn zum Essen eingeladen?«, krächzte ich.
»Ja, Mr. Cameron hat mir auch von eurem ersten Treffen erzählt und wie bröckelig das alles angefangen hat, aber schlechte Laune kann jeder mal haben, nicht?« Mom lächelte freundlich.
»Mr. Cameron...?« Ich blickte auf ihn herab. Ich wusste nicht, ob es mich befriedigen oder um den Verstand bringen sollte, dass ich nun wenigstens seinen Nachnamen kannte.
Der Esstisch war schon längst gedeckt. Vier Leute konnten Platz finden. »Wo ist Finn?«, erkundigte ich mich anschließend.
»In seinem Zimmer. Magst du ihn holen? Dann können wir anfangen mit dem Essen.«
»Sicher.« Ich versuchte mich an einem Lächeln, dass bestimmt nur halb so echt wirkte wie meine sonstigen, die meist ehrlich waren.
Ich klopfte an Finns Zimmertür. »Finn, Essen!«
Leise Fußschritte konnte ich durch die Tür wahrnehmen. Mein Bruder öffnete seine Zimmertür und sah zwischen seinen dichten Wimpern zu mir rauf. »Ist er noch da?« Er klang genauso schlecht gelaunt wie ich.
»Ja«, seufzte ich.
»Er soll gehen!«, motzte er und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust. Für einen siebenjährigen war er mir manchmal zu quengelig.
Kurz schaute ich hinter mich, um sicher zu sein, dass niemand lauschen würde. Ich ging in die Hocke, um auf Augenhöhe mit ihm zu sein. »Hey, ich kann ihn noch weniger leiden als du. Lass uns das zusammen durchstehen.«
Finn pustete sich eine hellbraune Locke aus der Stirn. »Okay.«
Hand in Hand traten wir gemeinsam an den Esstisch. Wir setzten uns hin – ich neben unseren Nachbarn und er gegenüber von mir – und musterten Mom, wie sie auf jeden Teller Essen verteilte. Sie hantierte an den Küchenschränken herum und kehrte uns somit den Rücken zu.
Ich ergriff die Gelegenheit und starrte den Nachbarn mit finsteren, schmalen Augen an. »Was soll der Mist?«, knurrte ich.
»Wovon sprichst du?«, stellte er sich dumm und trank einen Schluck aus seinem Weinglas, das ich vorher gar nicht bemerkt hatte.
Ich richtete streng meinen Zeigefinger auf ihn. »Komm mir nicht damit! Du sträubst dich erst dagegen, mit mir länger als zwei Minuten zu reden, stattest meiner Mutter dann aber einfach so einen Besuch ab und plauderst mit ihr?!«, flüster-schrie ich.
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Fears Between Us
Romance[Roman] emotional + spicy + romantic • • KEINE K.I. WURDE IN DIESEM BUCH VERWENDET!!! • • Julia Knight: Optimistisch, gutmütig und intelligent gesegnet mit einem engelsgleichen Gesicht. Ihr neuer Nachbar: Verschlossen, schadenfroh und rebellisch, a...
