92 - Arete Villa, Vor dem Kamin

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Oliver Bernadotte war gerade noch auf dem Anwesen seiner Familie gewesen, dann in der Stadt bei der Schaumeisterin und von dort zurück in die Arete Villa gekommen, so schnell er konnte. Er hatte nicht einmal geduscht, was hieß, dass das Parfum der Schaumeisterin noch in seinen Haaren und seinem Mantel hing, als er durch das schmiedeeiserne Tor und dann durch die Eingangstür trat. Es war später Abend und alle, die es sich leisten konnten, waren in der Villa versammelt. Sie brauchten jetzt nicht einmal mehr eine Ausrede, wieso sie sich trafen. Der Aufstieg des Sterns war Grund genug, auch wenn alle, die das zu hören bekamen, vermutlich ein anderes Bild ihrer Vorbereitungen im Kopf hatten. Julian und René beugten sich über einen Plan des Palasts und diskutierten lebhaft. Der Geist war nirgends zu sehen, zur Abwechslung. Der Prinz und seine Frau fuhren zu ihm herum, sobald er eintrat.

Oliver war kein großartiger Soldat. Er war nur gerade lange genug im Militär geblieben, damit sein Vater Ruhe gab und hatte seitdem jede Waffe gemieden. Doch das hier – mit Maline Federicy über Kunst, Musik und Theater fachsimpeln und ihr viele süße Dinge erzählen, bis sie mit ihm über ihre Vision sprach, bis sie ihn nach seiner Meinung fragte, das konnte er. Darin war er besser, als es Julian und René waren.

„Die Flammenzeremonie findet auf dem Turm statt", sagte Oliver anstatt einer Begrüßung. „Sie werden die Feuerbecken traditionell dort entzünden, während die Menge unten vor den Toren steht. Man wird es vermutlich noch auf den Brücken sehen."

„Bin ich eingeladen zur Zeremonie?", fragte Julian.

Oliver schüttelte den Kopf. Die Hohe hatte noch weiter in der Vergangenheit nach Inspiration gesucht, als ihnen allen lieb war.

„Nur Orden und Hohe. Dein Vater und du seid nicht erwünscht."

Julian verzog das Gesicht. Nicht, weil er dieses religiöse Event so dringend mit eigenen Augen sehen wollte, sondern weil es das einfachste gewesen wäre, Cress dort hineinzuschmuggeln. Alle Ordensmitglieder auf einem Haufen, alle Gesichter hell erleuchtet, alle abgelenkt. Doch wenn nicht einmal er dort erwünscht war ...

„Der Saal während der Zeremonie ist genauso gut", sagte René.

„Sie haben es geändert", warf Oliver ein, der inzwischen die Stadtkarte zur Kenntnis genommen hatte und sich setzte. „Die Hochzeitszeremonie soll unter freiem Himmel stattfinden. Das wird sie dir morgen vorschlagen."

Julian machte ein missmutiges Gesicht. Die Hochzeit würde ein soziales Minenfeld sein und sie mussten tausend Dinge bedenken, während die Zeit ablief. Sie gaben sich alle Mühe, den Zufall gnädig zu stimmen, aber es blieb ein gewagtes Spiel.

„Mehr Platz. Der Orden ist groß dieses Jahr und wenn der Exiladel anreist ..."

Julian winkte ab. Oliver konnte sich denken, dass es ihm widerstrebte unter freiem Himmel zu stehen. Die meisten Menschen sahen darin Freiheit. Jeder, der unter Beschuss aus der Luft gekämpft hatte, fühlte sich verwundbar.

„Wenn die Gesellschaft zu groß wird, schafft sie es unmöglich, alle jungen Männer zu sehen", murmelte Julian. „Geschweige denn Adel und Orden."

„Maline muss die Gästeliste verkleinern", nickte auch René. „Egal wie lang die Nacht ist, sie schafft es sonst nicht."

„Die Gästeliste kommt nicht von ihr", antwortete Oliver nüchtern. „Die kommt von Julis Mutter und deiner Mutter."

René kaute sich auf der Lippe.

„Dann musst du mit deiner Mutter sprechen", sagte Julian zu ihr. „Meine Mutter ist keine Option."

René sah ihn so giftig an, dass Oliver an Julians Stelle drei Schritte rückwärts gemacht hätte.

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt