Cress und Nico stritten sich, als Julian hereinkam. Sie hatte nasse Haare und eine Decke um die Schultern. Will lehnte am Kamin, Finja saß grübelnd in einem der Sessel, Oliver schreckte hoch. Während Julian seinen Mantel aufhängte, sahen sie ihn alle an, aber niemand sprach, bis er zu ihnen ans Feuer trat. Kein Tee, kein Alkohol, nur der Geruch des Feuers.
„Was ist so dringend?"
Er hatte sein Möglichstes getan, um unauffällig seine Veranstaltungen am frühen Morgen abzusagen, aber was auch immer der Grund für diese Versammlung war, er musste gut sein. Er sah erwartungsvoll Nico an, weil dieser ihn benachrichtigt hatte und eindeutig aufgebracht war. Doch es war Cress, die zuerst etwas sagte. Cress, die eigentlich in der Villa der Künstler sein sollte.
„Oliver hat mir von den Plänen der Schaumeisterin berichtet. Auf dem Wasser. Dann haben wir von einem Militärboot Gesellschaft bekommen."
Julian regte sich nicht, aber er erschrak. Sie zog die Decke fester um ihre Schultern. Vermutlich war sie deswegen ins Wasser gesprungen. Um von dem anderen Boot nicht gesehen zu werden.
„Soldaten?", fragte er.
„Orden", korrigierte Nico an Olivers Stelle.
Julian hob das Kinn und sah zur hohen Stuckdecke hinauf. Der Orden im Haus der Künste, mitten in der Nacht. Das konnte viele Dinge bedeuten. Vor allem, dass sie mehr Pech hatten, als ihm lieb war. Cress kam die paar Schritte hinüber zu ihm. Ihre Augen waren klar, ihr Blick gerade.
„Der Mann, der zum Haus der Künste gefahren ist, war Ordensmitglied", sagte sie. „Ich habe ihn gesehen und mit der Schaumeisterin sprechen gehört."
„Um was ging es?"
„Um die Hochzeit, aber das ist nicht der Punkt."
Julian sah von Cress zu Will, der neben dem Kamin lehnte wie eine Statue. Zu Nico, der die Augen geschlossen und den Kopf gesenkt hatte, als hätte er gerade einen Krieg verloren. Zu Finja, die ihn ansah, als könne er gleich einen Mord begehen. Zu Oliver, der die Wand anstarrte. Zurück zu Cress.
„Was ist der Punkt?", fragte er sie. „Seit wann hast du Angst, die Dinge beim Namen zu nennen?"
Sie sah kurz aus, als hätte sie beinahe gelächelt. Dann kam sie noch einen Schritt näher und er konnte ihre Haare riechen. Das Shampoo, das Finja an all ihre Übernachtungsgäste verteilte und das Wasser des Speichers. Ihre Stimme war dunkel und tief wie dieses Wasser.
„Ich kenne den Mann. Den Priester."
Sie nickte in Nicos Richtung.
„Er hat mir den Auftrag gegeben, ihn umzubringen."
Für einen Moment verstand Julian nicht, was sie meinte. Gedanklich war er noch halb am späten Banketttisch mit den Parlamentsmitgliedern. Hörte noch das teure Besteck gegen die Teller schlagen, bis mit einem Klang wie ein Löffel gegen ein Glas die Bedeutung von Cress Worten bei ihm ankam. Er fragte nicht, ob sie sich sicher war. Wäre sie es nicht, hätte Nico ihn nicht geholt. Stille legte sich über die nächtliche Versammlung, alle Augen auf ihm, aber er sah nur in das Paar, das direkt vor ihm stand. Von allen Menschen im Raum hatte Cress Cye am wenigsten Angst. Wie ironisch.
„Name?", fragte er und seine Stimme war heiser von den unnützen Gesprächen mit den Herzögen, die er die ganze Nacht geführt hatte.
„Juli ...", machte Nico. „Es wird nicht besser."
„Mit dir habe ich nicht geredet."
Julian und Cress standen sich immer noch gegenüber und die anderen wussten es besser, als sich zwischen sie zu drängen. Es war offensichtlich, dass Nico schon alles getan hatte, um das Informationsungleichgewicht auszugleichen. Dass Cress den Adligen, den sie gesehen hatte, natürlich nicht benennen konnte, aber Nico es herausgefunden hatte. Schließlich wirkte es nicht so, als hätten sich seine Freunde erst vor fünf Minuten hier versammelt. Er würde herausfinden, was alles geschehen war, während er Diplomatie betrieben hatte. Was sie besprochen hatten ohne ihn. Doch bevor die Einzelheiten kamen, wollte er es wissen. Die wenigen Buchstaben, für die sie alles getan hatten und die ihnen nun der Zufall zugeworfen hatte.
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Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]
Science Fiction"Ich habe dich geliebt, wie Zerstörung Königreiche liebt." In den Narben, tiefen Schluchten am Rande der Hauptstadt des Imperiums, ist Cress Cye gefürchtet. Die alten Monster, die dort in den Tiefen leben, kennt sie gut. Als eines davon so viel Scha...
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