123 - Arete Villa

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„Stützt du ihren Anspruch?"

„Sie hat keinen Anspruch."

Julian war empört. Er lief wieder auf und ab, die dunklen Haare standen in alle Richtungen ab und seine Augen blitzten.

„Sie hat keine Erfahrung. Niemand hätte Maya vorgeschlagen als Hohe und sie wäre um Welten besser qualifiziert als meine Schwester. Diese Diskussion ist ein Fiebertraum."

„Du wirst dich mit ihr auseinandersetzen müssen."

„Meine Schwester glaubt nicht einmal an die Sterne", sagte Julian sarkastisch. „Aber wenn mein Vater den Hohenposten kontrolliert, verfügt er über das große Gedächtnis. Über die Erinnerungen. Über alle Erinnerungen. Es wird Widerstand geben, aber die Gesetze des Ordens sind nicht auf eine feindliche Übernahme ausgelegt. Wenn Dominique Hohe wird, gibt es nichts, was meinen Vater in Schach hält. Dann kann er alles tun, wovon er träumt. Die Erinnerungen missbrauchen. Mehr Kolonien schaffen. Die Narben reinigen. Es gibt nichts mehr, was ihn aufhält."

„Nur dich."

Cress war wiede aufgewacht. Nico wusste nicht, wie viel sie gehört hatte, aber sie wusste genug. Julian schüttelte den Kopf.

„Domi weiß, dass ich einen Schlag gegen die Hohe geplant habe. Sie können mich des Mordes anklagen, wenn sie aussagt. Auch wenn sie kaum alles wissen kann. Wie gut stehen meine Chancen vor einem ‚unabhängigen' Gericht unter diesen Umständen?"

Die Frage ging an die Kronrichterin. Finja verzog das Gesicht und das reichte Julian.

„Die Zeit der Gerichte ist vorbei", sagte René. „Hier kommt die Anarchie, meine Herren."

Nicos Blick war zum Rand der Stadt geschweift. Zu den Kasernen, zu den Flugplätzen. Den Nummern, die dort blau und unheilvoll in der Luft hingen. Nicos Gedanken rasten.

„Der Orden wird Widerstand leisten, aber das wird nicht reichen."

Es würde nicht reichen, weil der Katania Feldzug beendet war. Ein Drittel der Armee, die in Katania gekämpft hatte, war Tage nach Julians Rückkehr gelandet. Sie verstärkten die Reihen des Königs. Der König konnte den Orden überrennen, mit Julians Männern. Denn Julian war als Imperator nach Katania geflogen, mehrere Generäle wie Nico unter sich. Eine Armee, wie sie die Welt seit Jahrhunderten nicht gesehen hatte. In drei Jahren hatte er bewiesen, dass er sie führen konnte und die Loyalitäten der Soldaten änderten sich nicht automatisch.

„Wenn du gegen ihn marschieren willst, dann hast du jetzt ein Fenster."

Nicos Worte standen im Raum, wie eine unfreundliche fremde Person, die Aufmerksamkeit verlangte. Sie waren kaum zu ignorieren und jeden Moment wurde ihre Existenz unangenehmer.

Julian starrte ihn an, als wäre er der Verrückte.

„Du hast eine Armee. Du hast mich. Du bist der einzige General, der deinem Vater die Stirn bieten kann. Nutze das, bevor es zu spät ist."

„Mein Vater wird sterben", sagte Julian. „Alle Männer sterben. Er wird altern, er wird schwach werden. Noch ist er der gefährlichste Mann, der lebt."

„Du willst es aussitzen? Dann wird nicht viel übrig sein von der Welt, wenn du gekrönt wirst."

„Ich beginne keinen Krieg."

„Das ist kein Krieg, das ist eine Konsequenz."

„Niemand gewinnt", sagte Julian scharf. „Es verlieren alle. Ich habe genug davon gesehen, um das zu wissen."

Stille senkte sich über die Versammlung.

„Das ist der Regentenzyklus", sagte er zu Cress, die als einzige im Raum nicht wusste, wieso Julian so viel Kampferfahrung hatte. Wieso dieses Argument weit über Katania hinausging.

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt