Er blieb im Haus und sah zu, wie sie zu ihrem Versteck hinunter ging. Als sie unter den Bäumen verschwunden war und wahrscheinlich auf dem Stein lag, wo er sie vor Wochen gefunden hatte, kehrte er an seinen Platz am Feuer zurück. Die Tür ließ er weit offen. Er rechnete nicht damit, dass sie zurückkam, aber er konnte noch nicht gehen. Julian setzte sich und sah dem hypnotischen Spiel der Flammen zu, in der Hoffnung schläfrig zu werden.
Als ihm beinahe die Augen zu fielen, kam sie zurück. Wieder tropfnass, wie am Tag ihrer Ankunft, lief sie durch den Raum auf ihn zu und hinterließ dabei Fußspuren. Sie kam herüber und jeder Schritt beschleunigte seinen Atem. Denn sie hielt nicht den Abstand, den er mit so großer Bedacht wahrte. Cress nahm die Lehnen des Sessels, auf dem er saß und beugte sich zu ihm vor, sodass er den Whiskey des Barons auf ihrem Atem riechen konnte. Ihr feuchtes Haar lockte sich um ihr Gesicht und ihre Augen funkelten im Feuerschein. Ihre Stimme war leise, aber schien laut zwischen den marmornen Vögeln und den Kristalllüstern widerzuhallen.
„Sehe ich gebrochen aus, in Euren Augen?"
Er sah zu ihr auf, zu ihr, die man zu den Wölfen geworfen hatte. Die als Wolf zurückgekommen war. Wenn sich jemand auf diesem Planeten mit Macht auskannte, dann war er es und alle Macht im Raum war zu ihr geschwärmt, um zu ihren Füßen zu tanzen. Nein, meine Augen sehen wieder, wollte er sagen. Doch es gab keine Worte mehr, nicht wo er es alles losgelassen hatte. Nicht gut aufgerollt, nicht strategisch organisiert. Er hatte einfach losgelassen.
Sie entfernte sich von ihm, ohne ihm den Rücken zuzuwenden.
„Willst du sie noch?", fragte Julian, nachdem sie Momente lang verharrt hatten.
„Würdet Ihr mir einen Gefallen tun?", fragte Cress zurück.
Julian bestätigte nicht. Nach dem, was er offenbart hatte, war die Antwort offensichtlich.
„Zerstört die Erinnerung", forderte sie. „Sie ist fort. Lasst sie los."
Sie warf der Schatulle einen Blick zu, als enthielte sie eine giftige Schlange.
Er hatte sich darauf vorbereitet, dass sie etwas derartiges sagen würde, aber es tatsächlich zu hören, schmerzte. Es lag keine Grausamkeit in ihrer Bitte. Vielleicht, wenn er stärker gewesen wäre. Nicht, nachdem er sich so mühevoll wieder zusammengesetzt hatte in den letzten Jahre, nur um jetzt wieder auseinanderzufallen.
„Das kann ich nicht", gestand er. „Ich bin mir nicht einmal sicher, ob die Hohe Erinnerungen zerstören kann."
Sie sah geschlagen aus. Er wusste nicht, ob er es in ihrer Situation getan hätte, aber Cress kam zurück und setzte sich ihm wieder gegenüber. Das Haar klebte ihr nass am Kopf und sie starrte ihn an, ohne die Miene zu verziehen. Sie tropfte auf den teuren Sessel, aber es war das letzte, was ihn interessierte. Der Regen glänzte auf ihren Wangenknochen und ihrer Nase.
„Ich verstehe nicht, wieso du dir solche Mühe geben würdest, mich zu manipulieren", sagte sie und ihre Stimme war rau. Der Schmerz war nicht tödlich, er reihte sich ohne weiteres ein in das, was er die letzten Stunden, Tage und Wochen gefühlt hatte. Immerhin schien sie nicht mehr zu denken, dass er es gewesen war, der sie persönlich in die Narben geworfen hatte.
„Ja, das ist ein interessanter Gedanke. Wieso würde ich lügen?", fragte er aufrichtig interessiert. „Lass es uns durchgehen."
Julian hob eine Hand und begann an den Fingern möglichen Szenarien aufzuzählen.
„Ich möchte, dass du verunsichert wirst, aber dann würde es keinen Sinn ergeben, dass ich dir so viel Macht in die Hand gebe. Ich möchte dich ablenken von etwas anderem, indem ich dir wilde Lügen erzähle – aber von was? Und wieso der Aufwand? Vielleicht ist es eine Falle und ich füttere dich mit Information, um dich in eine Position zu rücken, in der du mir nützlich bist mit den Emotionen, die die Lügengeschichte in dir hervorruft. Oder aber es ist ein Test, ein Rätsel, das du erst knacken musst, bevor ich dir die Wahrheit erzähle. Vielleicht versuche ich auch, dich durch eine perfide Strategie emotional an mich zu binden, wobei ich mir da etwas deutlich besseres einfallen lassen würde. Oder ..."
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Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]
Fiksi Ilmiah"Ich habe dich geliebt, wie Zerstörung Königreiche liebt." In den Narben, tiefen Schluchten am Rande der Hauptstadt des Imperiums, ist Cress Cye gefürchtet. Die alten Monster, die dort in den Tiefen leben, kennt sie gut. Als eines davon so viel Scha...
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