117 - Vor dem Heiligtum

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Die Feier war noch in vollem Gange, aber für ihn war sie vorbei. Nicholas van Garde tauchte in der Menge ab, sobald die Hand der Knochenschwester seine Schulter verließ. Er umrundete den Hügel, wich mehreren Leuten aus, die ihn zum Tanzen auffordern wollten, und begann zu rennen, sobald er das Licht der Lampen verließ. Es war ihm egal, dass es verdächtig sein könnte. Er hatte sich sehen lassen, hatte gefeiert, hatte sich zum Affen gemacht. Das musste reichen.

Nico kannte die Nocturnaschwestern nur zu gut. Er war ihnen im Atheneum aus dem Weg gegangen so gut er konnte, hatte mit dem Geld seiner Familie seine Mitstudenten bestochen, damit nicht er gegen eine von ihnen antreten musste.

Nico war der Neffe des Königs. Zweiter in der Thronfolge. Wenn er dort oben auftauchte, kippte allein das vielleicht die Wage zu ihren Gunsten. Das sah auch Julian ein. Momentan war Nico der einzige, der nah genug war, um herauszufinden, warum Wills Vitalwerte abgestürzt waren. Warum ihr Freund schwer verletzt worden war, mitten auf einer Party im Palast. Zumindest, wenn Nico am verfluchten Orden vorbeikam, bevor die Nacht vorbei und Will verblutet war.

Die Soldaten umstanden den Hügel die ganze Nacht und durften zusehen, wie alle anderen es sich gutgehen ließen. Sie waren nicht konzentriert gewesen, bis die Nocturnaschwester Nico auf der falschen Seite eingesammelt hatte. Jetzt standen sie gegenüber der Zelte enger zusammen und sahen wacher aus. Nico rannte nach Osten. Unbewaffnet und in seiner festlichen dunkelblauen Uniform. In der Dunkelheit machte das Weiß ihrer Uniformen die Wachen rund um die Anhöhe immerhin gut erkennbar, im Gegensatz zu ihm selbst.

„Wie ist die Lage?"

„Sie haben sich neu formiert. Ich versuche es über den Königinnenhain."

„Such nach Aday Adelen."

Nico würde nicht nah genug herankommen, um Gesichter zu erkennen, bevor sie ihn schnappten und er von den Wachen mit seinem Gesicht zurück in eine Punschschüssel befördert wurde. Er rannte zwischen den ältesten Bäumen im Palastgarten hindurch. Zwischen den Apfelbäumen, die der Königin gehörten. Der Hain endete an einer hohen Hecke. Nico spähte hindurch, konnte aber kein Weiß auf der anderen Seite erkennen. Er griff in seine Tasche und streifte seine zeremoniellen Handschuhe über. Sie hingen sofort in Fetzen, als er begann mit bloßen Händen die Hecke zu zerlegen.

„Cress ist auf dem Weg."

Nico hielt inne. Blut rann ihm die Handflächen hinunter. Auf der anderen Seite der Hecke war es genauso dunkel wie auf seiner Seite. Cress würde ohne Probleme an den Wachen vorbei kommen. Hoffentlich war sie schnell. Nico trieb seine Schulter durch die Hecke. Seine Uniform würde leiden, aber das war besser, als sich von den weißen Gardisten den Hügel hinauf jagen zu lassen. Ihm würde schon eine Ausrede einfallen. Noch zwei abgebrochene Äste, dann zog er den Kopf ein und quetschte sich ohne Rücksicht auf Verluste seitlich durch die Hecke. Er zerriss sich am Rücken die Uniform und zerkratzte sich das Gesicht, aber dann stand er auf der anderen Seite. Drei weiße Feuer brannten in der Ferne. Der Lärm der Feierlichkeiten war gedämpft und die Nacht dunkel in dieser Ecke des Parks. Nico setzte sich in Bewegung. Dann hielt er inne und lauschte. Hier, wo der Lärm der Hochzeitsfeier leiser war, konnte er Schreie hören. Leise, kaum vernehmbar, wenn man nicht schon das Gefühl hatte, dass etwas schief ging. Eine Frau. Er sprintete den Hügel hinauf, auf die Flammen zu. René und Julian sahen sicher, dass er sich bewegte, aber Sterne, das musste warten. Nico zog an den Flammen vorbei, auf eine der Flanken des großen weißen Gebäudes. Er schlich daran entlang, bis zum Vorplatz. Die beiden Drillinge hatten ihre Fechtmasken abgenommen und sprachen leise miteinander. Zu ihren Füßen lagen zwei Körper. Will, mit gebrochener Nase und schwer atmend, und Maya, auf der Seite zusammengerollt wie ein Baby. Die Schhwestern traten auf die Stufen des Heiligtums und Nico zog den Kopf ein.

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt