Livia's Sicht
Donnerstag, 18. Mai 2023
Mit einem leisen Klicken schloss ich so wie beinahe jeden Abend Raiden's Zimmertür, obwohl er bereits seit mehreren Stunden schlief und dies war um diese Uhrzeit wohl auch kaum verwunderlich. Aber ein anderes Verhalten war mir im Moment nicht möglich, nicht seit dem Angriff der Rogues auf mich. Ich musste mich beinahe jede Stunde versichern das mein Sohn in seinem Bett schlief und erst wenn ich mich selbst ins Bett begab, hörte ich auf nach ihm zu sehen. Ich ahnte das Damien wusste was ich tat und doch hatte er nichts dazu gesagt, was mir nur recht war. Möglicherweise war ich im Moment eine furchtbare Oberglucke und doch konnte ich nicht aus meiner Haut. Das Wissen zu haben beinahe getötet worden zu sein, hatte mich gewisser Maßen getriggert und mir nur allzu sehr verdeutlicht, wie kurz das Leben sein konnte. Seit meinem Aufwachen waren erneut zwei Tage vergangen und in dieser Zeit war ich meinem Sohn kaum von der Seite gewichen. Auch Damien schwirrte meistens um uns herum, weil er sich partout weigerte ins Rudelhaus zu gehen.
Das meiste seiner Arbeit erledigte er hier in seinem Arbeitszimmer und wenn ich ehrlich zu mir selbst war, so war mir dies nur recht. Ich würde es hassen alleine im Anwesen zu sein, auch wenn Dorothea immer hier war und auch Holly war meistens Zuhause anzutreffen. Trotzallem gab es mir ein besseres Gefühl zu wissen, dass mein Gefährte nicht unweit von mir entfernt war, auch wenn wir im Grunde genommen nicht viel Zeit zusammen verbrachten. Er hatte Wort gehalten und plante mit Blake und seinen besten Männern einen Krieg gegen die Rouges, wobei ich nicht so ganz wusste, was ich davon halten sollte. Allerdings wusste ich, dass dieser Abschaum ihm schon seit Jahren ein Dorn im Auge war und nun hatte er einen guten Grund um endlich einen Angriff zu starten. Das ich dabei Angst um ihn hatte brauchte ich wohl nicht zu erwähnen, auch wenn ich wusste das er nahezu unbesiegbar war. Dennoch war er nicht unsterblich und somit konnte immer etwas passieren, mit dem man nicht im Geringsten rechnete.
Den Kopf darüber schüttelnd huschte ich die Treppen ins Erdgeschoß hinab und zwang mich dabei nicht daran zu denken. Es würde mich nur auf den Boden ziehen, wenn ich an solche Dinge dachte und das wollte ich wirklich nicht. Alles was ich im Moment wollte war Zeit mit Damien zu verbringen, da diese so kostbar war und erst meine Nahtoderfahrung mir vor Augen geführt hatte, wie wertvoll diese tatsächlich war. Unruhige Stimmen aus dem Arbeitszimmer drangen zu mir durch, hielten mich für einen kurzen Moment davon ab zu klopfen und doch tat ich es schlussendlich. Aus diesem Stimmgewirr heraus hörte ich Damien und Blake und somit würde ich in kein Meeting oder was auch immer platzen. Ich wartete nicht darauf das man mir den Einlass erteilte, sondern öffnete die massive Holztür und sah erwartungsvoll meinen Gefährten an, dessen Augen direkt auf mich gerichtet waren. Die Ärmel seines schwarzen Hemdes waren hochgekrempelt und auch Blake sah in dieser Hinsicht nicht besser aus. Die beiden waren bereits seit Stunden hier, mal waren sie nur zu zweit und ab und an waren eben andere Rudelmitglieder hier, was mich kaum störte.
Mittlerweile kannte ich ein paar von Damien's Männern hier im Königsrudel und es gab kein Mitglied bei welchem ich sagte, dass ich ein ungutes Gefühl bei ihm hatte. Sie alle waren auf ihre eigene Art und Weise nett, was möglicherweise auch daran liegen konnte, dass ich ihre Luna war. Dieser Gedanke zauberte mir ein vermutlich breites Lächeln ins Gesicht, denn dieser Titel bedeutete, dass der Alphakönig einzig und alleine mir gehörte. «Störe ich?» Ein Hauch von Röte schoss mir in die Wangen als mir bewusst wurde, dass ich in meinen Gedanken abgedriftet war und die beiden Männer vor mir vermutlich eine Erklärung für ihre Unterbrechung haben wollten. «Du störst nie, Sonnenschein.», lachte Blake auf und zog mich innerhalb der nächsten Sekunde in seine Arme, was ich nur zu gerne erwiderte. Mittlerweile war der Beta des Rudels zu einer Art großer Bruder für mich geworden und auch Damien schien sich nicht daran zu stören, dass wir ein solches Maß an Nähe austauschten. Immerhin waren wir beide glücklich vergeben und gerade deshalb gab es keinen Platz für Eifersucht oder ähnliches.
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Broken Luna
Loup-garouTeil 2 der Frozen Kingdom-Reihe: Durch Spielschulden ihres Vaters wurde Livia Westbrook einst vor so vielen Jahren ohne zu zögern verkauft. Was sie niemals ahnen konnte war, dass es sich bei dem Käufer um den grausamen und skrupellosen Alphakönig Da...
