Teil 40

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Thomas Sicht:

Ich setze mich zu meinem Sohn und bekomme sofort ein Auto in die Hand gedrückt. „Hier Papa. Das blaue Auto ist für dich." kommentiert er seine Aktion und wirft einen Blick auf die anderen Autos. Sofort sehe ich ihm an, dass er sich nicht entscheiden kann mit welchem er zuerst spielen soll. Die Situation kommt mir allzu bekannt vor und in diesem Moment fühlt sich alles wie immer an. Meine Welt ist für einen Moment heil. Ich vergesse all meine Sorgen, Ängste, Probleme und verliere mich in dem Moment und vor allem in den Kinderaugen, die mich anstrahlen und die mir die Welt bedeuten. Eine Weile spielen wir einfach, sind Vater und Sohn, die ein enges Verhältnis zueinander haben. Ich spüre, dass ich für Motti in dem Moment einfach nur Papa bin. Der Papa, mit dem er so unendlich gern mit seinen Autos spielt. Er ist einfach ein normaler kleiner Junge, der gerne spielt und dabei die Welt um sich herum vergisst. Ich mag es mir kaum eingestehen, doch nach einer Weile bin ich erschöpft. Spielen kann ganz schön anstrengend sein. Zudem muss ich mir eingestehen, dass mein Schlafmangel mich schlaucht und auch der Zwischenfall am Vormittag nicht spurlos an mir vorbeigezogen ist. Es fällt mir schwer folgende Worte über die Lippen zu bringen, doch ich weiß, dass es das Beste ist. Das Beste für mich und meine Gesundheit. „Es bringt richtig viel Spaß mit dir Autos zu spielen, mein Großer. Das müssen wir mal wieder häufiger machen." beginne ich harmlos in der Hoffnung meinen Sohn dadurch nicht zu sehr zu enttäuschen. „Aber jetzt mag der Papa nicht mehr. Tut mir leid, aber das ist doch auch anstrengend und ich bin müde und etwas kaputt." gebe ich zu und spüre sofort Hannes besorgten Blick auf mir. „Oh man Papa. Das ist doof. Ich will noch weiterspielen, bitte!" versucht Motti sein Glück und mein Widerstand bröckelt. Umso dankbarer bin ich meinem Bruder, dass er das Antworten übernimmt. „Das glaube ich dir Motti, dass du unbedingt noch weiterspielen möchtest. Was hältst du davon, wenn ich noch etwas mit dir spiele? Vielleicht sind Papa und Nowi so lieb und machen uns in der Zeit etwas Leckeres zu essen." „Wenn es sein muss." Kommt lediglich traurig von meinem Sohn zurück und ich kann nicht anders als ihn auf meinen Schoß zu ziehen. „Es tut mir wirklich leid. Aber was hältst du davon, dass wir hier morgen wieder zusammen spielen?" „Na gut. Versprochen Papa?" „Ja versprochen Schatz." Schon wieder etwas zufriedener wird das blaue Auto an Hannes weiter gereicht und Nowi und ich gehen gemeinsam in die Küche. Nowi schließt die Tür hinter uns und ich lasse mich erschöpft auf einen Stuhl fallen. „Wie geht es dir Thomas? Kann ich irgendetwas für dich tun?" fragt Nowi direkt besorgt. „Nein. Danke Nowi. Ich bin nur wirklich erschöpft. Der Tag war lang und anstrengend. Die Nächte schlauchen mich doch mehr als mir lieb ist und der Zwischenfall heute Vormittag hat seinen Teil dazu beigetragen. Aber ich bereue es nicht mit Motti gespielt zu haben. Im Gegenteil. Es tut so gut meinen Sohn zu sehen, seine Liebe, sein Vertrauen und seine Freude zu spüren. Auch wenn ich körperlich erschöpft bin, hat es mich glücklich gemacht und meiner Psyche gut getan." spreche ich ehrlich meine Gedanken aus. „Das freut mich wirklich, dass dir der Nachmittag gut getan hat. Es ist schön zu sehen, dass ihr trotz allem so schnell wieder zueinander gefunden habt und dieses Band, das nur zwischen Vater und Sohn ist, nicht verloren gegangen ist. Ich merke, dass die Zeit für euch beide wertvoll ist." „Danke." antworte ich schlicht und komme dann auf Hannes Vorschlag zu sprechen: „Kochen wir Nudeln mit etwas Gemüse dazu? Das ist nicht so aufwendig und wir essen es alle gerne. Zu viel mehr fehlt mir ehrlich die Kraft." „Das klingt gut. Aber lass mich das machen. Das ist wirklich nicht aufwendig und mir ist es lieber, wenn du dich erholst." Ich würde es nie zugeben, aber insgeheim habe ich darauf gehofft, dass Nowi so lieb ist und allein kocht, damit ich mich erholen kann. „Danke Nowi." antworte ich. Ich genieße den Moment der Ruhe, in dem ich schlicht meinen Gedanke nachhängen kann, die Geräusche im Hintergrund verschwimmen und mein Körper etwas Energie tankt. Auf gewisse Weise freue ich mich schon auf mein Bett. Ich bezweifel, dass ich viel Schlaf bekomme und eine erholsame Nacht vor mir haben werde und dennoch wird es meinem Körper guttun, sich zu erholen, auch wenn jede Nacht ein Kampf ist. Es sagt mir nicht zu, dass Nowi diese Nacht in meiner Wohnung sein wird und ein Auge auf mich hat. Doch ein kleiner Teil von mir hat die Hoffnung, dass sich dadurch etwas ändert. Vielleicht hilft es mir doch meinen Kampf durch die Nacht nicht allein zu kämpfen, sondern im Beisein meines besten Freundes.


Abschied ohne LiebeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt