Rya starrte in die Flamme und wartete. Stunden strichen vorbei wie Vögel am Himmel. Als sie die Schritte hörte, hatten ihre Knochen zu schmerzen begonnen vom langen Liegen. Sie hatte mit jemandem gesprochen, aber das schien Jahre her zu sein. Schritte auf dem Boden ihres Heiligtums. Sie kamen von der Empore herab, wo die Nacht durch die Fenster schien.
„Kann ich mich setzen?"
Eine der Fackelträgerinnen, aber der Schulterweite nach keiner ihrer Gardisten. Die Stimme einer Frau drang unter der Maske hervor, aber Rya war nicht so naiv zu glauben, dass sich ein Mensch darunter befand. Der Tod hatte seine eigenen Vorboten und zwischen den Sternen gähnten tausend Mäuler.
„Zeigt mir Euer Gesicht."
Als die Frau ihre Fechtmaske abnahm, verstand Rya einen Moment lang nicht, wen sie erblickte. Zwei verschiedene Augenfarben hatte sie noch nie an einem Menschen gesehen. Eines blau wie der Himmel, eines braun wie Wüstensand und mit Blutfilm über der Lederhaut. Doch das Gesicht durchbrach den Nebel in ihrem Kopf lang genug, dass sich der Name dazu fand. Mit dem Namen der Horror.
„Kann ich mich setzen?", fragte die Frau noch einmal. Die Hohe wusste von den Schemen zwischen den Welten der Lebenden und der Toten. Welch passendere Gestalt hätte ihr persönlicher Fährmann wählen können? Victoria Ivess-Yorda sah im Schein der Flamme auf Rya herab und die Hohe wusste, dass sie ebenso erkannt worden war. Dass ihr Henker das Gesicht der Frau trug, deren Leben Florence ihr angelastet hatte. Eine Frau, die sie und der König einträchtig begraben hatten.
„Du bist weit gekommen, um mich zu holen."
Der Ausdruck im Gesicht der Fürstentochter war schwer deutbar. Geisterwesen fühlten nicht wie Menschen. Sie kamen aus dem Nichts zwischen den Sternen und dorthin würden sie zurückkehren, wenn sie die Aufträge ihrer Herren erfüllt hatten. Wie den, eine Hohe zu töten. Wie den zuzusehen, wie Florence Gift sich durch ihre Venen brannte.
„Sieh mir in die Augen ", sagte der Geist und die Hohe gehorchte dem Befehl. Mit Abgesannten der Götter spaßte man nicht, auch wenn man sie heimlich verabscheute. Es musste die Messe gewesen sein, die ihre Henkerin angezogen hatte. Die Flammen auf den Türmen sah man bis in die Höhen. Deshalb heute Nacht.
„Was hast du getan?"
Rya wusste, dass das Wesen nicht die Prinzessin war. Es gab keine irdische Instanz, die sie verfolgen konnte, keinen König, den sie fürchtete. Doch das lauernde Geschöpf über ihr war kein Mensch. Kein Mensch würde so zu ihr sprechen und kein Mensch überlebte den freien Fall in die Narben. Kein Mensch kam zurück aus der Tiefe und ungesehen in den Palast. Sich zu wehren hatte keinen Zweck. Der Zorn, mit dem sie ihre Diener ausgeschickt hatte, hatte eine Form gefunden und war zurückgekommen, um sie zu vernichten.
„Ich komme mit dir."
„Du gehst nirgendwohin."
Das Wesen mit dem Gesicht der Toten senkte eine Hand auf ihren Kopf und drückte sie zurück nach unten. Eine Berührung wie eine Ohrfeige. Die Hohe hatte sich noch nie so alt gefühlt. Jeder Tod hatte seine Vorboten und ihre Stunde kam näher.
„Erzähl mir, was du getan hast", verlangte die Tote und ihre Stimme zitterte dabei vor gespielter Emotion. Fühlen war etwas inhärent Menschliches und das Menschliche hatte sie verlassen.
Also neigte die Hohe den Kopf, schloss die Augen und beichtete der Entsandten ihre heiligen Sünden.
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Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]
Ficção Científica"Ich habe dich geliebt, wie Zerstörung Königreiche liebt." In den Narben, tiefen Schluchten am Rande der Hauptstadt des Imperiums, ist Cress Cye gefürchtet. Die alten Monster, die dort in den Tiefen leben, kennt sie gut. Als eines davon so viel Scha...
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