50 | shooting stars

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JULIA

Ich saß in seinem Apartment.

Verdammt, dieses winzige Gespräch unten vor der Tür machte mich schwach. Was war bloß los mit mir? Am liebsten hätte ich mir noch dort unten selbst den Kopf gegen den Bordstein gehämmert, dafür, dass ich weich wurde und da ich mich auch noch in sein Zuhause schlich.

»Hunger?«, fragte er so unvermittelt, dass ich mir vor Schreck auf die Zunge biss.

»Oh, ich–«

»Komm mir jetzt nicht mit verdammter Bescheidenheit. Hast du Hunger oder nicht?«

Ich blinzelte überrascht. »Ich ... ich ... weiß nicht. Kannst du denn kochen?« Ich erhob mich von dem Sofa und durchquerte das Wohnzimmer bis ich in der offenen, angrenzenden Küche stand.

Naveen holte aus einem der Küchenschänke eine Packung Spaghetti Nudeln. »Na klar kann ich kochen«, behauptete er extrem von sich selbst überzeugt und warf lässig die Nudelpackung in die Luft, um sie danach genauso lässig wieder zu fangen. Jedoch schaffte er es nicht. Er verzog das Gesicht, als die Packung an seiner Hand vorbei fiel.

Ich kicherte. »Idiot.«

»Göre« Er kratzte sich kurz an seinem blanken Arm. Er trug bloß ein schwarzes T-Shirt und die passenden Jeans.

»Du kannst ja ein echter Gentleman sein«, sagte ich mit klimpernden Wimpern und hievte mich auf der Küchentheke hoch, sodass meine Beine runter baumelten. Erst befürchtete ich, dass es ihn stören würde, wie selbstverständlich ich mich hier niederließ, doch er machte keine Anstalt, mich da wegzuschicken.

»Ich bin der geborene Gentleman«, war er der Meinung, während er gesalzenes Nudelwasser aufsetzte. »Es kommt aber immer auf den Tag an«, fügte er hinzu.

Ich beobachtete lächelnd, wie er die Spaghetti nach einer Weile in das kochende Wasser gab.

»Was gibt es für eine Soße?«, erkundigte ich mich.

»Äh ... Billiges Pesto?« Sein entschuldigendes Lächeln brachte mein Herz zum stolpern.

Ich unterdrückte ein Augenrollen. »Klingt gut.«

»Mehr hätte ich auch gar nicht im Angebot.«

»Mehr hätte ich auch gar nicht erwartet«, gestand ich schmunzelnd.

• • •

Ich nahm dankend den dampfenden Teller entgegen und setzte mich an den runden Küchentisch.

Naveen setzte sich gegenüber von mir. Er begann bereits, seine Spaghetti mit grünem Pesto zu essen. Währenddessen bewegte ich nach ein paar Bissen die Nudeln auf meinem Teller und war komplett in Gedanken vertieft. Mir rasten plötzlich wieder alle möglichen Sorgen durch den Schädel, die ich in der letzten halben Stunde mit Naveen abschalten konnte.

Er bemerkte, wie ich nicht weiter aß. »Was ist los?«

Ich legte die Gabel ab und knetete unter der Tischplatte meine Handflächen. »Meine Freundin Tamara wäre super beleidigt, wenn sie herausfinden würde, dass ich gerade Pesto aus dem Supermarkt esse, anstatt ein frisch selbstgemachtes«, versuchte ich mich an witzeln.

Naveen wusste nicht einmal, dass Tamara Italienerin war, weshalb mich seine fehlende Reaktion nicht schockierte.

Ich seufzte, da seine Augen mich ja doch irgendwie durchschauten. »Es ... es macht mich immer noch fertig. Das von eben meine ich...«

»Du meinst das mit dem feigen Typen, der dich versetzt und nicht angerufen hat, während du wie eine Liebeskranke in der Kälte auf ihn gewartet hast, so lange bis du eine Panikattacke bekommen hast?«

Fears Between UsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt