„Maya."
Maya fuhr in die Höhe, die Hand an dem Dolch, den sie inzwischen unter ihrem Kopfkissen behielt. Doch es war nur ihr Bruder. Entnervt wollte sie sich zurück in die Kissen fallen lassen.
„Ich habe kaum geschlafen wegen der Hochzeit", stöhnte sie. „Lass mich in Ruhe."
Aday zog die schweren Vorhänge auf und kam zurück zu ihr. Er griff nach ihr und Maya hatte es so eilig ihn abzuschütteln, dass sie sofort hellwach war.
„Was?", zischte sie. „Soll ich dir auch einen Schneidertermin organisieren? Sie sind alle ausgebucht, schluck endlich deinen Stolz und frag Mama wegen deinem Ärmel."
Aday war verschwitzt. Das war das erste, was ihr auffiel. Er stank nach Schweiß und das obwohl er sonst ein sehr reinlicher Mensch war. Maya rümpfte die Nase.
„Du musst mir genau zuhören", sagte er eindringlich. „Das kann nicht warten. Der Prinz hat mit mir gesprochen."
Maya fühlte sich, als würde all ihr Blut in Richtung Boden sacken. Es war nichts mehr übrig, um ihr Gehirn zu versorgen. Julian Alessandrini. Sie erinnerte sich im gleichen Moment, dass sie von ihm geträumt hatte. Von einem Mann mit blauen Augen, der sie nur ansah. Jede Bewegung katalogisierte. Jeden Fehler.
„Was hast du mit dem blauen Adel zu schaffen?", fragte sie und musste die Bestürzung nicht einmal heucheln.
„Er ist zu mir gekommen. Hat mir gedroht."
Maya runzelte die Stirn. Ihr Bruder ging auf und ab, als könne er so jemandem davonlaufen. Mayas Bruder war so bedacht auf den Familienruf, dass er sich manchmal im Ton vergriff. Vielleicht war es soetwas.
„Pack deine Sachen", sagte er. „Ich sage es Mutter. Ihr müsst hier weg."
Maya blinzelte. Obwohl sie sich immer noch mit brennender Angst fragte, was um der Sterne Willen Julian Alessandrini zu ihrem Bruder gesagt hatte, war sie nun auch empört darüber, was er da forderte. Ohne Erklärung.
„Das meinst du nicht ernst. Ich kann hier nicht weg."
Aday hielt in seinem Hin- und Hergerenne inne und sah sie an. Dann wurde er laut.
„Maya einmal in deinem Leben. Nur einmal hörst du jetzt auf mich. Ich versuche, dich zu retten."
„Zu retten?", Maya verstand nicht, was er sagte. „Wieso willst du mich retten?"
„Man wird euch ... töten, wenn ihr nicht flieht", er brachte es kaum über die Lippen.
Maya sah ihren Bruder an, der ihr zunehmend schien, als hätte er den Verstand verloren. Es erschien ihr sinnvoller, ihm die Fakten darzulegen, wieso das nicht passieren würde, als ihn zu fragen wie man sich so in etwas hineinsteigern konnte. Und sie auch noch dafür wecken musste.
„Wir sind Orden", sagte Maya langsam und deutlich. „Ich bin die Protektorin der Flamme, Aday. Du bist Gardist. Mutter hat fünf verschiedene Ämter innegehabt. Wir sind geschützt und geachtet. Niemand bringt uns um. Wie kommst du überhaupt auf sowas?"
Aday brach zusammen. Er ging auf ihrem Teppich in die Knie und stand nicht wieder auf. Maya saß auf ihrer Bettkante und starrte ihn an. Die Halbsätze, die er herausbrachte verstand sie kaum. Sie kam auf die Beine, kniete sich vor ihm auf den Boden.
„Was hast du getan?", fragte sie, als er sich wieder ein wenig beruhigt hatte. Sie hatte ihn noch nie so gesehen. Es war nicht Trauer, wie nach dem Tod ihres Vaters und auch kein physischer Schmerz. Es war Angst.
Maya hatte keine Zeit für Vorsicht. Sie suchte ihn in seiner Suite, dann in den Salons, in denen die jungen Adligen ihre Freizeit verbrachten. Sie fragte nach ihm bei einer der Damen, mit denen er sich umgab und dann rannte sie, um ihn noch zu erwischen. Verpasste ihn. Maya bestach einen der überraschten Soldaten und flog zu einer der Kasernen an der äußeren Stadtmauer. Näher an den Narben, als sie seit Jahren gewesen war. Sie zog ihre Stola fest um ihre Schultern, ging zitternd die Rampe hinunter und sah sich mehreren überrascht dreinblickenden Soldaten gegenüber. Einem fiel die Zigarette aus dem Mund, als er sie sah. Ob er sie als Protektorin erkannte, wusste sie nicht. Es reichte schon, dass sie eine Ordensdame war. Man führte sie durch schmale weiße Gänge, Stahltreppen hinauf und an unzähligen Männern vorbei, die wegen ihres Auftauchens wahrscheinlich dachten, dass irgendjemand im Sterben lag. Letztendlich stieß man eine Metalltür vor ihr auf und sie trat in das Büro des Kommandanten. Da war er, trank Tee aus feinen Porzellantassen und ließ diese beinahe fallen, als er Maya sah. Van Garde bedankte sich bei dem Mann, der sie hereingeführt hatte und wartete bis die Tür hinter ihm zufiel.
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Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]
Science Fiction"Ich habe dich geliebt, wie Zerstörung Königreiche liebt." In den Narben, tiefen Schluchten am Rande der Hauptstadt des Imperiums, ist Cress Cye gefürchtet. Die alten Monster, die dort in den Tiefen leben, kennt sie gut. Als eines davon so viel Scha...
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