112 - Auf dem Hügel

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Nico hatte ein Auge auf das Heiligtum gehabt, während er einem Trapezkünstler zusah. Sein Abend hatte daraus bestanden möglichst viele junge Damen über die Tanzfläche zu wirbeln und dabei vergnügt auszusehen. Dann war er auf eine der Bühnen gestiegen und hatte mit einem anderen jungen Adligen eine Szene aus den Schriften des Ordens rezitiert. Sich dabei so dämlich angestellt, wie er konnte, um für bestmögliche Unterhaltung zu sorgen. Die Leute sollten sich an ihn erinnern. Sie sollten wissen, dass er gefeiert hatte, dass er alle zum falschen Tanz anstiftete, sehr zur Verzweiflung der Schaumeisterin. Niemand bemerkte, dass er mehr verschüttete als er trank und jede Dame, die er mit in eine dunkle Ecke nahm kurz darauf wieder auftauchte. Oder dass er verschwand, als oben am Heiligtum ein Baum in Flammen stand.

„Will", sagte er in sein Funkgerät. „Verstärkung auf den Hügel. Unauffällig."

Sobald er außer Sichtweite war, begann er zu rennen. Nico hielt sich nicht an den Plan. Er sprintete zum Heiligtum hinauf, während unten noch sein unerhörter Walzer getanzt wurde, der im Ablauf der Stadtmesse nichts zu suchen hatte. Als er den Fackelträger auf sich zu rennen sah, dachte er für einen Moment, es wäre Cress. Nico bremste ab und wollte schon etwas rufen, als er im schwachen Licht einen Blick auf ein hartes Gesicht erhaschte. Er wünschte sich augenblicklich zurück in die Menge. Das war eine der Drillinge.

„Ein schöner Abend ist es", lallte Nico ihr entgegen. Die Frau kam einige Meter entfernt zum Stehen. Nico hatte keine Ahnung welche es war, aber sie hatte ihn auf jeden Fall erkannt.

„Hoheit", knurrte sie ihn an. „Ihr seid nah am Heiligtum."

Irgendetwas war geschehen, sonst würde eine Leibgardistin der Hohen nicht so durch die Nacht jagen. Der Feuerwerkskörper ... Mayas Bruder musste ihn abgeschossen haben und nun dachte Alcha Nocturna, dass er es gewesen war. Betrunken und nutzlos wie er war. Für immer der Kindskopf im Schatten seines Cousins. Nico brach in schallendes Gelächter aus und stolperte zwei Schritte den Hang hinunter, um mehr Abstand zwischen sich und die Kriegerin zu bringen. Sie war bewaffnet, er hatte nicht einmal einen Dolch dabei.

„Erlaubt mir, Euch zurück zum Fest zu bringen."

Sie kam ihm nach und schob ihn so grob zurück den Hügel hinunter, dass er über seine eigenen Füße stolperte. Nico sah noch einmal hinauf, aber er würde erst die verdammte Gardistin abschütteln müssen, bevor er nach Maya sehen konnte.

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt