82 - Palast und Türme

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Der Orden hatte viel zu tun, um die Hochzeit vorzubereiten. Niemand mehr als Maya. Die Hohe zeichnete nur Befehle ab und schickte Maya wieder zu den zuständigen Organisatoren auf Seiten des Königs. Jedes Mal, wenn sie wieder durch den Palast lief, verfluchte sie Julian Alessandrini. Für so gut wie jede andere organisatorische Aufgabe gab es Hilfskräfte im Orden, aber für diese verdammte Hochzeit musste die Hüterin der Flamme selbst mit dem Adel verhandeln. Maya schäumte vor Wut. Sie war keine Verwaltungskraft, sie war eine Geistliche und dabei eine mit einem der höchsten Ämter im Orden. Das hier war demütigend und sie wussten es alle. An diesem Morgen noch mehr als sonst, denn man hatte sie in den Flügel der Königsfamilie geschickt, wo sie im privaten Salon von jemandem erwartet wurde, den sie seit Wochen nicht zu fassen bekam.

„Ihr müsst euch prächtig amüsieren", sagte sie zu Nicholas van Garde.
Der General war ähnlich erfreut sie zu sehen, wie sie ihn. Er war so etwas wie ihr privater Ansprechpartner im Geschwader des Prinzen geworden und Maya vergaß zunehmend, dass er ein hoch dekorierter Militär war und nahm ihn mit jeder ihrer Begegnungen mehr als nervtötenden Schuljungen wahr, der einfach nicht den Rand halten konnte. Sie sollten über eine Fliegerstaffel zur Feier des Tages sprechen, oder zumindest war das das, was man Maya gesagt hatte. Die Hohe war dagegen, der König war dafür und es war unter der Würde von beiden, sich länger als zwei Minuten damit zu befassen.

Van Garde war gerade dabei gewesen, auf die Uhr zu sehen, als sie hereinkam, als würde er schon planen, wann er sich wieder aus dem Staub machen konnte. Maya blieb mit in die Seiten gestützten Händen in der Tür stehen und wartete, dass er etwas sagte. In ihrer geistigen Umnachtung dachte sie, es könne eine Entschuldigung sein. Stattdessen sagte er:
„Wir haben das Gerücht gestreut, dass du eine Laureline Vision hattest" und Maya hätte gerne zum ersten Mal in ihrem Leben jemand geschlagen. Stattdessen ging sie zu ihm hinüber, zu nah, um noch angenehm zu sein, und sagte:
„Van Garde, ich lege Euch stark ans Herz, mich in Ruhe zu lassen."

„Dafür ist es etwas spät."

„Ich habe inzwischen deutlich mehr gegen Euch und die Euren in der Hand, als ihr gegen mich."

„Ist das so?", fragte van Garde. „Oder spielt es überhaupt eine Rolle?"

Er schlenderte zum Fenster, scheinbar völlig entspannt. Wie sie ihn hasste. Maya war sich sicher, dass sie seinen Schattenriss gegen jedes Licht erkennen könnte inzwischen, weil man sich mit Emotionen geschärfte Erinnerungen besser merkte. Und oh ja, sie hatte Emotionen gegenüber diesem Stück Dreck in Uniform.

„Was hilft es dem Prinzen, wenn ich eine Laureline Vision habe? Das sind Ordensdinge."

„Nun ja. Schwer nachzuweisen, dass ihr keine hattet. So ein wenig Religion schadet nicht in schlechten Zeiten, nicht wahr?"

Eine falsche göttliche Vision, dachte Maya, was er für Nerven hatte. Die Hohe würde ihr glauben, schließlich hatte Maya ihr Leben den Sternen geweiht. Sie konnte sich nur keinen Reim darauf machen, was diese verlogenen Adligen, die schon wieder das nächste Spiel spielten, nachdem sie knapp einer Katastrophe entronnen waren, sich davon versprachen.

„Was ist mit der Flamme, van Garde?"

„Hat niemand mehr gesehen."

Sie wollte in den großen Wandschrank zu ihrer linken springen, sich einsperren und schreien, bis die Welt wieder zur Vernunft kam. Sie glaubte nur, dass sie lange schreien würde.

„Es weiß niemand davon."

„Wie lange noch?"

Maya hatte darüber nachgedacht, zur Hohen zu gehen. Jede Stunde, seit van Garde sie mitten in der Nacht aufgeweckt hatte. Sie träumte davon, dass ein gesichtsloser Mann das heilige Feuer in der Hand trug, wie einen Schneeball. Ihr Feuer. Ihre Flamme. Sie hatte vielleicht nicht die göttliche Vision gehabt, die van Garde jetzt heruafbeschwor, doch Albträume? Jede Menge.

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt