9 - Palast, Arbeitszimmer des Königs

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Der König schien zutiefst verstimmt über die jüngsten Entwicklungen. Dass sein Sohn heimgekehrt war, gerade als er ein Maneuver gegen die Hohe gestartet hatte, war zu viel Ablenkung. Wahrscheinlich war es ihm auf einer persönlichen Ebene sehr Recht gewesen, dass sich sein Thronfolger selbst verbannt hatte, doch es hatte ihn nicht gut aussehen lassen in den Augen des Adels, des Ordens und des Volks. Die unvermittelte Rückkehr, über die bereits der ganze Palast sprach, schien eine erneute Provokation, wie Nico schon gesagt hatte.

Julian setzte sich dem König gegenüber und bekam genau das, womit er gerechnet hatte: volle zehn Minuten Stille. Er hatte jedoch auch erwartet, dass seine Wut ihn übermannen würde. Dass der Hass, der ihn zum Schutz aller fortgetrieben hatte von hier, sich entladen würde, sobald er wieder in dieses Gesicht sah. Doch es war nicht so schlimm, dass er die Kontrolle verlor. Die beiden Politiker starrten sich an, ohne einen Muskel zu bewegen. Früher hatte der König die Hand gegen ihn erhoben, wenn er seine Befehle missachtet hatte. Julian hatte sich gefragt, ob er ihn wieder schlagen würde für seinen Ungehorsam. Doch das hier stand in keinem Verhältnis zu den Vergehen, für die er blaue Flecken und angeknackste Rippen kassiert hatte. Es war keine Blamage für die Familie, es war militärischer Ungehorsam. Hochverrat, wenn man es so auslegen wollte. Julian wusste, dass sein Vater nicht viele Optionen hatte. Er konnte ihn enterben, aber das würde er nicht tun. Er konnte ihm weh tun, aber das würde bei der zweifellos gerade eilig auf die Beine gestellten Willkommensfeier zu sehr auffallen, wenn der König es in dem Maße betrieb, wie er es gerne hätte. Julian hatte keine Angst vor Schmerz. Nicht vor dieser Art. Die letzte Option seines Vaters war, so zu tun, als wäre alles geplant gewesen und es hätte nie ein Problem gegeben. Julian sah dem Mann, der so lange jede seiner Bewegungen kontrolliert hatte, in die blauen Augen, die seinen eigenen so ähnlich waren, und wartete auf das Urteil des Königs. Einen Vater sah er nicht mehr dort, nur einen Monarch, der in lästige soziale Beziehungen verstrickt worden war, als er widerspenstige Kinder gezeugt hatte.

„Halt' die Füße still", befahl der König irgendwann. „Eine falsche Bewegung, Julian, und meine Gnade wird mir leidtun. Du heiratest in einem Monat."

Er entließ ihn ohne ein weiteres Wort.

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt