JULIA
Es waren mittlerweile Stunden vergangen, seitdem wir auf dem Dach saßen. In diesen Stunden redeten wir wirklich kaum. Höchstens drei Sätze. Er griff stumm nach meiner Hand, führte mich stumm vom Dach in sein Apartment und zog mich genauso stumm an seine Brust.
Diese Umarmung zeigte mir, wie zerbrechlich Naveen eigentlich war und wie gut er es geschafft hatte, diese Seite Jahre lang vor anderen zu verbergen.
In Stille aßen wir zusammen gebratene Nudeln vom Vortag und machten danach den Abwasch. Naveen saß eine Weile gedankenverloren auf dem Sofa, während ich wie wild anfing, sein Apartment zu putzen, obwohl er sagte, ich solle aufhören. Ich konnte aber nicht. Putzen half mir, auf andere Gedanken zu kommen.
Ich war mir sicher, dass keiner von uns etwas zu der ganzen unangenehmen Thematik sagte, weil uns zu viel im Kopf rumschwirrte. Naveen sah den ganzen Tag über noch gequälter aus, als ich mich fühlte.
Irgendwann gegen acht Uhr abends hatten wir uns in sein Schlafzimmer verschanzt. Wir saßen auf seinem breiten Bett. Ich zwischen seinen Beinen und mit dem Rücken an seiner Brust. Seine Arme waren um meine Taille geschlungen.
Endlich, nach all den Stunden, durchbrach er die Stille: »Das was ich zu dir, oder ... über dich gesagt habe war gelogen. Ich mein's ernst. In dem Moment wollte ich einfach nur meinen Frust rauslassen. Das war verflucht kindisch.«
Es bedeutete mir viel, dass er zugab, nur aus einem Impuls heraus gehandelt zu haben. Er brauchte ein Ventil, eine Gelegenheit, die Verachtung, die er sonst immer von anderen erfuhr, endlich einmal selbst weiterzugeben.
»Und es tut mir leid, dass ich nicht der bin, den du verdient hast.«
Rasch drehte ich meinen Kopf zu ihm. »Sag sowas nicht. Bitte. Wie kommst du bloß darauf?« Es zerstörte mich, wenn er so schlecht von sich selbst sprach.
Er schluckte hart und strich über die dünnen Härchen an meinen Armen. »Weil du alles schöne in diesem Universum verdient hast. Jeden strahlenden Stern, jede Sternschnuppe und jede Blume, die jemals auf dieser Welt blühen wird.« Sein Griff um meinen Oberkörper wurde fester, doch die Sanftheit verschwand kein bisschen.
Behutsam legte ich meine Hand an seine Wange, streichelte sie und sah zu ihm hinauf. »Denkst du wirklich, dass du das nicht auch alles verdient hast?«
»Nein«, antwortete er wie aus der Pistole geschossen und ohne den Blick auf mich zu richten. »Was habe ich bitte in meinem Leben erreicht? Nichts. Es ist sinnlos.«
»Hey, sieh mich an«, forderte ich bestimmt. Mit meinem Zeigefinger und Daumen zwang ich ihn, mich anzusehen. »Du bist so viel mehr.« Ungläubigkeit blitzte in seinen Augen auf. »Lass dir von niemandem etwas anderes einreden. Weder von deinem Vater noch von dir selbst. Ich kenne keinen wie dich und mit keinem habe ich mich je so wohl gefühlt. Du bist mehr, als nur genug.«
Sekunden vergingen, in denen er nichts erwiderte. Überrumpelt von meinen Worten, suchte er in meinem Gesicht nach irgendetwas. Wenig später legte er seine Stirn an meine und umfasste dieses Mal meine Wange. »Wiederhol das.«
Ich gab ihm einen kurzen Kuss auf den Mund. »Du bist mehr als nur genug.« Das reichte ihm aus, um erleichtert auszuatmen und ganz sachte seine Lippen mit meinen zu verschmelzen. Trotz dieser Zärtlichkeit spürte ich die Angst in ihnen.
Wovor hat er nur solche Panik?
Ich verstand ja seine Selbstzweifel, aber da war noch mehr. Ich wusste nicht was, doch diese eine Angst kontrollierte ihn ganz besonders stark ...
Ich unterbrach unseren hungrigen Kuss nur für den Bruchteil einer Sekunde, um mich rittlings auf seinen Schoß zu setzen. Unmittelbar danach machten wir weiter und er fuhr mit seinen Händen von meinen Oberschenkeln, über meinen Hintern und unter meiner Bluse, bis hin zu der Stelle direkt unter meinen Brüsten. An meinen Rippenbogen bewegten sich seine warmen Finger in kreisenden Bewegungen.
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Fears Between Us
Romansa[Roman] emotional + spicy + romantic • • KEINE K.I. WURDE IN DIESEM BUCH VERWENDET!!! • • Julia Knight: Optimistisch, gutmütig und intelligent gesegnet mit einem engelsgleichen Gesicht. Ihr neuer Nachbar: Verschlossen, schadenfroh und rebellisch, a...
