33 - Über den Narben, Fünfte Brücke

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Cress hatte keine Zeit, die Neuigkeiten zu verarbeiten und kam zu dem Schluss, dass sie sich nicht beschweren würde darüber, dieses Mal jemanden zu haben, der mithalten konnte. Sie waren auf den Brücken angekommen und sie fühlte sich sofort unwohl in dem Betonbau. Nur hatte sie dringendere Probleme, zum Beispiel die Sturrheit des Kronprinzen.

„Ihr seid zu schwer für die Netze", warnte Cress, während sie hinter Julian herlief. Unter den Geistern wurden nur drahtige kleine Menschen in die Netze geschickt. Er war das Gegenteil davon. Wenn der Kreuzbube je erfuhr, dass die Netze einen jungen Adligen im Hoch seiner körperlichen Kraft ausgehalten hatten, dann würde der alte Mann der nächste sein, den man in den Seilen fand. Oder auch nicht, denn vielleicht war er so klug, es einfach bleiben zu lassen. Der Alessandrini Erbe schien das Argument „Unnötiges Risiko" grundsätzlich nicht einzusehen. Es war ein Wunder, dass er noch am Leben war.

„Für manche, ja", sagte er über die Schulter. „Nicht für die Jüngeren. Wisst Ihr, woher die Netze kommen?"

Er trank aus einem schwarzen Becher. Man hatte Cress den gleichen gegeben. Was auch immer für ein Putschmittel darin war, es brannte durch ihre Adern wie Engelsblut. Sie hustete.

„Es gab Bestrebungen, die Narben zu nutzen. Man kann keine Kuppel darüber setzen, wegen der Form und den Interferenzen mit der Stadtkuppel. Die Baumeister der Alexandrinischen Zeit wollten eine Art Dach konstruieren, um den Raum nutzbar, wenn auch nicht lebenswert zu machen. Zwei Anläufe, neun Architekten und tausend Tote hat es gebraucht, bis das Projekt aufgegeben wurde. Die Netze sind Relikte. Die Seile aus der zweiten Konstruktion sind deutlich stabiler, sie würden auch heute noch das Dach tragen, das nie gebaut wurde. Abend, Roland."

Er war stehen geblieben und ließ von einem breitschultrigen Soldaten die Gurte überprüfen. Bei Cress wurde das gleiche gemacht.

„Fliegen wir", sagte er.

„Das dachte Icarus auch."

„Ihr seid mir zu frech geworden in der kurzen Zeit, die wir uns kennen."

Er nahm zwei Waffen entgegen und befestigte sie an seinem Gürtel. Auch Cress hielt man zwei entgegen. Sobald sie eine in der Hand hatte, musste sie den Impuls wiederkämpfen, sie auf Julian zu richten. Nur um zu sehen, wie es sich anfühlen würde. Der Soldat namens Roland hängte ihr eine gesicherte Granate an den Gürtel, neben Messer und GPS. Cress dachte sehnsüchtig daran, das Equipment zu nutzen, um von den Brücken zu fliehen. Doch der Prinz, der noch einmal Rücksprache mit einem seiner Leute hielt, hatte sie am Nacken. So sehr, dass man keine Sekunde darüber nachdachte, sie bewaffnet mit ihm alleine zu lassen.

„Eure Sorge ist unberechtigt. Ich plane das hier nicht erst seit gestern."

Damit war die Diskussion erledigt. Cress erinnerte sich, dass es nicht ihr Job war, den Kronprinzen davon abzuhalten, Dummheiten zu machen. Wer auch immer dafür verantwortlich war, hatte kläglich versagt in dieser Nacht.

„Es stimmt also, was sie über Euch sagen."

„Da müsst Ihr spezifischer werden."

Ein Handsignal von einem ihrer Begleiter ersparte ihr das Antworten.

Sie wurden gemeinsam von der Brücke abgeseilt in einem Tragemodul, das für eine Person in voller Rüstung entworfen worden war. Da Cress und Julian beide nur Funktionskleidung mit Kapuzen und Atemmasken trugen, rissen sie die Gewichtsbeschränkung nicht. Niemand konnte wissen, dass es nicht der Umwelttechniker war, der hier seine Proben entnehmen würde, wie jedes Mal zum Beginn des Monats. Sie standen sich gegenüber, Cress hatte den Kopf gedreht und versuchte zu Verdrängen, wer da mit ihr auf der schwankenden Plattform abgeseilt wurde.

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt