Gabriel Walsh rauchte Thymian in einer langen Pfeife und saß dabei an einem Fenster, wo Cress ihn überhaupt nicht gebrauchen konnte. Sie lauerte im Schatten eines Bogens des Künstlerhauses und beobachtete den Mann, der direkte Sicht auf den Garten hatte, von dort wo er saß. Auf den Garten, durch den sie sich gerade davonstehlen wollte. Er tat sogar unabsichtlich sein Bestes, um sie aufzuregen. Sie musste wohl oder übel warten, bis er seine Pfeife fertig geraucht hatte, auch wenn das bedeutete, dass sie zu spät kam. Sie lehnte im Schatten, zunehmend genervt und sah zu, wie der Pfeifenrauch Richtung Sterne stieg. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte Cress schon beinahe aufgegeben, als jemand den Tänzer ansprach. Die Stimme kannte sie auch. Erst sah es so aus, als würde er sich entfernen von seinem Beobachtungsposten, dann kam jedoch eine zweite Person dazu. Eine Frau, klein und blond. Cress hatte sie noch nie in persona gesehen, aber sie erkannte Maline Federicy. Seit wann hielt sich die Schaumeisterin in der Künstlervilla auf? Cress war von anfang an misstrauisch gewesen, als man ihr einen Schlafplatz angeboten hatte, aber sie hatte hier nichts zu befürchten. Zumindest dachte sie das. Jetzt standen sie zu zweit da oben am Fenster und unterhielten sich, während Cress an ihrer Säule lehnte und auf eine Gelegenheit wartete, hinunter zu den Booten zu huschen. Neugierig entschied sie sich für die Gegenrichtung. Der Wind wehte günstig und die Worte der beiden wurden in Fetzen zu ihr hinuntergetragen, während sie sich einen Beobachtungsposten suchte.
„Ich glaube die Geschichte nicht", sagte Gabriel Walsh. Cress verdrehte die Augen. Sie hätte sich denken können, dass es um sie ging.
„Manche Fragen habe ich nicht zu stellen."
Malines Stimme war fein und beinahe kindlich, aber aus der Vorsicht, mit der der Adel ihr begegnete und der Art, wie sich der grimmige Tänzer verhielt, konnte man bereits schließen, dass man sie nicht unterschätzen durfte.
„Hast du sie gesehen?"
„Noch nicht."
„Du erinnerst dich an alle, die du gefeuert hast. Fällt dir jemand ein, der Trapez geturnt hat und dann in die Bordelle gegangen ist?"
Cress fuhr sich in der Manier eines alten Mannes, der vollkommen mit den Nerven am Ende ist, über die Augen. Der Typ machte sie einfach fertig mit seiner Bordelltheorie.
„Einige", erwiderte Maline ernst. „Ich frage mich eher, wie der Kronprinz sie wieder lebendig dort gefunden hat, nachdem er drei Jahre weg war."
„Man überlebt fort keine drei Jahre ohne mächtige Fürsprecher", warnte Walsh. „Du musst das nicht machen. Sag ihnen, dass es nicht mehr möglich ist."
„Ich wurde von einem langjährigen Freund gebeten, Gabriel."
„Bist du sicher, dass dieser Freund das Wohl der Krone im Sinn hat?"
Stille, in der nur die Grillen zirpten.
„Ich kenne den jungen Mann seit Jahren. Seine Loyalitäten sind wohlbekannt und er hat nichts getan, um irgendjemandem Grund zum Misstrauen zu geben. Er ist kein Politiker und schätzt Ruhe und Harmonie über alles. Der Krone ist er treu, denn die Krone hat ihn mir geschickt. Hat mir sie zukommen lassen, warum auch immer", sagte Maline. „Die junge Krone."
Gut zu wissen, dass sie das durchblickt hatte, dachte Cress. Das würde sie weitergeben. Es konnte sich im Prinzip gleich Julian mit ihr treffen, wenn sie sowieso wusste, wer Oliver zu ihr geschickt hatte.
„Ich habe dich gewarnt", sagte Walsh.
„Du hast zu viel Misstrauen gegenüber einer armen Seele", sagte Maline. „Sie ist vermutlich einfach nur glücklich, einen sicheren Schlafplatz zu haben."
„Arme Seelen sind wir alle", knurrte der Tänzer.
Dann schwiegen die beiden, verließen aber ihren Platz immer noch nicht. Cress war kurz davor einzunicken, als sie endlich den Fensterriegel einrasten hörte. Sie brauchte nicht halb so lange hinunter zum Wasserspeicher wie das Gespräch angedauert hatte.
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Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]
Science Fiction"Ich habe dich geliebt, wie Zerstörung Königreiche liebt." In den Narben, tiefen Schluchten am Rande der Hauptstadt des Imperiums, ist Cress Cye gefürchtet. Die alten Monster, die dort in den Tiefen leben, kennt sie gut. Als eines davon so viel Scha...
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