Nowis Sicht:
In der Wohnung angekommen, lasse ich Thomas die Wahl, was er möchte und wie ich agieren soll. Ich lasse ihm den Vortritt und folge ihm, als er aufs Wohnzimmer zusteuert. Er setzt sich auf die Couch und schaut mich an, was ich als Zeichen deute, dass es okay ist, dass ich mich zu ihm setze. „Ich weiß nicht so recht wie du mir am besten helfen kannst." beginnt Thomas das Gespräch. „Vielleicht magst du mir nochmal erzählen, was dir die Nacht so schwer macht und wie es dir ergeht? Dann finden wir gemeinsam einen Weg." „Ich bin müde, verdammt müde und ausgelaugt. Wenn es danach ginge, würde ich mich am liebsten sofort ins Bett legen und morgen noch den halben Tag verschlafen, um Kraft zu tanken. Aber meine Psyche will das nicht. Wenn ich mich hinlege, taucht Steff vor meinem inneren Auge auf. Steff, die abhaut. Steff, die mit einem Versager wie mir nichts mehr zu tun haben will. Sie geht, hat diesen eiskalten Blick und mit ihr geht auch Motti. Das ist immer der Punkt, an dem ich hochschrecke. Es fühlt sich jedes Mal verdammt real an Nowi. Das kannst du dir nicht vorstellen. Es ist als würdet ihr wirklich alle gehen und mir bleibt nichts mehr, was mir wichtig ist. Erst wenn ich hochschrecke, realisiere ich, dass das nicht wirklich passiert ist. Und doch ist es schwer dann wieder zur Ruhe zu kommen. Ich weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich wieder mit diesem Film vor Augen hochschrecken werde. Und dann kommen die Fragen. Wie wird das Aufeinandertreffen mit Steff? Wird sie sich vielleicht wirklich einfach umdrehen und gehen? Sieht sie mich als Versager, dem nicht mehr zu helfen ist? Da ist die verdammte Angst Steff zu verlieren, sie mit meinem Verhalten von mir gestoßen zu haben. Und ich weiß du wirst mir sagen, dass dem nicht so ist, dass wir uns aussprechen müssen und sie mich unterstützen wird, aber es ist schwer mir das ins Bewusstsein zu rufen, obwohl ein kleiner Teil tief in mir drin weiß, dass sie mich nicht einfach so aufgeben wird. Aber dieser Teil schafft es in der Dunkelheit nicht an die Oberfläche zu kommen." Ich muss Thomas Worte erstmal sacken lassen, ehe ich zu einer Antwort ansetzen kann. Für mich ist es nur schwer nachzuvollziehen, wie es ihm ergeht und dennoch probiere ich mich bestmöglich in seine Lage hineinzuversetzen. „Du sagtest, dass es schwer ist in der Dunkelheit, den Teil an die Oberfläche kommen zu lassen, der vertrauen in Steff hat. Hast du schon mal probiert etwas Licht ins Schlafzimmer zu lassen? Wenn es dir bei Tageslicht leichter fällt positiver zu sein, hilft es vielleicht auch nachts nicht in kompletter Dunkelheit aus dem Film hochzuschrecken." „Nein habe ich noch nicht probiert. Aber meinst du wirklich das bringt etwas? Da komme ich mir eher vor wie ein Kind, das Angst hat im Dunkeln zu schlafen." „Ob es wirklich hilft, weiß ich nicht. Aber warum nicht einfach mal ausprobieren? Was hast du denn zu verlieren? Im schlimmsten Fall hilft es nicht, aber ich finde es nicht albern das auszuprobieren. Falls es dich beruhigt: Das kann auch unter uns bleiben, wenn es dir unangenehm ist." „Ja das wäre mir lieb. Mir ist es schon unangenehm genug überhaupt in dieser Situation zu sein." „Das muss es nicht Thomas. Jeder hat mal Momente, in denen es einem nicht gut geht und in denen man Hilfe anderer braucht. Das ist ok und dafür sind Freunde und Familie da." versuche ich meinem besten Freund zu verdeutlichen. Es ist enorm wichtig, dass er uns vertraut, unsere Hilfe annimmt, denn ich habe Sorgen, dass er sein Problem allein in den Griff bekommt. Ich weiß, dass Thomas umgekehrt genau so selbstlos für uns da wäre, wenn es einem von uns schlecht gehen würde. „Wenn du wieder so aus dem Schlaf hochschreckst, weck mich bitte auf Thomas, ok? Vielleicht hilft es dir direkt darüber zu reden, den Film, der dich immer wieder um den Schlaf treibt, direkt zu beschreiben und die Bilder mit mir zu teilen. Vielleicht können wir das gemeinsam verarbeiten und wenn du sagst, dass Steff auch Motti, Hannes und mich mitnimmt, könnte es dir helfen, wenn ich dich direkt vom Gegenteil überzeuge und du merkst, dass ich da bin und bleiben werde." „Aber ich will dich nicht mehrmals heute Nacht wecken." „Es ist wirklich ok Thomas. Bitte versprich mir, dass du das machst und dann können wir immer noch reflektieren, ob es etwas bringt. Mir kommt gerade noch die Idee, dass du dir etwas Musik anmachst zum einschlafen. Dann könnte die Stille nicht so erdrückend wirken. Und dass Musik dir gut tut, können wir beide nicht leugnen." Kurz schaut Thomas mich aufmerksam an, bevor er antwortet. „Warum bin ich da nicht selbst schon drauf gekommen? Das könnte wirklich etwas helfen." Ich bin froh, dass er diesen Vorschlag direkt annimmt und für gut empfindet. Ich bin überzeugt, dass wir nichts unversucht lassen sollten. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um meinem besten Freund den Kampf durch die Nacht zu erleichtern. Wir besprechen noch, dass ich auf der Couch schlafe und dann geht Thomas auch schon ins Bett. Es ist zwar erst 20 Uhr, aber ich kann mir gut vorstellen, wie kaputt er ist. Ich beschäftige mich noch etwas, bevor auch ich mich schlafen lege.
DU LIEST GERADE
Abschied ohne Liebe
Fiksi PenggemarVor einer Woche ist Steff zu den Dreharbeiten von Sing meinen Song nach Südafrika geflogen. Lange hatte sie sich darauf gefreut, obwohl sie dafür ihre Liebsten in Deutschland zurücklassen musste. Doch von der Freude blieb vor Ort nichts übrig. Der A...
